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Podiumsdebatte: Flüchtlinge vor allem als Chance begreifen

Podiumsdebatte: Flüchtlinge vor allem als Chance begreifen

"Flüchtlingspolitik - Herausforderung oder Chance", war gestern Abend das Thema einer Podiumsdiskussion der SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Glöckner beim DRK Zweibrücken . SPD-Ratsfraktionschefin Sabine Wilhelm sagte: "Ich habe den Eindruck, wir leben hier auf einer Insel der Glückseligen." Positive Beispiele seien die dezentrale Unterbringung, der Migrationsbeirat und die vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich um die neuen Mitbürger kümmern würden.

Als einen der wichtigsten Punkte sieht Timo Arnold, Flüchtlingsberater der Diakonie, das Deutsch-Lernen. Nur so sei Vermittlung in Arbeit möglich. Hans Prager vom DRK forderte eine bessere Koordination der Sprachkurse . Es gebe viele Angebote, die gebündelt werden könnten. Auch Arnold berichtete von teilweise "blindem Aktionismus". Für Glöckner ist die Aufnahme von Flüchtlingen nicht nur Teil des Grundgesetzes, sondern selbstverständlich. 2015 würden rund 450 000 Menschen in Deutschland eine neue Heimat suchen: "Unser Land ist gefordert - aber nicht überfordert." Herausgefordert seien EU, Bund, Länden und Kommunen. Bei den alltäglichen Aufgaben gebe es auch Skepsis. In Rheinland-Pfalz habe die Landesregierung ein Klima geschaffen, das diese Ängste nehme. Die Abgeordnete erinnerte an den prognostizierten Mangel an Fachkräften. Aber nicht nur hier könnten die Flüchtlinge eine große Chance für das Land sein. Sie könnten sich auch positiv auf die demographische Entwicklung auswirken. Nicht zuletzt seien sie aber nicht nur Steuerzahler oder Mitarbeiter, sondern vor allem wertvolle Freunde.

Anton Hans, Kreisvorsitzender des DRK Südwestpfalz, erinnerte an die Zuwanderer Anfang der neunziger Jahre. Damals hätten ohne Probleme Menschen aus mehr als 30 verschiedenen Ländern in der Zweibrücker Aufnahmeeinrichtung gelebt: "Wir können helfen und wissen auch, wie das geht. Es liegt nun an den Politikern, für das nötige Geld zu sorgen." Nach Angaben der SPD-Europaabgeordneten Jutta Steinruck stehen Deutschland nicht nur 208 Millionen Euro aus dem Flüchtlingsfonds zur Verfügung, sondern auch Geld für Sprachkurse aus dem Europäischen Sozialfonds. Was fehle, seien teilweise Unterkünfte oder Personal für die Betreuung der Betroffenen.

Kurt Liebmann, Vorsitzender des Zweibrücker Migrationsbeirates, reklamierte, dass vor Ort das Geld nicht abgerufen werden könne. Er berichtete über den Aufbau eines ehrenamtlichen Netzwerkes in der Südwestpfalz. Mit Blick auf die soziale Integration, sieht SPD-Landtagskandidat Stéphane Moulin eine große Chance bei den Vereinen, die so auch neue Mitglieder gewinnen könnten: "Wir stehen hier aber erst am Anfang."