Tennisprofi Alexander Zverev will Titel bei ATP-Finals in London verteidigen

ATP-Finals in London : Zverev will die Erfolgsgeschichte wiederholen

Der deutsche Tennisprofi geht bei den am Wochenende beginnenden ATP-Finals in London als Titelverteidiger an den Start.

Das wilde Champions-League-Spektakel an der Stamford Bridge erlebte Alexander Zverev hautnah. Als Ehrengast des FC Chelsea staunte Deutschlands Tennis-Star am Dienstagabend auf der Tribüne des Londoner Fußball-Stadions über den denkwürdigen Schlagabtausch mit Ajax Amsterdam (4:4). Erst das Vergnügen, dann die Arbeit quasi, denn ab diesem Sonntag wird es für Zverev selbst wieder ernst auf dem Platz. Bei den ATP-Finals kämpft der 22-Jährige als Titelverteidiger um einen versöhnlichen Saisonabschluss.

Ein Unterfangen, das nach einem durchwachsenen Jahr für Zverev alles andere als leicht wird. Unmittelbar vor seinem Stadion-Besuch hatte sich der Weltranglistensiebte als Losfee selbst knifflige Aufgaben beschert. In der nach Steffi Grafs Ehemann Andre Agassi benannten Gruppe bekommt es Zverev bei dem am Wochenende beginnenden Turnier mit dem 19-maligen Grand-Slam-Champion Rafael Nadal, dem extrem formstarken Daniil Medwedew und Jungstar Stefanos Tsitsipas aus Griechenland zu tun.

„Sehr interessant und offen“ sei diese Konstellation mit den „drei Jungen und Rafa“, meinte Zverev. Einzig gegen Medwedew hat er eine positive Bilanz (4:1), wobei das letzte Duell im Finale des Masters von Shanghai jüngst an den Russen ging. Dennoch gibt sich Zverev angriffslustig. „Hier sind die besten acht Spieler des Jahres“, sagte er: „Da gibt es einfach keine leichten Matches.“

In der anderen Gruppe spielen der Serbe Novak Djokovic (32), der aufgrund von Nadals gesundheitlichen Problemen Topfavorit ist, Rekordsieger Roger Federer (38) aus der Schweiz sowie die Außenseiter Dominic Thiem aus Österreich (26) und Matteo Berrettini (23, Italien).

Zverev weiß: Will er wie im Vorjahr einen perfekten Jahresabschluss schaffen, muss er die komplette Weltelite schlagen. Darin liegt der Reiz dieses prestigeträchtigen Events, das vor ihm aus deutscher Sicht nur Boris Becker (3 Mal) und Michael Stich (1) gewonnen hatten. „Es war etwas ganz Besonderes, letztes Jahr zu siegen“, sagte Zverev: „Ich habe die Nummer eins und zwei der Welt geschlagen, es war der bisher größte Titel meiner Karriere.“

Auf den allerdings statt des erhofften endgültigen Durchbruchs die erste größere Krise in der immer noch jungen Laufbahn des Ausnahmetalents gefolgt war. Vor allem bei den Grand Slams blieb Zverev 2019 einmal mehr hinter den eigenen Ansprüchen zurück, fiel auch aufgrund von Problemen abseits des Tennis-Platzes in ein Leistungsloch. Um die erneute Qualifikation für das Saisonabschlussturnier musste Zverev deshalb zittern, erst in Paris erhielt er nach Patzern der Konkurrenz sein Ticket. Zverevs Form war zuletzt so wechselhaft wie seine Saison. Zwischen sieglosem Vorrunden-Aus und Titelverteidigung scheint deshalb alles möglich.

„Ich hatte ein schwieriges Jahr“, bilanzierte der gebürtige Hamburger: „Aber ich habe es geschafft, mich zu qualifizieren und bin sehr, sehr glücklich, hier zu sein.“ Auch im Vorjahr war Zverev alles andere als favorisiert, hatte dann bei dem Turnier in der O2-Arena aber alle überrascht und war mit Siegen über Federer und Djokovic zum Titel gestürmt. Eine Geschichte, die er nur zu gerne wiederholen würde.

Im Doppel sind die deutschen French-Open-Sieger Kevin Krawietz (Coburg) und Andreas Mies (Köln) erstmals bei der mit 9 Millionen US-Dollar dotierten Hartplatz-Veranstaltung dabei.

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