Ein Sieg für die Geschichtsbücher

Miami. Der kleinen Valentina fielen schon die Augen zu, als Papa Tommy den Matchball zu "einem der größten Siege" seiner Karriere verwandelte

Miami. Der kleinen Valentina fielen schon die Augen zu, als Papa Tommy den Matchball zu "einem der größten Siege" seiner Karriere verwandelte. An einem normalen Tag wäre die Zweieinhalbjährige längst im Bett gewesen, doch was ist in diesen Tagen schon normal bei Tommy Haas? Mit 6:2, 6:4 deklassierte der älteste Spieler in den Top 50 den Weltranglistenersten Novak Djokovic und zog erstmals ins Viertelfinale des ATP-Masters in Miami/Florida ein. Eine Sternstunde, die Valentina nicht verpassen durfte."Sie war extrem müde. Eigentlich geht sie um halb acht schlafen", erzählte Haas, der mit seinem Sieg in die Annalen einging. Als erster Ü30-Spieler seit 30 Jahren bezwang er eine Nummer eins der Welt. Da musste Valentina dabei sein "und wiederkommen. Immerhin hat sie mich noch nie verlieren sehen". Im Viertelfinale traf Haas in der Nacht zu Donnerstag auf den Franzosen Gilles Simon.

Bis zum Triumph über Dominator Djokovic hatte Valentina ihren Vater allerdings auch nie derart souverän siegen sehen. In 80 Minuten fegte der 34-Jährige über den serbischen Seriensieger hinweg, der Miami zuletzt zweimal in Folge gewonnen hatte. "Vom Start bis zum Ende habe ich lange nicht mehr so gut gespielt", sagte Haas sichtlich zufrieden. Der Geschlagene zog seinen Hut. "Dieser Sieg gehört ihm. Er hat großartig gespielt und war einfach besser", sagte Djokovic, der nach den Siegen bei den Australian Open und beim Masters in Indian Wells auf dem Weg zu einer weiteren Traumsaison ausgebremst wurde - von einem Oldie, der nicht einmal mehr einen Ausrüstervertrag besitzt.

Während der "Djoker" mit den ungewohnt niedrigen Temperaturen in Florida haderte, nutzte Haas die Bedingungen routiniert aus, hielt die Bälle flach und attackierte, wenn Djokovic zu kurz wurde. Dabei, so verriet er, brauche sein Körper eigentlich die Hitze, "um warm zu bleiben". An diesem Abend in Miami hätte es aber auch schneien können, Haas wäre auf dem Weg ins Viertelfinale nicht ausgerutscht. Selbst als der Serbe im zweiten Satz sein Spiel gefunden hatte, elf Punkte in Serie machte und mit 4:3 in Führung ging, hatte der gebürtige Hamburger eine Antwort - unterstützt von zahlreichen Vorhandfehlern seines Gegners. Der gab später zu: "Das war definitiv die schlechteste Partie, die ich seit Langem gespielt habe."

Lange ist es auch her, dass Tommy Haas einen Weltranglistenersten bezwungen hatte. 1999 gewann er beim Grand-Slam-Cup gegen Andre Agassi. Das Turnier existiert längst nicht mehr, auch Agassi hat sich vor Jahren von der Bühne verabschiedet. Nur Tommy Haas schreibt unverdrossen weitere Kapitel der Tennis-Geschichte. sid