Farben und Formate

Der Blick des Betrachters fällt zuerst auf zwei großformatige Arbeiten: Bis zum 5. Juli zeigt die Künstlerin Ruth Bellon eine Auswahl ihrer Arbeiten unter dem Titel „Metamorphosen“ in der Galerie im Forum in Homburg.

Auf den ersten Blick mag die sachliche Einschätzung von Ruth Bellons Arbeiten einem leicht fallen: Abstrakte Kunst. Doch was derzeit und noch bis zum 5. Juli in der Galerie im Homburger Forum zu sehen ist, ist eben nicht abstrakt. Denn: Die Abstraktion setzt als Ausgangspunkt die Gegenständlichkeit voraus. Und genau die gibt es bei Ruth Bellon eben nicht. Anlässlich der Vernissage am vergangenen Donnerstagabend betonte Laudatorin Nicole Baronsky-Ottmann eben diesen Aspekt der in Dudweiler lebenden, freischaffenden Künstlerin nachdrücklich. "Ruth Bellons Gemälde sind ungegenständlich, eigentlich sogar informell. Eine Abstraktion im kunsthistorischen Sinne liegt nicht vor, denn dies ist eine ausgeprägte Reduzierung von dargestellten Dingen." So sei der Begriff "Informell" deswegen weitaus treffender, "denn er charakterisiert eine künstlerische Haltung, die das klassische Form- und Kompositionsprinzip ebenso ablehnt wie die geometrische Abstraktion", so Baronsky-Ottmann vor den zahlreichen Gästen der Vernissage.

Bildhaft steht Baronsky-Ottmanns kundige Einschätzung für ganz unterschiedliche Arbeiten, sei es mit Blick auf die eingesetzte Technik oder das Format, die derzeit die Galerie im Forum mit Farben füllen. Und eben Farbe ist schon das, was die Ausstellung von Ruth Bellon auszeichnet - nicht zuletzt zwei großformatige Arbeiten, auf die der Blick eines Besuchers der Galerie wohl als erstes fällt, zeigen physisch, was Baronsky-Ottmann treffend in Worte fasste: Präsentiert sich das eine als großformatige Leinwand in kräftigem Rot mit ruhiger Anmutung, so hat Ruth Bellon direkt daneben 20 kleinere Leinwände zu einem Gesamtwerk zusammengestellt, die in einer eigenen Dynamik miteinander korrespondieren. Baronsky-Ottmann: "Auf dem kleinteiligen Gemälde sind es die Farben Rot, Magenta, Weiß und Grau, die vorherrschen, in dem Gemälde daneben ist es sogar nur die Farbe Rot. Aber trotzdem sind beide Arbeiten sehr lebendig, ausdrucksvoll und auch äußerst ästhetisch."

Neben den Werken an sich ist es auch die Hängung, mit der die von Galerie-Leiter Udo Steigner im Dialog mit Ruth Bellon konzipierte Schau überzeugen kann: Im formalen Gleichklang der einzelnen Bildformate gewinnt Bellons Werk in seiner durchaus gewollt uniformen Präsentation zusätzlich an Gewicht: Die klare Form des Ausstellungskonzeptes unterstreicht gekonnt die Gegenstandslosigkeit der Bellon'schen Malerei, und ist damit auch ein Teil der "Metamorphosen", so der Titel der Ausstellung, die der durchweg beeindruckenden Schau ihren inhaltlichen Rahmen geben.