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Zweibrücken: Oberbürgermeister Wosnitza legt Halbzeit-Bilanz vor

Wosnitza seit vier Jahren im Amt : Oberbürgermeister legt Halbzeit-Bilanz vor

Vier Jahre ist Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) nun im Amt. Auf den 44 Seiten seiner Halbzeit-Bilanz klingt er tatendurstig, manches sei bereits erreicht und vieles in der Mache.

Vier Jahre sind vergangen, seit Marold Wosnitza (SPD) nach dem allzu frühen Tod seines Vorgängers Kurt Pirmann (SPD) das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Zweibrücken angetreten hat. Halbzeit bedeutet dies in der acht Jahre dauernden Amtsperiode.

Wosnitza hat am Mittwoch eine Zwischenbilanz vorgelegt, die über stolze 44 Seiten geht. Wir bringen hier eine Zusammenfassung. Der OB selbst gliedert seine Bilanz in Projekte, die in den vergangenen vier Jahren zum Abschluss gebracht werden konnten, die angestoßen sind, die gestoppt sind beziehungsweise stocken sowie Projekte in der Konzeptionierungsphase.

Abgeschlossene Projekte:

Ehemaliges Finanzamt: Das alte Finanzamt wechselte nach dem Abzug der Finanzverwaltung mehrfach den Eigentümer; nach diversen Überlegungen „wurde die Immobilie an einen Immobilienentwickler verkauft und jetzt befinden sich schöne Eigentumswohnungen mit sehr individuellen Zuschnitten darin“, so der Oberbürgermeister.

Früherer Hauptbahnhof: „Eine echte Herausforderung für die Stadt“ bilanziert Wosnitza. Die Deutsche Bahn habe das Gebäude „über viele Jahre (...) vernachlässigt“. Nach der Übernahme durch die Gewobau hat das DRK mittlerweile dort eine Backstube, einen Kiosk, eine Mobilitätszentrale sowie eine Postfiliale eröffnet. Vor zwei Monaten zogen ferner das Kleiderkaufhaus des DRK und ein Reparatur-Café dort ein. „Dieses Angebot und die bereits vorhandenen Mieter bilden den Grundstock für die weitere Entwicklung in den nächsten beiden Jahren. Einen vielversprechenden Interessenten dafür gibt es schon.“

Freizeitbereich an der Schließ: Das DRK betreibt den Minigolf-Platz und den Tretbootverleih gegenüber. Die Gewobau habe die Anlage saniert, sie locke nun viele Besucher an, ebenso wie der angrenzende Biergarten, so der OB.

Bubenhauser Kreisel: Hier erlaubt sich Wosnitza eine kritische Anmerkung. Er sei „nicht überzeugt“ gewesen von der Notwendigkeit des „Überfliegers“. Wosnitza: „Der Rat fällte aber vor einigen Jahren unter anderen Vorzeichen diese Entscheidung und das Bauwerk wurde umgesetzt.“ Es gab einige Pannen rund um den „Überflieger“. (Nach wie vor gibt es Ärger: Die Oberfläche ist unsauber gearbeitet, in der Mitte des Bauwerkes gibt es eine Unebenheit, die aber bald behoben sein soll). Zweites Projekt am Kreisel: Die Fußgänger- und Fahrradbrücke wurde 2022 dort wieder in Betrieb genommen. „Bis 2021 haben wir darüber verhandelt, wer die Kosten für die Brücke übernimmt. Am Ende hat sich die lange Verhandlungsdauer gelohnt. Die Kosten wurden vom Bund getragen und belasteten nicht unseren städtischen Haushalt.“

Steitzhof: „Wir konnten das Gelände an einen Projektentwickler verkaufen, der dort für einen Großlogistiker eine 50 000 Quadratmeter große Halle baute und damit hunderte von Arbeitsplätzen schafft. Die Halle steht. Mitte 2023 wird der Mieter einziehen.“ Wosnitza stolz: „Bei diesem Projekt handelt es sich um eines der ersten großen Neuansiedlungen mit potentiell mehreren hundert Arbeitsplätzen in der Stadt und dem Zef-Gebiet seit über einem Jahrzehnt.“

Raiffeisen-Gelände: 2020 fiel der Raiffeisenturm; mit dem Abriss des Silos war die Geschichte des Raiffeisenstandortes in der Luitpoldstraße beendet. „Die Flächen auf der gegenüberliegenden Straßenseite lagen schon länger brach und waren vor dem Hintergrund der zentralen Lage als innerstädtische Fläche ein nicht nur ästhetisches, sondern auch städtebauliches Problem. 2019 kaufte ein Investor dann die Fläche von der Stadt, eröffnete 2022 einen kleinen Gewerbepark und hat damit das Bild in dieser Ecke der Stadt deutlich verbessert. Ein paar Flächen sind noch frei, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass dort recht bald weitere Gebäude entstehen.“

Oltsch-Gelände: 1996 schloss die Firma Oltsch in der Homburger Straße ihre Tore. Seitdem lag die 33 000 Quadratmeter große Fläche in der Stadt brach. „Seit diesem Jahr steht dort eine große Logistikhalle des Unternehmens John Deere. Neben der Tatsache, dass die Brache jetzt endlich verschwunden ist, hat John Deere hiermit auch ein bauliches Zeichen für eine langfristige Zukunft in Zweibrücken gesetzt und damit auch langfristig Arbeitsplätze gesichert.“ 1000 Mitarbeiter sind dort aktuell beschäftigt.

Kita Gabelsberger: Im Dezember 2022 wurde nach mehreren Störungen (Bombenfund, Wasserschaden) die Kita eröffnet, sie bietet 80 Kindern Platz; fünf Millionen Euro wurden investiert.

Festhalle: Nach 14 Jahren als Pächter zog sich die Zadra-Gruppe 2022 zurück: mit dem Unternehmen Festlicht des Ehepaares Matheis gewann die Stadt einen Nachfolger, der neue Akzente setzen soll.

Projekte in der Umsetzung:

Ex-Seniorenheim Bickenalb: „Seit November 2022 haben wir einen Käufer und die Verträge sind gezeichnet. Die Immobilie geht im ersten Quartal 2023 an den neuen Besitzer über und dann wird dort ein spannendes Projekt entwickelt, das im März der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Die Umbauarbeiten sollen im gleichen Jahr beginnen.“

Mazurkiewicz-Gelände: Das seit dem Ende des 20. Jahrhundert brachliegende Gelände in Rimschweiler „wurde 2012 von der Stadt erworben. Die Altlasten wurden beseitigt, aber eine Zukunftsperspektive gab es für das Gelände nicht wirklich. (...) 2021 wurden dann schließlich die Pläne für ein Wohngebiet festgeschrieben. Auf dem Gelände werden nun Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser entstehen. Der Bebauungsplan für das Wohngebiet Hirtengarten ist aufgestellt. Erschließungsbeginn und Vermarktung ist voraussichtlich Anfang/Mitte 2024.“

Freisportanlage auf dem Exe: Wosnitza sagt, dies sei eines seiner Herzensprojekte vor vier Jahren gewesen – die „Stadt am Wasser“ auf dem Exe mit einer Anlage für Skater weiter aufzuwerten. Die Stadt habe Bundesfördermittel locker machen können. „Nächstes Jahr werden die Bagger rollen. Die Einweihung ist für spätestens 2024 geplant.“

Straßenausbauprogramm: Niederauerbach: Riedingerstraße (abgeschlossen), Gersbergerhofstraße (abgeschlossen), Pirmasenser Straße (2025); Oberstadt: Bauwerkerstraße (abgeschlossen), Dr.-EhrensbergerStraße (abgeschlossen), Uhlandstraße (2023), Zeilbäumerstraße (2025); Unterstadt: Herzog-Wolfgang-Straße (abgeschlossen), Wackenstraße (2025), Storchenstraße (2025); Ernstweiler: Zeppelinstraße (2023), August-Bebel-Straße (1. Bauabschnitt) (2024); Weststadt: Tilsitstraße (2. Bauabschnitt) (begonnen), Schlachthofstraße (2024); Oststadt: Weißdornweg (2023), Vogelgesangstraße (begonnen), Esebeckstraße (2024), Pasteurstraße (2025); Rimschweiler: Bayernstraße (2025); Mittelbach: Breitensteinstraße (abgeschlossen), Alte Friedhof-Straße (2024).

Bauprojekt Alte Ixheimer: „Eine besondere Herausforderung stellt die Stadteinfahrt über die Alte Ixheimer Straße dar. Sie ist geprägt durch einzelne marode Gebäude, die zwischen einzelnen sanierten Häusern stehen. Auch hier ist 2022 Bewegung hineingekommen. Ein Investor hat sich dafür entschieden, vier Gebäude in der Alten Ixheimer Straße zu erwerben, diese abzureißen und durch neue Wohngebäude zu ersetzen. Der Abriss ist vollzogen. Die Baumaßnahmen sollen dieses Jahr beginnen.“

Bahnhaltepunkt Rosengarten: „Seit vielen Jahren steht der Bahnhaltepunkt Rosengarten in der Planung der Deutschen Bahn. Mit der Stationsoffensive des Landes Rheinland-Pfalz war es dann soweit. Die ersten Züge hielten am 12. Dezember 2021. 2023 wird dann auch der Parkplatz saniert und eine Park-and-RideAnlage installiert.“

Quartiers-Entwicklungen: Quartier entlang der Steinhauser Straße: Das Gebiet ist seit 2016 im Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“. 2018 wurde dort ein Netto-Markt eröffnet mit einem Provisorium als Querung, „die nächstes Jahr durch eine finale Lösung ersetzt werden soll“. Ferner wurde das Seniorenheim Kana eröffnet, ebenso die beiden barrierefreien Wohngebäude in der Ontario-Straße. Das Wohngebäude in der Quebec-Straße ist noch in der Planung. „2022 wurde dann auch ein kleine Grünfläche oberhalb des Hauses Kana fertiggestellt. Ein größeres Wohnbauprojekt in Form von Reihenhäusern wurde durch einen privaten Investor gebaut und vermarktet. Die Gewobau hat begonnen, eine Reihe der Wohnhäuser zu sanieren, dies gilt insbesondere auch für den sozialen Wohnungsbau im Quartier.“ Quartier entlang des Hornbach/Breitwiesen: 2019 wurde der erste Bauabschnitt der Sanierung der Tilsitstraße abgeschlossen, 2022 öffneten sich die Türen für den neuen Quartierstreff in der Allensteinstraße. „In den nächsten Jahren werden zum einen der Spielplatz in der Lanzstraße und die Ortsmitte in Bubenhausen neu gestaltet. Die Beteiligungsmaßnahmen mit den Anwohnern wurden bereits durchgeführt.“ Ferner soll das Wohnen in der Schwalbenstraße aufgewertet werden.

Bauplätze: „Wohnen am Kirchberg“ (55 Bauplätze), „Junges Wohnen am Himmelsberg (zwölf Plätze) oder „Bickenalb-Blick“ (acht Plätze) sowie weitere Vorhaben laufen.

Digitalisierung Schule: Bislang 3,2 Millionen Euro wurden in die hiesigen Schulen investiert.

Spielplätze: Eine Reihe von Spielplätzen wird modernisiert, alleine in die Anlage in der Ehrlichstraße fliegen 290 000 Euro.

Projekte, die stocken:

Ex-City-Outlet/Bereich ZOB: Seit 2011 ist das „City Outlet“ Geschichte. Seitdem müht sich die Stadt um eine Alternative. Es gebe nun „ein erstes Konzept für einen Medien- und Bürgertreff für alle Generationen (...) mit Hilfe von Bundesmitteln wird jetzt die Machbarkeit geprüft und davon abgeleitet das Konzept entwickelt. Im gleichen Förderprogramm stehen auch die Konzeptentwicklung und die Umgestaltung des Bereichs Busbahnhof zu einem modernen und nachhaltigen Mobilitätshub. Die ersten Ergebnisse sollen Mitte 2023 vorliegen.“

Ehemalige Parkbrauerei: Klagen von Anwohnern blockieren seit geraumer Zeit den Fortgang. Wosnitza: „Ich bin aber guter Hoffnung, dass die Interessen der Mehrheit unserer Stadt obsiegen werden. Ich würde mich freuen, wenn wir in der zweiten Hälfte meiner Amtszeit gemeinsam die neuen Gebäude auf dem ehemaligen Parkgelände einweihen könnten.“

Villa Schwinn: Die Villa und das dazugehörige Gelände hätten einen neuen Eigentümer. Die Zukunft werde zeigen, ob und was dort entwickelt werde. Schön sieht es dort im Moment nicht aus“, bedauert der OB das Umfeld, das der Bedeutung der Villa „nicht gerecht“ werde.

Bikepark: Die Stadt arbeite noch „an einer Trägerlösung (...) Ich hoffe, dass es bald losgehen kann“.

Belag für Allee: 2023 soll das Thema erneut angegangen werden.

Truppacher Höhe: Hier müsse die Stadt das Ende des Rechtsstreits mit dem Investor abwarten.

Spundwand: Das schon länger erwartete Gutachten soll dem Stadtrat in dessen nächster Sitzung (18. Januar) präsentiert werden.