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Prozess wegen Vergewaltigung gegen Fallschirmjäger Zweibrücken

Vergewaltigungsprozess Landgericht Zweibrücken : Großes Defilee vor der Strafkammer des Landgerichts

Fünf ehemalige Kameraden der zwei wegen Vergewaltigung angeklagten Zweibrücker Soldaten haben am Mittwoch ausgesagt.

Akribischer geht es wohl kaum: Im seit vergangenen Montag am Landgericht Zweibrücken laufenden Vergewaltigungsprozess (wir berichteten) lässt die mit dem Verfahren befasste Sechste Strafkammer offensichtlich nichts unversucht, um der Sache auf den Grund zu gehen. So lässt sie – gefühlt – die halbe Kompanie, in der die beiden Angeklagten zur Tatzeit gedient hatten, im Zeugenstand antreten. Allein am Mittwoch befragte die Strafkammer fünf einstige oder noch aktive Soldatinnen und Soldaten – ehemalige Kameraden der beiden 28-jährigen, damals in Zweibrücken stationierten Zeitsoldaten, die aus Solingen beziehungsweise aus Meckenheim in Nordrhein-Westfalen stammen.

Staatsanwalt Christian Heinekamp hatte den Angeklagten zum Prozessauftakt zur Last gelegt, eine damals 19-jährige Kameradin in der Nacht zum 13. Juni 2018 in Zweibrücken nach einem feucht-fröhlichen „Ausgang“ auf dem Nachhauseweg „gegen ihren ausdrücklich geäußerten Willen gemeinschaftlich und gewaltsam handelnd im Intimbereich berührt“ zu haben. Dabei soll einer der Angeklagten die junge Frau festgehalten und der andere mit ihr den „vaginalen Geschlechtsverkehr ausgeübt“ haben, wie es in der Anklage hieß.

Am Donnerstag, dem nunmehr dritten Verhandlungstag, erinnerte sich ein 27-jähriger ehemaliger Kamerad und Freund an ein Gespräch mit dem Solinger während einer gemeinsame Dienstfahrt ins saarländische Merzig – am Morgen nach der Feier und damit der mutmaßlichen Tatnacht. Sein Beifahrer, der die Abfahrt offenbar in Folge der vorangegangenen Kneipentour „verpennt“ und erst von ihm in der Kaserne „auf der Stube“ geweckt werden musste, habe ihm damals während der Fahrt „einen kleinen Einblick gegeben, was in der Nacht vorgefallen war“, erzählte der 27-Jährige.

Dass mit einer Kameradin „was gelaufen“, die junge Frau dabei „festgehalten“ worden sei und er „Scheiße gebaut“ habe, soll er ihm gebeichtet haben, ohne konkreter zu werden. „Da war vielleicht auch etwas Reue dabei“, vermutete der Zeuge. „Ich habe mir gedacht, dass da etwas passiert ist, was sie nicht wollte.“ Er habe seinem Kameraden dann zwar gesagt, dass er sein Handeln nicht gutheiße („Ich habe nicht damit gerechnet, dass er zu sowas fähig ist“), es aber dabei belassen und dann auch nicht „gemeldet“, weil geglaubt habe, es sei wohl nicht „so schlimm“ gewesen.

Gleichwohl sei auf der Rückfahrt von Merzig nach Zweibrücken „sehr viel geschwiegen“ worden, berichtete der 27-Jährige. Bei der Kameradin habe es sich um eine junge Frau gehandelt, die seinerzeit im Innendienst auf dem Geschäftszimmer arbeitete. Schon von daher habe sie mit vielen Angehörigen der Kompanie zu tun gehabt. Sexuelle Kontakte seien da nicht ausgeblieben: „Sie war ein hübsches Mädel, und wir waren 120 Jungs – das ist ganz normal.“

Das bestätigte eine 24-jährige ehemalige Kameradin auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters Andreas Herzog. Es sei in der Kompanie „bekannt“ gewesen, dass die junge Frau „sehr viele sexuelle Kontakte“ hatte, antwortete die 24-jährige Zeugin. „Das war in der Kompanie kein Geheimnis.“

Allerdings erinnerte sie sich auch daran, dass sich ihre Kameradin damals bei einem gemeinsamen Toilettengang in einer der während des „Ausgangs“ besuchten beiden Kneipen beklagt habe, dass einer ihrer späteren mutmaßlichen Vergewaltiger, wohl der angeklagte Solinger, „aufdringlich“ sei und sie auf ein Schäferstündchen angesprochen habe. Sie, die andere Kameradin, hätte ihm aber gesagt, dass sie „keinen Bock“ darauf habe. Auch hätte sie es zunächst abgelehnt, von den beiden Männern nach Hause gebracht zu werden: „Sie wollte es nicht.“ Nach dem „Vorfall“ habe die Kameradin ihr erzählt, von den Männern gegen ihren Willen „angefasst“ und „festgehalten“ worden zu sein.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt.