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Der Traum vom Titel ist geplatzt

Der Traum vom Titel ist geplatzt

Anna-Lena Grönefeld hat mit dem Niederländer Jean-Julien Rojer gestern den Mixed-Wettbewerb bei den French Open in Paris gewonnen und damit den zweiten Grand-Slam-Titel ihrer Tennis-Karriere gefeiert.

Für Andrea Petkovic ist der Traum vom Titel bei den French Open geplatzt. Die Weltranglisten-27. verlor gestern Abend das erste Grand-Slam-Halbfinale ihrer Karriere mit 2:6 und 6:7 (4:7) gegen Simona Halep. Die Rumänin trifft morgen im Endspiel (15 Uhr/Eurosport) auf die Russin Maria Scharapowa, die zuvor Eugenie Bouchard aus Kanada mit 4:6, 7:5 und 6:2 bezwungen hatte. Petkovic wandelt damit vorerst nicht weiter in den Spuren von Steffi Graf. Die frühere Nummer eins der Welt hat das bedeutendste Sandplatz-Turnier der Welt als letzter deutscher Tennis-Profi vor 15 Jahren gewonnen und dabei den letzten ihrer 22 Grand-Slam-Titel geholt.

Petkovic hatte am Mittwoch durch ein grandioses 6:2 und 6:2 gegen die einstige Paris-Finalistin Sara Errani aus Italien den Einzug ins Halbfinale besiegelt. Damit wird die Fed-Cup-Spielerin, die 412 500 Euro Preisgeld kassiert, ab Montag in der Weltrangliste erstmals seit August 2012 wieder in den Top 20 zu finden sein. Wie am Vortag gegen Errani lag die 26-Jährige auch gegen Halep schnell mit 0:2 zurück. Halep zwang sie durch ihre druckvolle Schläge immer wieder zu Fehlern. In den ersten vier Spielen gelangen Petkovic nur fünf Punkte. Nach dem zweiten Break gegen sich hatte sie beim 1:4-Rückstand bereits neun unerzwungene Fehler auf dem Konto - am Ende waren es 36.

Halep, die im Turnier-Verlauf keinen Satz abgegeben hat, zeigte kaum Schwächen. Beim vierten Satzball nach 27 Minuten profitierte sie von einem Rückhand-Longline-Fehler der Deutschen. Noch am Vortag war dieser Schlag von Petkovic der Schlüssel zum Erfolg gegen Errani gewesen.

Vor 15 000 Zuschauern agierte Petkovic dann im zweiten Satz mutiger - und ging nach ihrem ersten Break mit 3:1 in Führung. Unmittelbar danach konnte sie allerdings zwei Spielbälle nicht verwerten und verlor ihrerseits den Aufschlag. Die Ballwechsel wurden dann immer intensiver, ehe Halep im Tiebreak triumphierte, nachdem sich Petkovic einfache Fehler erlaubt hatte.

Petkovic kann Paris mit der Gewissheit verlassen, dass sie wieder um die großen Titel mitspielen kann. Auch dank ihres neuen Trainers van Eric van Harpen, mit dem sie seit dem vergangenen März fest zusammen arbeitet. "Ich spüre, dass ich schon so vieles besser mache. Aber der Weg ist noch lang", sagte Petkovic, die immer noch mit ihren "Dämonen", wie sie es nennt, eine inneren Kampf führt: "Die wüten dann und trinken Schnaps." Trotzdem hat van Harpen schon viel bewegt - auch in mentaler Hinsicht. "Ich schiebe meinen Dickschädel zur Seite und lasse mich jetzt mehr führen. Ich spiele mehr auf Sicherheit, ohne rumzulöffeln", beschreibt die 26-Jährige den Einfluss des 70-Jährigen. Anna-Lena Grönefeld schaute immer wieder stolz ihren Mini-Pokal an und strahlte mit der Pariser Mittagssonne um die Wette. Einen Tag nach ihrem 29. Geburtstag bereitete sich die Fed-Cup-Spielerin mit dem Gewinn des Mixed-Titels bei den French Open nachträglich das schönste Geschenk und bescherte ausgerechnet ihrer Fed-Cup-Kollegin Julia Görges ein paar traurige Momente.

"Es ist immer schwer, gegen Freundinnen zu spielen. Aber gewonnen zu haben, ist trotzdem schön", sagte Grönefeld, nachdem sie mit ihrem Partner Jean-Julien Rojer (Niederlande) mit 4:6, 6:2, 10:7 gegen Görges und Nenad Zimonjic (Serbien) gesiegt hatte. Für Grönefeld war es bereits der zweite Grand-Slam-Titel im gemischten Doppel nach ihrem Triumph mit Mark Knowles (Bahamas) 2009 in Wimbledon.

Dabei hatte sich das Siegerpärchen von Paris, das sich ein Preisgeld in Höhe von 110 000 Euro teilen durfte, erst kurz vor Toreschluss gefunden. "Niemand wollte mit mir spielen, da wurde es schon ein bisschen eng. Bis ich Jean-Julien gefunden habe. Das hat dann auch gleich ohne gemeinsames Training funktioniert", erzählte Grönefeld. Dabei hatte Rojer schon einer anderen Spielerin zugesagt, entschied sich dann aber für Grönefeld. "Ich habe eine neue Freundin gefunden - und eine andere verloren", scherzte der Niederländer.

Traurig war indes Görges, die bereits seit ein paar Tagen an einer Grippe laborierte. "Ich bin enttäuscht, weil ich das schlechteste Tennis dieser Woche gespielt habe", sagte die 25-Jährige, die mit Grönefeld im Doppel in der ersten Runde gescheitert war. Es war das erste Mal, dass im gemischten Doppel zwei deutsche Profis in einem Grand-Slam-Endspiel standen. 1930 hatte als letzte Deutsche in Paris Cilly Aussem mit dem Amerikaner William Tilden den Titel gewonnen.