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Als Rudi Dörrenbächer besser als "Uns Uwe" war

Als Rudi Dörrenbächer besser als "Uns Uwe" war

Neunkirchen/Saarbrücken. Es war ein kalter, langer Winter. Ungefähr so wie in diesem Jahr, vielleicht sogar noch ein wenig kälter, und vielleicht noch ein wenig länger. Eigentlich hätte Borussia Neunkirchen schon im Januar beim VfR Frankenthal spielen sollen, aber dieser harte Winter 1963 hatte das verhindert

Neunkirchen/Saarbrücken. Es war ein kalter, langer Winter. Ungefähr so wie in diesem Jahr, vielleicht sogar noch ein wenig kälter, und vielleicht noch ein wenig länger. Eigentlich hätte Borussia Neunkirchen schon im Januar beim VfR Frankenthal spielen sollen, aber dieser harte Winter 1963 hatte das verhindert. Und so war die Borussia am Ostermontag nach Frankenthal gereist, obwohl der Boden immer noch vereist war.

Es war vielleicht eine der stärksten Mannschaften, die je für die Borussia spielte. Dreimal war sie Vizemeister in der Oberliga Südwest geworden, 1962 sogar Meister. Auch dank dieses Berges von einem Mann im Sturmzentrum. Rudi Dörrenbächer. 1,86 Meter groß, Schuhgröße 48. 37 Tore hatte er in der Vorsaison erzielt, neun mehr als Uwe Seeler in der Oberliga Nord und so viele Tore, wie nie wieder ein Saarländer erzielen sollte. Dabei weiß bis heute niemand so recht, was überhaupt so besonders an dem Mann mit der hohen Stirn gewesen war. "Der Rudi war kein außergewöhnlicher Kopfballspieler. Auch sonst war er eher ein unorthodoxer Spieler. Ich kann mich nicht erinnern, dass er mal aus 16 Metern aufs Tor geschossen hat. Irgendwie hatte der gar keinen Spannstoß. Aber im Strafraum war er kaum zu stoppen", erinnert sich Dieter Harig, sein ehemaliger Mitspieler. Das Spiel in Frankenthal sollte jedoch das letzte Spiel des damals 30-Jährigen werden.

1957 war er von Hellas Marpingen zur Borussia gewechselt, gemeinsam mit Erich Leist und Erwin Glod. Sie alle erinnern sich gerne an diese Mannschaft, auch wenn sich viele Wege nach der Karriere getrennt haben. "Wir waren immer füreinander da", sagt Günter Kuntz, Vater von Stefan Kuntz und damals Linksaußen bei der Borussia. Nur Dörrenbächer war, so eigen sein Spielstil war, auch abseits des Platzes ein wenig eigen. "Er war schon ein bisschen ein Einzelgänger", sagt Harig. Während die Mannschaft nach dem Training mit ihren drei Mark Essensgeld gemeinsam in das nahegelegene Wirtshaus ging, kaufte Dörrenbächer von dem Geld Schokolade für seinen Sohn und fuhr alleine nach Hause nach Furpach. "Er war ein Sonderling. Aber einer der guten Sorte", sagt Karl Ringel.

Und dann kam sie, diese 18. Minute in Frankenthal. Dörrenbächer stieg zum Kopfball hoch und traf zum 1:0 für Neunkirchen. Doch im Kampf um den Ball hatte ihn Frankenthals Torhüter Manfred Rößler an der Schläfe getroffen, bewusstlos sackte er zu Boden und schlug mit dem Kopf auf den hart gefrorenen Boden. Dörrenbächer bezahlte dieses Tor mit seiner Karriere. Sechs Wochen lag er mit einem Schädelbasisbruch im Koma - zu lange, um je wieder an Fußballspielen zu denken. Am Sonntag wird er, der mittlerweile schwer erkrankt in einer Einrichtung in Elversberg lebt, 80 Jahre alt. Der Mann ohne Eigenschaften, der dennoch einer der besten deutschen Stürmer seiner Zeit geworden war.Foto: Hartung