Den Rückgang „dämpfen“

Die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz geht bis 2030 zurück. Das hat eine neue Untersuchung der Bertelsmann-Siftung festgestellt. Wobei der Rückgang nicht gleichmäßig verteilt ist. Für Zweibrücken wird ein Rückgang von sechs, für die Südwestpfalz von rund zehn Prozent erwartet. Darauf müssen Politik und Gesellschaft reagieren. Bis zum 24. Juli wird der Pfälzische Merkur in der Serie „Region im Wandel“ täglich verschiedene Aspekte dieses Themenkomplexes beleuchten. Heute: Was kommt auf die Verbandsgemeinden zu?

"Die Themen Bevölkerungsrückgang und eine älter werdende Gesellschaft beschäftigen uns schon einige Jahre", sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, Jürgen Gundacker (SPD ). Deshalb hat sich die Verbandsgemeinde an einen "Demografie-Check" der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz beteiligt. "Daran sieht man, dass uns das Thema wichtig ist." Im Herbst sollen nach Aussage Gundackers die Ergebnisse vorliegen.

Der Verwaltungschef der Verbandsgemeinde möchte dem erwarteten Bevölkerungsrückgang allerdings nicht mit Angst begegnen. "Die Politik muss der Herausforderung entgegenwirken." Das heißt: den Rückgang durch gezielte Maßnahmen "zumindest dämpfen".

Und da sieht Gundacker die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land besser aufgestellt als die übrigen Verbandsgemeinden im Landkreis Südwestpfalz. In der Bertelsmann-Studie wurde für den Kreis bis 2030 ein Rückgang von rund zehn Prozent prognostiziert (wir berichteten). Der Stadt Zweibrücken ein Rückgang von rund sechs Prozent. Nach einer Untersuchung des Statistischen Landesamtes aus dem Jahr 2012, das nach Verbandsgemeinden aufschlüsselt, liege Zweibrücken-Land an den Zahlen der Stadt, sagt Gundacker.

Aktuell wohnen in der Verbandsgemeinde 17 099 Menschen. Bis 2030 könnte es nach der Prognose rund 1000 weniger sein. Neben dem Demografie-Check werde eine Stadt-Umland-Strategie entwickelt, um die Daseinsvorsorge in der Region zu sichern, und Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen. Denn für Gundacker ist beides eine Voraussetzung, um die Menschen in der Region zu halten, oder um Menschen anzulocken. "Wo Arbeitsplätze sind, da siedeln sich die Menschen an." Schon jetzt sei die Arbeitslosenquote in der Verbandsgemeinde gering. Gundacker ist sicher, dass sich trotz des Aus für den Flugbetrieb das Gewerbegebiet um den Flughafen weiter entwickeln wird. Zur Daseinsvorsorge zählt für Gundacker die Bereitstellung von Kindergärten, Grundschulen, ärztliche Versorgung, Versorgung mit Lebensmitteln und ein schnelles Internet. Deshalb dürfe die Politik nicht vorschnell Kindergärten oder Schulen schließen, wenn die Zahlen zurückgehen. Vielmehr sollte gelten: "Kurze Beine, kurze Wege." Bei der ärztlichen Versorgung regt Gundacker an, dass aus den Krankenhäusern in der Stadt heraus, der ländliche Bereich medizinisch versorgt werden könnten. Mit dem Cap-Mobil und anderen fahrenden Lebensmittelhändlern werde bereits ein gangbarer Weg zur Versorgung beschritten. Mit dem Pilotprojekt "WohnPunkt Rheinland-Pfalz" in Großsteinhausen und dem Altenheim Sarepta in Contwig wird in der Verbandsgemeinde auch an die ältere Bevölkerung gedacht.

Bei der Baulandausweisung bekennt sich Gundacker zum Grundsatz: Innen vor Außen. Das bedeutet, dass die Gemeinden zuerst innerörtliche Lücken schließen müssen. Gleichwohl sei es sinnvoll, dass insbesondere die größeren Gemeinden wie Contwig oder Bechhofen neue Baugebiete ausweisen.

Gundacker sieht auch Flüchtlinge als Chance, dem Bevölkerungsrückgang zu begegnen. "Wir müssen die zu uns gekommenen Menschen unterstützen, sich zu integrieren." Dazu gibt es in den Gemeinden bereits einige Initiativen (wir berichteten). Derzeit leben 118 Asylsuchende in Zweibrücken-Land.