Es bleibt laut an der A 8

Groß angelegte Bauarbeiten auf der A 8 bei Zweibrücken: Da stellte sich diese Woche sicher mancher Rosenstadt-Einwohner die Frage: Kommt sie jetzt endlich, die lange angekündigte Lärmschutzwand? Zuletzt befeuert hatte diese Erwartung nämlich im April 2010 die CDU-Bundestagsabgeordnte Anita Schäfer

Groß angelegte Bauarbeiten auf der A 8 bei Zweibrücken: Da stellte sich diese Woche sicher mancher Rosenstadt-Einwohner die Frage: Kommt sie jetzt endlich, die lange angekündigte Lärmschutzwand? Zuletzt befeuert hatte diese Erwartung nämlich im April 2010 die CDU-Bundestagsabgeordnte Anita Schäfer. Damals übermittelte sie die freudige Kunde aus Berlin, dass es 2011 mit dem Bau der Lärmschutzwand losgehen werde. Auf ihre Anfrage bei Andreas Scheuer, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, erfuhr Schäfer damals, dass die Wand von Zweibrücken-Mitte bis zum Wolfsloch auf 1600 Metern Länge südlich der A 8 gebaut werden solle. Geschehen ist seitdem nichts - und auch die aktuellen Baumaßarbeiten haben mit der Lärmschutzwand (noch) nichts zu tun. Das erfuhr der Merkur auf Nachfrage beim Landesbetrieb Mobilität. Derzeit werde der Bodenbelag ausgetauscht, eine dringend notwendige Maßnahme vor dem Wintereinbruch. Auch wann nun endlich Bubenhausen gegen den Lärm der Autobahn abgeschirmt wird, steht entgegen dem Zeitplan von 2010 weiter in den Sternen. Birgit Küppers, Pressesprecherin des Landesbetriebes Mobilität, begründet die erneute Verzögerung damit, dass man sich bei der Planung vertan habe. Man müsse die Lärmschutzmaßnahmen an die A 8-Sanierung zwischen der Landesgrenze (Anm. d. Red.: Hier ist wohl die etwas weiter landeinwärts liegende Abfahrt Zweibrücken-Ernstweiler gemeint) und der Rosenstadt koppeln. Zunächst habe man sie trennen wollen, was aber doch nicht gehe. Hintergrund: Zwischen Autobahnrand und Hornbach ist an diesem Streckenabschnitt kaum Spielraum, weshalb man "straßenseitig" bauen muss, was die komplette Autobahn blockiert. Von daher ist es sinnvoll, dass man die Wand erst dann baut, wenn man die Strecke ohnehin wegen Bauarbeiten blockiert. Denn es soll auf der gesamten Strecke auch eine offenporige, lärmoptimierte Asphaltschicht aufgetragen werden.Man arbeite derzeit an einem Entwurf, der "nach wie vor in der Planungsbearbeitung" sei. Wann wird er fertig sein? Der Landesbetrieb hat keine Ahnung und antwortet auf mehrfaches Nachfragen doch nur: "Zum Zeitablauf der Bauarbeiten können wir in dem noch nicht abgeschlossenen Planungsstadium keine Angaben machen."

Erschwert wird das Prozedere laut der Behörde auch, weil man bei den Lärmschutzarbeiten die beiden Abschnitte unter anderem nach Lärmgrenzwerten trennen muss. Einmal die 680 Meter lange, bis zu vier Meter hohe Wand zwischen der Landesgrenze und der Lanzstraße. Dieser Abschnitt würde nach Kriterien der Lärmsanierung bewertet, dort könnte die Straßenbaubehörde also Wand bauen, müsse es aber nicht. Anders verhält es sich beim 920 Meter langen, fünf Meter hohen, Abschnitt zwischen Lanzstraße und der Anschlussstelle Zweibrücken - hier gelten Kriterien der Lärmvorsorge, die Wand muss laut Gesetz gebaut werden. Laut Landesbetrieb werden für beide Abschnitte getrennte Entwürfe erarbeitet und getrennte Genehmigungsverfahren durchgeführt. Wie hoch die Lärmbelastung ausfällt, habe man inzwischen gemessen. Für die Untersuchung des Abschnittes zwischen Lanzstraße und der Anschlussstelle Zweibrücken habe man außerdem noch die seit Mai 2010 gültigen, sogenannten Sanierungs-Auslösewerte anpassen müssen. Auch das habe Zeit gekostet. Nun mahlen die Mühlen der Bürokratie. Wenn die Entwürfe fertig sind, müssen sie laut Landesbetrieb vom Bundesverkehrsministerium abgesegnet werden. Dann erst könne ein Baugenehmigungsverfahren vorbereitet werden. Und erst in der Folge stehe auch fest, wie teuer die Bauten werden.

Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer reagiert auf Merkur-Nachfrage überrascht auf diese deutliche Verzögerung. Schäfer hatte sich für die Lärmschutzwand bei Bubenhausen eingesetzt, weil den Anwohnern der erhöhte Lärm durch die Verlängerung der Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen zusetzt. Sie habe zwar gewusst, dass die fachliche Abstimmung zwischen Ingenieurbüro und Straßenbau viel aufwändiger ausfalle, als zunächst geplant. Auf Nachfrage erläuterte ihr Andreas Scheuer vom Bundesverkehrsministerium noch weitere Baudetails, die für Probleme sorgen: So müssten Gasleitungen verlegt und auch die insgesamt drei Brücken auf dem Abschnitt "ertüchtigt" werden. Der wenig überraschende Schlusssatz des ministerialen Antwortschreibens: "Mit einem Abschluss der Arbeiten in diesem Jahr rechnet das Land jedoch nicht." Das Warten auf weniger Lärm für Bubenhausen geht also weiter.

Hintergrund

Die geplante Lärmschutzwand an der A 8 ist nur eine der Maßnahmen, die der im Februar vorgelegte Lärmaktionsplan der Stadt Zweibrücken umfasst. Der Lärmaktionsplan enthält Maßnahmen, die den Verkehrslärm und damit zusammenhängende Auswirkungen wie Umweltverschmutzung oder Erschütterungen regeln sollen, um somit die Lebensqualität zu erhöhen. In der Stadt werden selbst in der Nacht offiziell 1149 Bürger von Verkehrslärm geplagt. Gesundheitsgefährdend sei es dabei für 26 Personen, vor allem in der Nähe der A 8 im Bereich Bubenhausen/Wolfsloch, der Homburger Straße zwischen den Einmündungen Freudenberghofstraße und der Gottlieb-Daimler-Straße. In der Homburger Straße etwa ist laut Lärmaktionsplan eine Kombination aus Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 und ein lärmoptimierter Bodenbelag vorgesehen. Wie Stadtsprecher Heinz Braun am Freitag auf Anfrage sagte, sei aber noch keine aus dem Lärmaktionsplan erwachsenden Maßnahmen umgesetzt worden. ek