1. Saarland

Buddeln für die Kunst

Buddeln für die Kunst

Saarbrücken. Es ist der sicher schönste Bauzaun des Landes. Plakate mit Gemälden und Skulpturen zieren ihn auf etlichen Metern Länge. Und selbst ein wenig fantasiebegabter Mensch kann sich also vorstellen: Diese Baustelle hier hat wohl was mit Kunst zu tun

Saarbrücken. Es ist der sicher schönste Bauzaun des Landes. Plakate mit Gemälden und Skulpturen zieren ihn auf etlichen Metern Länge. Und selbst ein wenig fantasiebegabter Mensch kann sich also vorstellen: Diese Baustelle hier hat wohl was mit Kunst zu tun. Tatsächlich entsteht hinter den bunt geschmückten Brettern die lange ersehnte, heiß diskutierte Galerie der Gegenwart, der Vierte Pavillon des Saarlandmuseums. Eine große, breite Baugrube ist derzeit hinter dem Zaun zu sehen. Wie dicke Riesenzahnstocher-Bündel ragen seitlich Stahlseile aus der Erde. Zwei Bauarbeiter ziehen und zerren daran. Ein einsamer Bagger steht stumm. Es geht recht ruhig zu bei unserem Besuch auf der Großbaustelle. "Wir liegen gut im Zeitplan", sagt Ralph Melcher, der Direktor des Saarlandmuseums. Derzeit ist die Baugrube 4,5 Meter tief. Acht Meter müssen es werden, damit die Wanne Platz findet, die das neue Museum gegen Grund- und Hochwasser absichert. "Bis man die Grube ausbaggern kann, muss die Witterung aber besser sein", meint er. Aber auch das sei im Bauplan natürlich einkalkuliert. Wenn man Ralph Melcher dieser Tage so zuhört, könnte man meinen, der Kunsthistoriker hätte heimlich noch einen Aufbau-Studiengang in Architektur draufgesattelt. Kenntnisreich erläutert er, was da noch alles zu erwarten ist, wo und auf welche Weise gebohrt wird - "nicht gerammt!", betont er im Hinblick auf entsprechende Befürchtungen der Anwohner. Das rumpelnde Geräusch, das so manchen Nachbarn alarmierte, kam von den Schüttelbewegungen des Bohrers. Rammen wäre für den Museums-Chef nie in Frage gekommen. "Wir haben da nebenan Kunstwerke für Hunderte von Millionen hängen", meint er. Und die Moderne Galerie steht arg dicht neben der Baugrube. Das beliebte "Blaue Pferdchen" haben die Bauarbeiter täglich im Blick. Sorgen um seine Kunstwerke macht sich Melcher trotzdem nicht. "Wir haben eine superempfindliche Alarmanlage, die reagiert auf Vibration." Trotzdem hat der Museumschef im letzten Jahr die Moderne Galerie ein bisschen umgeräumt. Da kam ihm die Neuerwerbung eines Großformats von Michel Majerus gelegen. Das wollte er ohnehin gern im Erdgeschoß zeigen. "Die kleinen und wertvollen Bilder hängen jetzt oben." Das aber nicht, weil Melcher Angst hätte, die Bauarbeiten könnten schaden - da werden derzeit ohnehin sicherheitshalber die Fundamente der Modernen Galerie geprüft. "Aber da steht jetzt schweres Baugerät, und wir haben ja viele Glas-Fassaden". Auch wenn das natürlich alles nahezu unzerstörbares Sicherheitsglas ist - so ein Bagger in Vandalen-Händen könnte dennoch Schaden anrichten. Also alles im Lot, alles im Plan auf der Großbaustelle für die Kunst? Vom Museumschef kommt ein eindeutiges Ja. Und eine deutliche Verärgerung über die jüngste Debatte um die mögliche Verschiebung der offiziellen Eröffnung. Aktuell geht Melcher davon aus, dass der Bau Mitte 2011 fertig ist. Aber um eine möglichst spektakuläre Eröffnungs-Ausstellung zu konzipieren, braucht er ein zu 100 Prozent verlässliches Datum. "Offizielle Leih-Anfragen kann ich erst stellen, wenn es einen fixen Termin gibt." Und den könne man erst festlegen, wenn der Rohbau weitgehend steht. Weshalb er quasi vorsorglich einen Zeitpuffer erbeten habe. Was aber nicht bedeute, dass das neue Museum zur Eröffnung leer steht. Bei diesem Vorwurf, den einige Politiker brachten, wird Melcher richtiggehend kiebig. Und er erinnert nicht ohne Vergnügen daran, dass die Museums-Erweiterung bereits 1978 geplant wurde, weil nicht genug Platz für eigene Werke da war - "dabei gab es damals die Schenkung der Sammlung Kohl-Weigand noch gar nicht". Nach dieser Schenkung verdoppelte sich der Bestand des Museums quasi über Nacht. Also keine Gefahr, dass das neue Museum leer steht.