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"Das Gefühl ist unbeschreiblich"

Offenbach. "Olé, Olé, zweite Liga", skandieren die 250 Schlachtenbummler in der mit 600 Zuschauern vollbesetzten Offenbacher Queichtalhalle schon Minuten vor dem Abpfiff. Als Philipp Kessler für die HG Saarlouis in der 56. Minute den Treffer zur 30:25-Führung markiert, sitzt im grün-weißen Fan-Block niemand mehr Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt

Offenbach. "Olé, Olé, zweite Liga", skandieren die 250 Schlachtenbummler in der mit 600 Zuschauern vollbesetzten Offenbacher Queichtalhalle schon Minuten vor dem Abpfiff. Als Philipp Kessler für die HG Saarlouis in der 56. Minute den Treffer zur 30:25-Führung markiert, sitzt im grün-weißen Fan-Block niemand mehr. Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Abstieg 1985 wird die HG in die 2. Handball-Bundesliga zurückkehren. Vom ewigen Abstiegskandidaten zum Liga-Primus - ein Handball-Märchen ist wahr geworden.



Um 19.28 Uhr ist es dann soweit. Mit dem Schlusspfiff markiert Kreisläufer Pascal Simon den 33:27-Endstand. Jetzt steht der Aufstieg fest, und der Jubel bei den Gästen kennt keine Grenzen. "HGS! HGS!", donnert es von den Rängen. Auf dem Spielfeld liegen sich die Spieler, Fans und Funktionäre des neuen Regionalliga-Meisters in den Armen und tanzen wild im Kreis. Freudentränen fließen, Sektfontänen ergießen sich übers Spielfeld. Wer jetzt mittendrin statt nur dabei sein will, riskiert eine kalte Dusche.

Auch Teammanager Richard Jungmann hat's erwischt. HG-Torhüter Darius Jonczyk kennt keine Gnade. Doch das nasse Hemd ist Jungmann egal. Er genießt den lang ersehnten Moment. "Wunderbar. Auf diesen Erfolg haben wir drei Jahre lang hingearbeitet", strahlt der neue Vorsitzende des SC Lisdorf (bildet mit der DJK Roden die HG Saarlouis).

Nur der Erfolg zählt. Und für Erfolg steht in Saarlouis ein Name: Danijel Grgic. Als der frühere kroatische Nationalspieler vor drei Jahren bei der HG anheuerte, kam die Wende. Unter der Führung des charismatischen Spielmachers avancierte Saarlouis zu einem der Top-Teams der Liga. Nach zwei knappen Fehlschlägen hat es nun im dritten Anlauf geklappt. "Ich wusste, dass wir es diesmal schaffen werden. Das Gefühl ist unbeschreiblich", sieht sich Grgic am Ende eines steinigen Weges. Nach der Entlassung von Christoph Barthel hatten er und Daniel Altmeyer im März das Training übernommen. Die Spielertrainer-Lösung - im Nachhinein die richtige Wahl. "Nicht schön spielen, aber gewinnen. Dafür stehen Danijel und Daniel", sagt der Kroate grinsend. Kollege Altmeyer nickt und gesteht die Nervosität im letzten Spiel ein. "Wir haben es geschafft, und das wird heute richtig begossen", sagt der Kapitän.



Meinung

Spieler beweisen Charakter

Von SZ-Redakteur

Kai Klankert

Sechs Jahre nach dem Abstieg des TVA Saarbrücken aus der 2. Liga beschert die HG Saarlouis dem Saarland wieder Bundesliga-Handball. Der Meister-Titel krönt eine Regionalliga-Saison, die allerdings alles andere als perfekt gelaufen ist.

Erst die Fehler in der Zusammenstellung des zu kleinen Kaders, die der Verein auch einräumt. Dann die daraus resultierende Schwächephase im November, als die Mannschaft - ohne personelle Alternativen in der Hinterhand - Punkt um Punkt verspielt. Platz eins gerät plötzlich völlig außer Reichweite. Der Tiefpunkt ist die Trennung vom abwanderungswilligen Trainer Christoph Barthel Anfang März.

Dass die HG Saarlouis nun doch den Aufstieg feiern kann, liegt an zwei Faktoren: dem unerklärlichen Einbruch der HSG Gensungen (nach 30:0 Punkten in der Vorrunde nun 14:14 in der Rückrunde) und dem Charakter der Saarlouiser Spieler, die sich durch nichts haben irritieren lassen. Sie haben diesen Erfolg verdient.

Bleibt zu hoffen, dass die Vereinsführung aus ihren Fehlern gelernt hat - und die Weichen stellt, damit der Ausflug in die 2. Liga nicht nach einem Jahr wieder beendet ist.