Festung Wagner bei Metz will Touristen locken

Renovierte Kriegsanlage : Als Metz des Kaisers Festung war

Zwischen dem Krieg 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg bauten die Deutschen rund um Metz einen Festungsgürtel mit zehn großen Festen. Hobbyhistoriker und Technikfreaks haben eine von ihnen renoviert und für Besucher zugänglich gemacht: die Feste Wagner.

Ein bis zwei Mal im Jahr taucht ein kleiner Pulk Neunkircher im südlichen Waldgebiet von Metz auf, wo sie unweit von Wachhäuschen und Unterständen freundlich empfangen werden. Ganz besonders begrüßen sich dann Raymond Decker, einst Major der armée de l’air, und Friedrich Decker, früher Oberbürgermeister der Stadt Neunkirchen. Letzterer ist ein ausgezeichneter Kenner Lothringens und auch ein Fachmann in der Historie deutscher und französischer Festungswerke. Der lothringische Decker indes ist ein pensionierter Militär, der sich heute einer Sache mit Haut und Haar verschrieben hat: der Verwaltung der Festungsanlagen in den Wäldern Lothringens, ganz besonders aber der Herrichtung der alten Feste Wagner.

Sie wurde zwischen 1904 und 1910 als Teil der kaiserlichen Großfestung Metz erbaut. Kriegerische Handlungen erlebte diese Feste keine, aber der Zahn der Zeit nagte an dem Bauwerk und seinen Einrichtungen. Das Kriegsgerät verrottete. Mit einer Handvoll technisch versierter Männer hat Raymond Decker die verrottete Festung begehbar und anschaulich gemacht. Heute kündet ein Flyer in drei Sprachen von den Besichtigungsmöglichkeiten. Was aber da so schlicht berichtet wird, nämlich dass die Feste Wagner aus sieben, durch unterirdische Hohlgänge verbundenen Einzelwerken besteht, lässt nicht erkennen, welch immense Arbeit hinter der Aufrüstung im friedlichen Sinne steckt. Das Gelände hat die Größe von etwa vierzig Fußballfeldern.

Raymond Decker und seine Gefolgsleute bekommen Glanz in ihre Augen, wenn sie heute das Ergebnis ihrer Renovierungsarbeiten betrachten. Die fleißige Truppe der Association Découverte de la Fortification Messine (ADFM) hat über Jahre nicht nur die Landschaft um die Feste Wagner gepflegt, sondern vor allem auch in allen erdenklichen Winkeln und Ecken nach Ersatzteilen aus jenen kriegerischen Tagen gesucht, um die Feste so ein- und herzurichten, wie sie in der Kaiserzeit wohl eingerichtet war.

Ganzer Stolz der Anlage ist das Kraftwerk. Die Festungsforscher  ergatterten mit Erfolg in verschiedenen Werken und auch bei Schrotthändlern Generatoren und marmorne Schalttafeln. Ein reizvoller Anblick für die Techniker. Um jedoch an manche Geräte zu gelangen, musste Raymond Decker bis in die höchsten Gefilde der französischen Administration vordringen. Selbst der französische Verteidigungsminister Le Drian erteilte in einem Fall die Erlaubnis, Motoren aus einem Festungswerk aus- und in der Feste Wagner einzubauen. Auch der Neunkircher Ex-Oberbürgermeister  Friedrich Decker konnte über Beziehungen diverses Material zur Hilfe bei den Renovierungsarbeiten beisteuern.

Heute sagt Raymond Decker: „Jetzt müssen nur die Leute kommen.“  Der Flyer verkündet als Werbebote: Einst waren in der Feste Wagner 1250 Mann untergebracht. Heute sind noch acht Kanonen und Haubitzen unter Panzerkuppeln, mehrere Schnellfeuerkanonen, ein Kraftwerk mit sieben Deutz-Motoren, Großküchen, Schlafräume und viele Wandmalereien in der Anlage zu besichtigen.

Hier im Süden von Metz, bei Verny, am Rande der D913, an der Abzweigung nach Pournoy-la-Grasse, muss man kein Kriegsenthusiast sein, um dieses renovierte Werk zu besichtigen. Wer technische Interessen hat, wird voll auf seine Kosten kommen. „Wir wollen hier ja nicht Krieg spielen“, stellt Raymond Decker fest. „Im Gegenteil, durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte sollten Kriege vermieden werden.  Bei uns sind daher auch alle Nationen willkommen.“

Ganzer Stolz der Anlage: das Kraftwerk mit Schalttafeln und Generatoren. Foto: Gerd Meiser

Als dann die renovierten Siemens-Deutz-Generatoren zur Demonstration fachlichen Könnens angeworfen werden, gibt es Beifall von der Besuchergruppe für die Leistung der ehrenamtlichen Festungsrenovierer. Ja, es ist interessant, dem Krieg aus einer friedlichen und technischen Perspektive zu begegnen.