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Fußball-WM in Russland
Neymar ist bereit für die WM

Nach der Enttäuschung bei der Heim-WM 2014 will Neymar (Mitte) in Russland unbedingt den großen Coup landen und mit seinen brasilianischen Teamkollegen den sechsten Titel feiern.
Nach der Enttäuschung bei der Heim-WM 2014 will Neymar (Mitte) in Russland unbedingt den großen Coup landen und mit seinen brasilianischen Teamkollegen den sechsten Titel feiern. FOTO: dpa / Li Ga
Rostow am Don/Samara. Brasiliens Superstar ist nach vielen Wochen des Bangens rechtzeitig zum Auftaktspiel gegen die Schweiz wieder fit.

Neymar ist bestens gelaunt. Neymar ist gesund. Neymar ist bereit, alles, aber auch wirklich alles zu tun, um den Weltpokal zu holen. "Die WM zu gewinnen, ist das Wichtigste, was es gibt", sagt der Superstar der Brasilianer. "Hexa Campeao", der sechste Titel, soll es sein, muss es sein. Und damit, das macht Neymar klar, können die Dämonen von 2014 vertrieben werden: "Jetzt haben wir endlich die Möglichkeit, die letzte WM wegzuwischen."


Sete a um! 7:1! Die Schmach von Belo Horizonte verfolgt die Seleção noch immer, sie ist längst ein Sprichwort für etwas besonders Schlechtes. Ein Sieg gegen die Schweiz an diesem Sonntag in Rostow am Don (20 Uhr/ZDF) wäre nur Schritt eins von sieben geplanten auf dem Weg zu einer neuen Geschichte. "Vielleicht treffen wir wieder auf Deutschland - und dann gibt es hoffentlich eine echte Revanche", sagte Neymar bei spox.com. Das Testspiel im März taugte dazu nicht.

Brasilien wirkt als einer der Topfavoriten des Turniers so stark und gefestigt wie lange nicht. Trainer Tite, der den erfolglosen Carlos Dunga ersetzte, hat eine vielversprechende Mixtur kreiert, der eine eindrucksvolle Stabilität zugrundeliegt. In 21 Spielen unter ihm gab es eine Niederlage und nur fünf Gegentore. Dass die Seleção die Defensivarbeit verinnerlicht hat, ist wohl die deutlichste Warnung an die Konkurrenz. Offensiven Zauber gab es meistens ohnehin.



Zudem ist die Stimmung vor dem WM-Auftakt in der Gruppe E glänzend, wie die Albernheiten im Training dieser Tage zeigten, als Philippe Coutinho von Neymar zum Geburtstag Eier und Mehl als Kopfschmuck serviert bekam. Der teuerste Fußballer der Welt findet "diese Selecao besser vorbereitet als die vor vier Jahren". Das gilt wohl in jeder Hinsicht. "Wir sind klar im Aufwärtstrend. Die Fans dürfen träumen, wir tun das auch", ergänzte Neymar.

Was die Träume nährt, war auch die rasche Genesung des Profis von Paris St. Germain. Über dessen im Februar gebrochenen Mittelfuß wird kaum noch debattiert, über die anhaltenden Wechselgerüchte zu Real Madrid schon eher. Neymar hat bei den überzeugenden Härtetests gegen Kroatien (2:0) und Österreich (3:0) bewiesen, dass seine Gesundheit mitspielt. "Bei der Weltmeisterschaft gibt es kein Rumheulen", sagte der 222-Millionen-Euro-Mann im Interview mit dem bei Fans beliebten alternativen Youtube-Kanal „Desimpedidos“. Und für Spiel eins stellte er selbstbewusst gleich ein Tor in Aussicht.

Die Schweizer wollen sich mit ihren zehn aktuellen Bundesligaprofis im Kader nicht ausschließlich auf Neymar fokussieren, es wäre wohl auch ein törichter Fehler. Der ehemalige Wolfsburger Ricardo Rodriguez betonte nicht ohne Grund: "Das ist nicht nur Neymar. Das sind elf sehr gute Spieler, sie können auch Weltmeister werden." Rodriguez fügte gleichwohl an, dass ihnen große Gegner durchaus liegen würden.

Aber es ist dennoch zu erwarten, dass die Seleção eine zu hohe Hürde darstellt, zumal brasilianische Medien schon über die Geburt eines neuen magischen Quartetts schwärmen. Neymar, Philippe Coutinho, Willian und Gabriel Jesus seien sozusagen die Wiedergeburt von Kaka, Ronaldinho, Ronaldo und Adriano, die einst die Fußballwelt verzückten. Die neuen Vier sind allerdings noch schneller, taktisch flexibler. Die Voraussetzungen für eine brasilianische Traumreise durch Russland stimmen. Jetzt müssen Neymar und die Seleção nur noch Kurs halten – vor allem, um das Trauma von 2014 auszulöschen.