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Der schwere Gang mit dem miserablen Zeugnis nach Hause

Der schwere Gang mit dem miserablen Zeugnis nach Hause

Saarbrücken. Eine Fünf in Mathe oder Englisch: Wenn das Zeugnis fast nur aus Vieren und Fünfen besteht, haben viele Schüler Angst, nach Hause zu gehen und es ihren Eltern zu zeigen. So geht es heute wieder einigen saarländischen Schülern. Denn bevor sie in die Ferien starten, gibt es Zeugnisse

Saarbrücken. Eine Fünf in Mathe oder Englisch: Wenn das Zeugnis fast nur aus Vieren und Fünfen besteht, haben viele Schüler Angst, nach Hause zu gehen und es ihren Eltern zu zeigen. So geht es heute wieder einigen saarländischen Schülern. Denn bevor sie in die Ferien starten, gibt es Zeugnisse. Schüler, die die Klasse wiederholen müssen, haben diese Zwangslage schon hinter sich: Sie bekommen ihr Zeugnis vorher zugeschickt. Allen anderen Schülern steht der Gang nach Hause noch bevor.Der Schulpsychologe aus dem Regionalverband Saarbrücken, Holger Weikopf, rät Eltern davon ab, ihren Kindern wegen eines schlechten Zeugnisses Vorwürfe zu machen. "Es bringt nichts, wenn sich das Kind wegen seiner Noten schlecht fühlt", erklärt er im Gespräch mit der SZ. Statt dessen sollten Eltern gemeinsam mit dem Kind und dem Klassenlehrer versuchen, die Gründe für die schlechten Zensuren herauszufinden. "Die schlechten Noten sind oft die Folge von anderen Problemen, die die Kinder haben", meint der Schulpsychologe. Dazu gehören etwa Konzentrationsprobleme, Schulangst oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. "Eine schlechte Note ist ein Indikator dafür, dass etwas schief läuft oder das Kind überfordert ist", sagt er.

Sein Kind wegen eines schlechten Zeugnisses zu bestrafen, davon hält Weikopf nichts. Eltern sollten ihr Kind lieber dafür belohnen, wenn es ein vorher vereinbartes Ziel erreicht hat. "Man kann zum Beispiel mit dem Kind vereinbaren, dass man am Samstag mit ihm ins Schwimmbad fährt, wenn es vorher jeden Tag eine halbe Stunde lang vorgelesen hat", sagt er.

Wer seine schlechten Zensuren verbessern will, könne die Sommerferien zum Lernen nutzen. "Wenn Kinder in den Ferien arbeiten, muss der Zeitrahmen angemessen sein", erklärt der Schulpsychologe. Er empfiehlt nicht mehr als 30 Minuten Lernen am Tag, je nach Alter des Schülers. "Ferien sollen auch Ferien sein, man darf es nicht übertreiben", sagt Weikopf. Die Aufgabe der Eltern bestehe darin, die Leistung ihres Kindes zu überprüfen und sie zu belohnen. "Eltern sollten möglichst wenig mit den Kindern arbeiten, weil dann schnell Druck entsteht", sagt er. Wichtig sei, mit dem Kind vorher genau festzulegen, wann er was machen soll.

Hilfe bei Problemen rund um das Thema Schule erhalten Schüler und ihre Eltern bei den schulpsychologischen Diensten der Landkreise. Zu erreichen sind die Dienste über die jeweilige Verwaltung.

"Es bringt nichts,

wenn sich das Kind

wegen seiner Noten schlecht fühlt."

Schulpsychologe

Holger Weikopf