Frieden auf Probe

Der Streit bei Mercedes wurde offiziell beigelegt. Der enge Titelkampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton dürfte sich beim Rennen an diesem Sonntag in Kanada dennoch zuspitzen – es ist ein brüchiger Friede.

Im neuesten Werbeclip albern Nico Rosberg und Lewis Hamilton herum wie die besten Freunde. Sie duellieren sich im Wettbewerb mit Spielzeugautos, jonglieren Wasserflaschen und spielen Fußball. Nichts ist da zu erahnen von der Auseinandersetzung in Monaco, als sich die Mercedes-Teamkollegen keines Blickes würdigten, kein Wort mehr miteinander sprachen.

Natürlich wurde der Film für einen Sponsor schon vor der Saison abgedreht, doch er zeichnet nun genau das Bild, das der Rennstall vor dem Großen Preis von Kanada an diesem Sonntag (20 Uhr/RTL) vermitteln will: Rosberg und Hamilton sind Kumpel, die sich fair duellieren. "Als Freunde", schrieb Hamilton nach fünf Tagen des eisigen Schweigens auf Twitter, "haben wir unsere Höhen und Tiefen", doch man habe sich unterhalten, es gebe "kein Problem" mehr. Dazu stellte er ein Bild aus Jugendtagen, es zeigt Hamilton und Rosberg bei strahlender Sonne, sie sitzen grinsend auf zwei Einrädern. Das wirkte wie eine übertriebene PR-Maßnahme.

Bei Rosbergs Sieg in Monaco, mit dem der 28-Jährige sich die WM-Führung zurückgeholt hatte, fühlte Hamilton sich um die Pole Position betrogen. Auf Glückwünsche für seinen Stallrivalen verzichtete er. "Wir sind keine Freunde, wir sind Kollegen", sagte der Ex-Weltmeister mit ernster Miene. Letztlich war es wohl Niki Lauda, der entscheidend auf ein Friedensgespräch hinwirkte. Das jedenfalls sagte der Aufsichtsratschef des Mercedes-Werksteams in einem Interview. "Ich habe mit Lewis gesprochen. Er hat mir gesagt, dass er mit Nico sprechen wird", erklärte der dreimalige Weltmeister.

In Montréal läuft auch beim siebten Rennen der Saison alles auf das nächste Privatduell der beiden Dominatoren hinaus, die sämtliche Siege bislang unter sich aufgeteilt haben. Nur vier Punkte trennen Rosberg (122) von Hamilton (118) im WM-Klassement, und der Kurs auf der Ile Notre-Dame ist mit seinen harten Tempowechseln wie gemacht für die Stärken der Silberpfeile. Angesichts dieser Vorzeichen erwartet Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff auch weiterhin viel Arbeit für die Vermittler im Team. "Manchmal, und das meine ich positiv, sind sie wie Teenager, die ihre Grenzen austesten", sagte der Österreicher.