Woche der Wahrheit für Hüther

Ernst wird es für Marlene Hüther an diesem Freitag: Bei den German Open in Berlin will die Schwimmerin aus Dietrichingen über die 200-Meter-Freistil die letzte Chance auf ein Staffelticket für die Olympischen Spiele in Rio nutzen.

Schon wie eine zweite Heimat fühlt sich für Marlene Hüther die Schwimmhalle im Berliner Europa-Sportpark an. Nach den deutschen Meisterschaften im Mai und den nationalen Jahrgangsmeisterschaften am letzten Juni-Wochenende ist die Athletin der Wsf Zweibrücken gestern schon wieder in der Hauptstadt gelandet. Der entscheidende Wettkampf, die German Open, mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro/Brasilien startet für die Schwimmer morgen im Sportpark. Für die 17-Jährige geht es dabei um ein Ticket für die olympische 4x200-Meter-Freistil-Staffel.

"Die Chance für Marlene ist da", betont der saarländische Landestrainer Ralf Steffen, bei dem die Dietrichingerin am Stützpunkt in Saarbrücken trainiert. Wo Hüther im nationalen Vergleich genau nach schwierigen Wochen zu Beginn des Jahres steht, werde sich am Freitag zeigen, wenn die 200-Meter-Freistil auf dem Programm stehen. "Wir sind aber zuversichtlich, Marlene fühlt sich seit Wochen besser als im ersten Drittel der Saison. Wir haben alles dafür getan - und Marlene wird auch in Berlin nochmal alles geben. Dann hoffen wir, dass es reicht."

Wie gut ihre Form zuletzt war, habe die Schwimmerin auch bei den Jahrgangsmeisterschaften gezeigt. Einmal Gold und drei Mal Silber waren die Ausbeute. Über die 100-Meter-Brust meisterte Hüther (1:09,95 min) zudem die B-Norm für Rio, hat durch die neue Regelung die Chance, als fünfte DSV-Schwimmerin auch auf diesem Weg ein Ticket zu erhalten. "Diese Stelle über die 100-Brust war noch frei, daher sind wir sie auch - zur Überraschung vieler - überhaupt geschwommen." Doch das eigentliche Ziel Hüthers ist es, in der 200-Meter-Freistil-Staffel einen Olympia-Platz zu erhalten. "Wir wollen das Ticket sportlich sauber erkämpfen", sagt der Coach. Der Plan ist es dabei, Zwei- oder Dreizehntel schneller zu sein, als bisher und damit einen der ersten vier Plätze bei den German Open zu belegen. Um dann schließlich als Dritt- oder Viertbeste nach Rio zu fahren. Mit 1:59,38 Minuten ist Hüther gemeldet, "Annika Bruhn (1:58,56 min) und Sarah Köhler (1:58,58) sind mit ihren Zeiten so gut wie gesetzt", erklärt Steffen. Selbst wenn sie diesmal etwas langsamer wären, seien sie bislang zu klar vorne gewesen. Die viertbeste Zeit hat bisher Paulina Schmiedel aus Hamburg (1:59,24) stehen. "Aber auch für Marlene ist die reelle Chance da."

Ziel in Berlin sei es in erster Linie, eine Top-Zeit zu schwimmen. "Natürlich ist auch die Platzierung wichtig, aber, wenn Marlene eine sehr gute Zeit über die 200 Meter schwimmt und es dann nicht reicht, kann man nichts machen. Dann war eine andere wohl einfach besser." Steffen sei aber sicher, dass sein Schützling eine Zeit unter 1:59 Minute knacken kann, "wenn's gut läuft". "Wir müssen nun sehen: A, ob sie tatsächlich drunter bleiben kann und B, ob es dann für Rio reicht."

Diese Entscheidung werde recht schnell nach dem Wettkampf fallen. Die Nominierungsgespräche fänden wohl gleich im Anschluss an die German Open in Berlin statt. "Spätestens nächste Woche sollten wir alle Bescheid wissen", schätzt Ralf Steffen.

Am Mittwoch steigt Marlene Hüther nun über 400-Meter-Freistil in den Wettkampf ein. Donnerstags folgen die 100-Freistil. "Möglicherweise starten wir dort aber nur im Vorlauf und machen den Nachmittag frei." Um sich dann voll und ganz auf ihr Hauptrennen über 200-Meter-Freistil am Freitag zu konzentrieren. "Dafür sind wir hier, das ist der Hauptgrund", betont Marlene Hüthers Trainer vor dem nächsten Auftritt in Berlin.

Neben Marlene Hüther startet auch Vanessa Dehaut von den Wassersportfreunden Zweibrücken bei den German Open in Berlin. Jeweils am Freitag geht sie über 100-Meter-Rücken sowie über 100-Meter-Schmetterling in Berlin ins Becken.