FCS versinkt im Chaos

Der Antrag auf Abwahl von Aufsichtsrat und Präsidium beim 1. FC Saarbrücken aus Mitgliederkreisen hat weitere Konsequenzen. Gestern trat Aufsichtsrats-Chef Michael Arnold von seinem Amt zurück.

Michael Arnold ist gestern als Aufsichtsrats-Chef beim 1. FC Saarbrücken zurückgetreten. "Ich habe erfahren, dass der Antrag auf Abwahl von Aufsichtsrat und Präsidium auch von zwei Mitgliedern des Aufsichtsrats unterzeichnet wurde", heißt es in Arnolds Rücktrittsschreiben, das der SZ vorliegt: "Auch wenn es mich bei den Herren Burgard und Hinschberger nicht wirklich überrascht, ist das an Niederträchtigkeit kaum zu überbieten. Mir ist es nicht mehr möglich mich mit beiden Herren an einen Tisch zu setzen."

Horst Hinschberger und Claude Burgard gehören zu 263 Unterzeichnern des Antrages, den FCS-Mitglied Tobias Wittstadt verfasst hat, "um sicher zu gehen, dass die außerordentliche Mitgliederversammlung auch stattfindet", wie Wittstadt sagt. "Hartmut Ostermann selbst wollte doch eine Neuordnung der Gremien ", erklärt Hinschberger, "ich habe mich diesem Wunsch nie verwehrt, andere im Aufsichtsrat schon. Damit haben sie den Präsidenten ausgehebelt". Das ist eine Anspielung auf Aufsichtsrats-Mitglieder, die wie Arnold im Amt bleiben wollten.

Ostermann, FCS-Präsident und Hauptsponsor, wollte am 29. Juni vor allem über die Vorkommnisse innerhalb des Vereins in der abgelaufenen Saison sprechen. Themen gab es genug: Nötigungsvorwürfe gegen Ex-Vizepräsident Sebastian Pini. "Abhör-Aktion" von Burgard. Das erschütterte Vertrauensverhältnis innerhalb der Gremien . Ostermann begründet die Absage der Sitzung - nach Eingang des Wittstadt-Antrages quasi in letzter Minute - mit fehlender Rechtssicherheit. "Es ist eine juristisch äußerst außergewöhnliche Situation", sagt Ostermann: "Deswegen müssen die kommenden Schritte innerhalb der betroffen Gremien genau abgewogen werden."

Auf der gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Präsidium gestern Abend sollte die Unterschriftenliste mit dem Vereinsregister abgeglichen werden. Es hieß, dass erst im Anschluss an diese Prüfung ein neutrales Rechtsgutachten erstellt werden könne. Doch nach Arnolds Rücktritt musste zunächst ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender her. Die Sitzung war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet.

Wittstadt und seine Mitstreiter wollen auf "ihrer" Versammlung den aktuellen Aufsichtsrat abwählen. In einer zweiten Versammlung acht Wochen später soll ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden, der ein neues Präsidium bestimmt. So lange sollen Ostermann und Schatzmeister Dieter Weller die Geschäfte weiterführen. "Es geht nicht um einen Umsturz. Es geht darum, dass die Mitgliederversammlung als höchstes Organ des Vereins über die Zukunft des FCS offen diskutiert und entscheidet, welchen Weg man gehen möchte", sagt Wittstadt, der "keine öffentliche Schlammschlacht" anzetteln will und nicht für ein Amt kandidieren wird: "In der zweiten Sitzung werden Alternativen aufgezeigt - sicher auch personeller Natur."

Die Gerüchte um eine Opposition gegen Ostermann verdichten sich derweil. Öffentlich bekennen will sich niemand. "Ich kann mir gut vorstellen, mit einem Präsidenten Hartmut Ostermann weiterzuarbeiten", sagt Hinschberger und bringt einen Namen ins Spiel, der häufig als alternativer Geldgeber genannt wird: "Ich schließe auch eine Rückkehr von Daniel Hager nicht aus. Ich würde sie sogar begrüßen." Hinschberger sagt: "Die Seriosität muss zum Verein zurückkehren. Der Glaube, mit Geld alles regeln zu können, ist ein Irrglaube. Darum verstehe ich den Wunsch der Fans nach einem Neuanfang." Ob die Victor's Gruppe dabei Sponsor bleiben würde, wollte man von Unternehmensseite nicht kommentieren. Diese Frage stelle sich derzeit nicht.