Politik einigt sich auf Umbau bei der Finanzierung

Ludwigspark : Politik einigt sich auf Umbau bei der Finanzierung

Das Ludwigspark-Stadion soll jetzt 38 Millionen Euro kosten. Stadt und Land haben die Geldfrage geklärt. Es soll ohne Sonderkredit weitergehen.

Der Heilige Valentin ist nicht nur Schutzpatron der Liebenden, sondern soll auch gegen Ohnmachtsanfälle, Wahnsinn, Gicht, Pest und Gebärmutterkrankheiten helfen. Am Donnerstag war sein Tag. „Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion muss fertig gebaut werden“ – zumindest in dieser auch im Wortlaut nahezu identisch getroffenen Aussage waren sich Innenminister Klaus Bouillon (CDU) und Saarbrückens Bürgermeister Ralf Latz (SPD) am Donnerstag einig. Und nachdem es am Morgen eigentlich nicht danach ausgesehen hatte, gab es am Abend dann doch ein nahezu harmonisches Einvernehmen, wie dieses Ziel trotz weiter gestiegenem Finanzbedarf doch gemeinsam erreicht werden kann.

Der Gesprächsmarathon begann bereits um 8.30 Uhr im Raum 216 des Saarbrücker Rathauses. Latz hatte kaum 16 Stunden zuvor verschiedene Medienvertreter eingeladen, um sie auf den neuesten Stand zu bringen. Wohl wissend, dass Bouillon den gleichen Adressatenkreis für 11 Uhr ins Ministerium gebeten hatte. Nach den üblichen einführenden Worten verabreichte der Bürgermeister die erste bittere Pille: „Die Ausschreibung der Dächer muss bis zum 20. Februar raus, sonst können wir den Zeitplan für die Fertigstellung im Mai 2020 nicht halten.“ Bislang war immer vom Februar 2020 die Rede. Doch angesichts der nächsten Nachricht wirkte die dreimonatige Verzögerung garadezu zuckersüß. Das Stadion soll nun 38 Millionen Euro kosten. „Das hat eine Vollkosten-Betrachtung ergeben“, erklärte Latz. Noch am 5. Februar hatte man im Stadtrat die Zahl 34 Millionen genannt, für die ein Sonderkredit von sechs Millionen Euro erforderlich sei. Dafür gab es im Rat aber keine Mehrheit (wir berichteten).

Die jetzt aufgerufenen 38 Millionen seien laut Latz der „Endpreis“, der sich höchstens noch nach unten verändern könne: „Ich habe keine Lust, die ganze Tour noch mal zu machen.“ Über Sponsoren, Mieteinnahmen oder die Vergabe von Rechten wie das Betreiben der Verkaufsstände oder das Vermarkten der nun doch vorgesehenen Anzeigetafel will man 1,5 Millionen Euro wieder einspielen. Dazu habe man erneut einen Puffer eingerechnet – eine bisher schon angewandte Praktik, die die Kostenexplosion bis dato jedoch nie aufhalten konnte. Während der Komplettausbau des Unterrangs der „Victor‘s Tribüne“ an der Camphauser Straße noch immer nicht vorgesehen ist, gehören die Rasenheizung und der Glasfaseranschluss nun zum „betriebsfertigen Abschluss“ des Bauprojekts. Den dafür notwendigen Sonderkredit von jetzt zehn Millionen Euro sollte der Stadtrat in einer Sondersitzung am kommenden Dienstag beschließen. „Damit könnten wir das Projekt aus einger Kraft abschließen“, sagte Latz.

Doch das wird nun vielleicht gar nicht nötig sein. Beim nachmittäglichen „Stadiongipfel“ mit Bouillon und Latz sowie Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), Finanzminister Peter Strobel und OB-Kandidat Uwe Conradt (beide CDU) wurde offenbar ein gangbarer Kompromiss vereinbart. „Der Sonderkredit ist vom Tisch, wir haben einen anderen Weg gefunden“, sagte Britz, „die Gespräche auf Arbeitsebene beginnen am Freitagfrüh.“ Die Stadt wird wohl Teile der Einnahmen aus dem Verkauf des Messegeländes in das Stadionprojekt umleiten. Andere Maßnahmen im städtischen Haushalt werden verschoben. „Die sieben Millionen Euro Sonderkredite für Kitas und Schulen sind davon nicht betroffen“, so Bouillon. Saarbrücken gehöre weiter zu den höchstverschuldeten Städten Deutschlands, müsse jährlich alleine eine Zinslast von 70 Millionen Euro bedienen.

„Je mehr Eigenmittel die Landeshauptstadt für das Stadion generiert, umso besser ist es für alle Beteiligten“, sagte Bouillon, der von seiner bisherigen Linie, über die schon genehmigten 14,5 Millionen Euro keine weiteren Landesmittel in den Ludwigspark zu stecken, zumindest ein Stück abrückte. „Wenn nur noch ein kleiner Betrag fehlt, muss man Lösungen finden“, so der Minister. Die letzte Entscheidung darüber fällt dann der Ministerrat unter Führung von Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Den hatte Britz am 8. Februar in einem „werbenden Schreiben“ um Unterstützung gebeten.

„Wenn die uns jetzt vorgelegten Zahlen stimmen, sehe ich gute Chancen, dass das Stadion wie vereinbart gebaut werden kann – ohne Verzögerung“, sagte Bouillon. Das „Wahlkampfthema Stadion“ könnte damit ad acta gelegt sein, auch wenn die Schuldfrage an der Kostenexplosion sicher noch gestellt werden wird. Gegenseitige Schuldzuweisungen wie beim Heiligen St. Florian hat man am Donnerstag vermieden – nicht nur zur Freude des Heiligen Valentin.