Nowitzki ist auf Abschiedstour noch ohne Abschied

Basketball : Eine Abschiedstour noch ohne Abschied

Die Einladung zu seinem 14. Allstar-Spiel trifft Basketball-Star Dirk Nowitzki unerwartet. Sein Karriereende lässt der 40-Jährige weiter offen.

Selbst in seiner 21. NBA-Saison erlebt Dirk Nowitzki noch Premieren und Überraschungen. Auf dem Spielfeld erfüllt der 40-Jährige seinem langjährigen Erzrivalen Dwyane Wade den Wunsch nach einem Trikottausch und posiert mit dessen Miami-Shirt vor den Kameras. „Ich habe das noch nie so wirklich gemacht direkt nach dem Spiel. Ich habe mich etwas nackt gefühlt in meinem Unterhemd“, scherzt Nowitzki nach der 101:112-Niederlage seiner Dallas Mavericks gegen die Miami Heat.

Gemeinsam haben beide Altstars den nächsten großen Auftritt beim Allstar-Event der NBA am Wochenende in Charlotte – auch wenn Nowitzki mit seiner Familie die kommenden Tage schon Urlaub für ein basketball-freies Wochenende gebucht hatte. „Wir wollten eigentlich in die Karibik“, berichtet der Würzburger über seine ursprünglichen Pläne: „Aber es ist eine tolle Sache. Ich freue mich riesig, dass ich noch mal beim Höhepunkt spielen kann mit den besten Spielern der Welt.“

Die Einladung zum Allstar-Event traf Nowitzki unerwartet – zum 14. und wahrscheinlich letzten Mal in seiner außergewöhnlichen Karriere steht er auf der großen Show-Bühne. Die NBA will sich die Chance nicht entgehen lassen, Nowitzki und Wade in der Nacht zu Montag in der Partie der besten und beliebtesten Stars zu präsentieren. Liga-Chef Adam Silver musste den Ausnahmeprofi der Dallas Mavericks aber erstmal überzeugen. „Anfangs war mir nicht klar, ob ich den Platz von einem bekomme, der ihn sich diese Saison über mit Leistungen verdient hat. Aber ich komme ja zusätzlich dazu“, sagt Nowitzki, dem die aktuelle Aufmerksamkeit auch nicht so recht ist: „Ich stehe nicht gerne immer im Mittelpunkt, schon meine ganze Karriere über.“

Dagegen kann er sich jedoch in seiner 21. Saison nicht wehren – auch in der Kabine der Mavericks. Als er auf Deutsch jüngst über seine anfängliche Skepsis für den Show-Auftritt spricht, kleidet sich der Superstar in einen Anzug mit dezentem Karomuster. Kurz zuvor hat er, nur in zwei XXL-Handtüchern gehüllt, den mehr als einem Dutzend US-Journalisten seine Vorfreude geschildert, es folgt ein Interview für einen TV-Sender aus Griechenland. Alle wollen mit Nowitzki sprechen. Und dabei kommt irgendwann zwangsläufig immer die gleiche Frage: Wird es das letzte Jahr sein in seiner Karriere?

„Ich werde da jetzt nichts dran ändern“, sagt Nowitzki über die (angeblich) noch nicht getroffene Entscheidung. In bewährter Tradition hält er sich alle Optionen offen, verweist auf Gespräche mit der Familie, die erst nach der Saison folgen sollen. Eine offizielle Abschiedstour, wie sie gerade Superstar Wade absolviert, der ihm in den NBA-Finals 2006 und 2011 gegenüberstand und nun seine Karriere beendet, ist Nowitzki zuwider. Auch wenn selbst Club-Besitzer Mark Cuban zugibt, dass es sich genau nach einer solchen Ehren-Tour anfühlt.

Selbst bei den Auswärtsspielen wird Nowitzki für jeden Korberfolg bejubelt und angefeuert wie ein eigener Spieler. Als er zuletzt in Dallas beim Sieg gegen die Charlotte Hornets gegen Ende des ersten Viertels aufs Parkett kommt, steigt der Lärmpegel sogar noch höher als bei der Vorstellung von Star-Neuzugang Kristaps Porzingis. „Es ist schon ein tolles Gefühl, das werde ich niemals vergessen“, sagt Nowitzki über die Ovationen: „Die Anerkennung ist für mich eine tolle Erfahrung, dass man was geleistet hat über zwei Jahrzehnte.“

Nach langwierigen Problemen nach einer Knöchel-Operation konnte Nowitzki erst Mitte Dezember in die Saison starten, steht gut zehn Minuten pro Spiel auf dem Parkett, erzielt mit 4,7 Punkten seinen mit Abstand niedrigsten Karriere-Schnitt. Seiner Popularität kann dies aber nicht schaden.

Als Nowitzki und sein deutscher Teamkollege Maxi Kleber Fotos mit den Amateur-Fußballern des FC Bayern machen, lehnt Holger Geschwindner an einer Absperrung im American Airlines Center. Nowitzkis Erfolg ist maßgeblich durch die Symbiose mit seinem Mentor beeinflusst. Auch derzeit ist der 73-Jährige in den USA, um mit seinem Schützling am Wurf zu arbeiten. Nein, „reparieren“, korrigiert Geschwindner im Scherz. Hat Nowitzki nicht innerlich schon längst entschieden, dass er aufhört? „Es ist noch alles offen“, betont sein Entdecker.

So tritt Nowitzki an diesem Samstag auch beim Dreier-Wettbewerb an, fungiert zuvor noch als Trainer einer Weltauswahl im Spiel der besten Jungprofis. Dabei coacht er auch seinen Mavericks-Kollegen Luka Doncic. Der neue Dallas-Topstar und künftige Anführer wurde am 28. Februar 1999 geboren – gut drei Wochen nachdem Nowitzki sein erstes NBA-Spiel absolvierte.

Auch dessen Shirts sind schon ein Renner im Dallas-Fanshop. Doch die Wackelkopf-Figuren von Nowitzki, die die Mavs zu Ehren ihres besten Spielers der Teamgeschichte produzieren ließen, symbolisieren dessen größte Erfolge: 1998 im Alter von 20 Jahren gedraftet, 2002 das erste Allstar-Spiel, 2007 wertvollster Spieler der NBA, 2011 der NBA-Titelgewinn, 2015 sechstbester Werfer der NBA-Geschichte.

Diese Position könnte sich Nowitzki, nachdem er zwischenzeitlich von LeBron James überholt wurde, diese Saison noch wieder zurückholen. Der Rückstand auf die Center-Legende Wilt Chamberlain beträgt bei 31 310 Karrierepunkten lediglich noch 109 Zähler. Nur die Figur für das „letzte Allstar-Spiel 2015“ muss nach dem anstehenden Überraschungsauftritt in Charlotte noch mal neu produziert werden.

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