| 21:16 Uhr

Fußball-WM in Russland
Die Schweiz bereitet vor allem Neymar Schmerzen

Rostow am Don. Turnierfavorit Brasilien kommt überraschend nicht über ein 1:1 hinaus. Der Star kritisiert Gegner und Schiedsrichter.

Nach den ständigen Schweizer Attacken auf seine kostbaren Füße war Neymar beleidigt. „Die Gegenspieler treten, darauf müssen die Schiedsrichter mehr achten“, klagte Brasiliens Superstar umringt von Dutzenden Reportern und humpelte mit einer säuerlichen Miene davon. Nicht nur das 1:1 (1:0) der favorisierten Seleção gegen die Eidgenossen an sich hatte für Verdruss gesorgt, sondern vor allem dessen Zustandekommen.


Den diskutablen Ausgleich von Steven Zuber (50. Minute) kommentierte Neymar mit beißender Ironie. „Wenn sie ihre Arbeit nicht richtig machen, ist das ihr Problem“, sagte der 26-Jährige in Richtung des vom Mexikaner Cesar Ramos angeführten Schiedsrichter-Teams. „Für mich war es ein Foul, man konnte das klar auf der Stadionleinwand sehen“, haderte Neymar, der sich bereits direkt nach dem Treffer gestenreich beschwert hatte.

Allerdings war der Schubser Zubers gegen Verteidiger Miranda wahrlich nicht der Grund, dass sich die Seleção in die Reihe der enttäuschten Titelanwärter einfügte. Trainer Tite sprach nach dem ersten WM-Auftaktremis des fünfmaligen Champions seit 40 Jahren Defizite deutlich an. „Wir haben uns nach der Führung zurückgezogen. Das war nicht unsere übliche Spielweise“, monierte er.



Wenigstens muss sich Tite keine neuerlichen Sorgen um sein edelstes Juwel machen. Neymar und auch Teamarzt Rodrigo Lasmar beruhigten die Anhänger jedenfalls. „Ich hatte Schmerzen im rechten Bein, aber nichts Außergewöhnliches. Jetzt sind sie schon vorbei“, sagte Neymar, der erst vor zwei Wochen in einem Testspiel gegen Kroatien seine Rückkehr nach einem Mittelfußbruch gefeiert hatte. Lasmar meinte: „Es gibt kein Problem. Der Schlag war auf den Knöchel, nicht auf den Fuß. Aus ärztlicher Sicht ist er 100 Prozent spielbereit.“

Neymar war noch nicht der Alte, nicht der alles bestimmende Part in Brasiliens Luxus-Ensemble. Traumtorschütze Philippe Coutinho (20.) hatte wesentlich mehr Einfluss als der 222-Millionen-Mann von Paris St. Germain. „Neymar hat das individuelle Spiel übertrieben, er litt unter der rigorosen Manndeckung“, urteilte „Globoesporte“. Neymar wurde attackiert wie kein Zweiter, testete seinen zuletzt maladen Fuß immer wieder, trat auf den Rasen, fasste sich ans Sprunggelenk. „Er hatte nicht viel Spaß heute“, sagte der starke Schweizer Torwart Yann Sommer.

Zehn der insgesamt 19 Fouls der Eidgenossen betrafen Neymar, häufig im Duell mit Valon Behrami, der danach von brasilianischen Fans in den sozialen Netzwerken angefeindet wurde. „Ich habe keine schwerwiegenden Fouls gesehen“, sagte der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic, es habe auch keine Anweisung gegeben, den brasilianischen Ausnahmekönner mit Fouls zu stoppen. „Es stand immer einer bei Neymar. Das war der Schlüssel, um Neymar zu neutralisieren“, ergänzte er.

Und nun? Kein Grund zur Panik. „Das Ergebnis ist kein Desaster, bringt aber einen Druck, den man schon lange nicht mehr gespürt hat“, kommentierte O Globo.