Das "Sahnehäubchen für Manhattan"

Das "Sahnehäubchen für Manhattan"

Sulzbach. Vor drei Jahren hat sie die Galerie "Agora" in Manhattan/New York angesprochen, ihre Bilder dort auszustellen. "Besonders erfolgreich war auch ihre Ausstellung in Saarbrücken am Eurobahnhof im Juli diesen Jahres", formulierte es Kunsthistorikerin Nicole Baronsky-Ottmann in ihrer Laudatio

Sulzbach. Vor drei Jahren hat sie die Galerie "Agora" in Manhattan/New York angesprochen, ihre Bilder dort auszustellen. "Besonders erfolgreich war auch ihre Ausstellung in Saarbrücken am Eurobahnhof im Juli diesen Jahres", formulierte es Kunsthistorikerin Nicole Baronsky-Ottmann in ihrer Laudatio. Denn die Malerin fand ihren Weg dieser Tage in die frisch renovierten Räume der Vereinigten Volksbank (VVB) Sulzbach. Kerstin Arnold präsentiert dort vier Wochen lang ihre Ausstellung "Realistische Malerei", die am Dienstagabend eröffnet wurde.Schon vor Beginn der Ansprachen ging ein ungläubiges Staunen durch die Besuchermenge, die vor den "unglaublich realistischen Ölgemälden", wie es Ottmann später formulierte, buchstäblich die Lupe auspackten. "Für mich ist das Neuland. Ich muss da nah ran gehen, damit ich glaube, dass es keine Fotografie ist", sagte Besucherin Irma Germann aus Dudweiler. Auf den Exponaten blinkten den Gästen rotbackige Cocktailtomaten in einem Arrangement von Nudeln und Olivenöl entgegen; kugelrunde, schokoladenschwangere Törtchen mit Sahnehaube und roten Hochglanz-Zuckerherzchen obendrauf. "Man möchte ständig da reinbeißen", kommentierte es Mathias Beers, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Volksbank Sulzbach in seiner Rede. Vor allem appetitlich sollten sie aussehen, so die Malerin: die Tomaten, die gefüllten Weingläser, bei denen sich der Betrachter wundert, dass sich wegen ihrer realistischen Darstellung noch keine Fruchtfliege auf den Rand des Glases verirrt hat.

Die 1964 in Chemnitz geborene Künstlerin legt ihr Augenmerk auf die Darstellung wirklichkeitsgetreuer Objekte und Menschen. Vielleicht sei diese Tendenz geprägt von der "neuen Leipziger Schule", einer Vereinigung von Künstlern der ehemaligen DDR, die sich den Fotorealismus auf die Fahne geschrieben habe, erläuterte Baronsky-Ottmann weiter. Doch Arnolds künstlerisches Talent fiel schon in ihrer Schulzeit auf. Sie habe immer schon realistisch gemalt. "Dadurch übt man ja ständig", sagt sie. Der Empfehlung, ein Studium an einer Kunsthochschule zu beginnen, folgte sie nicht. "Ich hätte damals wegen des ideologischen Geistes nicht ,freie' Kunst studieren können", erklärte Kerstin Arnold gegenüber der SZ. Als Autodidaktin mit ihrem Beruf als technische Zeichnerin, der Exaktheit zusätzlich trainiert, kam sie 1989 ins Saarland. Hier arbeitet sie in ihrem Saarbrücker Atelier. Hier hat man sie durch ihre erstaunlichen malerischen Fähigkeiten auch gefunden. "Ich habe schon mit einem Kunstverlag gearbeitet. Man hat die Lebensmittelbilder in Auftrag gegeben. Seit 2009 arbeite ich allerdings an lebensgroßen Darstellungen von Menschen", erläuterte Arnold. Zustande kam die Ausstellung in den VVB-Räumen durch Rolf Kaiser, ehemaliger Vermessungssteiger der Grube Göttelborn. Er hatte Arnolds Bilder in der Manhattaner Galerie gesehen, ohne zu wissen, dass sie aus dem Saarland stammen. "In einem Hochglanz-Kunstmagazin stand über Arnolds Bilder, sie seien ein Sahnehäubchen für Manhattan. Da dachte ich: Das kann für Sulzbach nicht schlecht sein", sagte Kaiser. "Für mich ist das Neuland. Ich muss da nah ran gehen, damit ich glaube, dass es keine Fotografie ist."

Besucherin Irma Germann