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Mitarbeiter besorgt um Zukunft ihrer Klinik

Mitarbeiter besorgt um Zukunft ihrer Klinik

Nach Personalabbau, Chefarzt-Wechseln und weniger Patienten schien das Evangelische Krankenhaus Zweibrücken wieder auf dem Wege der Besserung. Doch die Mitarbeiter sehen weiter große Gefahren auf sich zukommen: Millionenverluste drohen, ein Schaden sogar für das Ansehen der Kirche wird befürchtet, wenn nicht sofort gegengesteuert wird. Gestern gab es ein Dringlichkeitsgespräch.

Auf so positive Töne des Landesvereins für Innere Mission in der Pfalz (LVIM) hatten die Patienten eine Weile warten müssen: 2,8 Millionen Euro Gewinn im Geschäftsjahr 2014, Patientenzuwächse von 30 Prozent zwischen Januar und Juni im zuvor gebeutelten Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken . Der diakonische Klinikträger und eines seiner Aushängeschilder schienen nach der entbehrungsreichen Konsolidierung der letzten beiden Jahre auf einem guten Wege, auch aufgrund der Kooperation mit Spitzenmedizinern der Uniklinik Homburg und einer relativ hohen Pfleger-Zahl pro Patient.

Doch der Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen von Einrichtungen im Bereich Diakonisches Werk Pfalz (GMWD) traut dem Frieden nicht. Dessen Vorsitzender Michael Hemmerich wandte sich am 26. Juni sorgenvoll an Oberkirchenrat Manfred Sutter, dem Vorsitzenden des LVIM-Verwaltungsrats (das Gremium, das den Vorstand wählt) und LVIM-Mitgliederausschusses und bat um ein Treffen mit ihm und dem Landespfarrer für Diakonie , Albrecht Bähr: Dem GMDW lägen Informationen "über die aktuelle wirtschaftliche Situation des LVIM vor, vor allem bezüglich der Situation des Ev. Krankenhauses Zweibrücken ". Diese ließen befürchten, "dass es in absehbarer Zeit zu massiven negativen Auswirkungen für die Mitarbeitenden des LVIM kommen wird, wenn nicht in kürzester Zeit Maßnahmen zum Gegensteuern ergriffen werden", heißt es in dem unserer Zeitung vorliegenden Brief. Man befürchte zusätzlich "eine Beschädigung des Ansehens und des Rufs der Diakonie und der Ev. Kirche der Pfalz", so Hemmerich, der das Schreiben auch Kirchenpräsident Christian Schad geschickt hatte.

Gestern Vormittag fand das Gespräch in Speyer statt. Mit dabei waren unter anderem Bähr, Sutter, Hemmerich, Angehörige der Gesamtmitarbeitervertretung des LVIM und LVIM-Chef Rainer Wettreck. Nach dem Gespräch war die Sorge offenbar nicht kleiner, Wettrecks Schilderungen zur positiven Zukunft des Landesvereins überzeugten gleich mehrere Teilnehmer nicht, erfuhr unsere Zeitung am Abend.

Nach Merkur-Informationen hat das Krankenhaus im Laufe des bisherigen Jahres ein Minus im niedrigen bis mittleren Millionenbereich eingefahren. Da etwa 70 bis 80 Prozent der Ausgaben ins Personal fließen, müssen sich viele Mitarbeiter Sorgen um ihre Arbeitsplätze im Krankenhaus machen. Betriebsbedingte Kündigungen sind allerdings bislang nicht ausgesprochen. Seit vergangener Woche nimmt aber ein Plan Gestalt an, dass Mitarbeiter zeitlich befristet in die LVIM-Altenheime oder zur Homburger Uniklinik wechseln sollen. Der Vorteil für den Landesverein: So muss er niemandem kündigen und hat, wenn die Zahlen sich wieder bessern, das Personal noch im Haus.

Andere Mitarbeiter sind bereit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Ab dieser Woche soll zudem die Technologieberatungsstelle Mainz ihre Arbeit aufnehmen und nach Merkur-Informationen die Voraussetzungen für eine sogenannte Notlagenregelung ausloten. Dabei geht es um eine Arbeitsrechtsregelung, wie sie zur Abwendung wirtschaftlicher Notlagen bei kirchlichen Einrichtungen zeitlich befristet greifen kann. Diese könnten Mitarbeiter und Arbeitgeber beantragen, wenn die Einrichtung nicht oder bald nicht mehr aus den laufend erwirtschafteten Mitteln die Verpflichtungen erfüllen kann und die wirtschaftliche Notlage extern testiert wird.

Am späten gestrigen Abend waren weder Wettreck noch LVIM-Sprecherin Susanne Liebold für eine Stellungnahme erreichbar.