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Für Tennisprofi Jan-Lennard Struff kam Zwangspause wegen Corona ungünstig

Tennisprofi Jan-Lennard Struff : "Es war schon relativ gruselig"

Für Tennisprofi Jan-Lennard Struff kam die Zwangspause wegen der Corona-Krise zur denkbar ungünstigen Zeit.

Aufschlag, Vorhand, Rückhand, Volley – Jan-Lennard Struff hat ein Stück seines Alltags wieder. Der zweitbeste deutsche Tennisspieler jagt die Filzkugel im Training über das Netz, eine Ausnahmegenehmigung des Landessportbunds in Nordrhein-Westfalen hat seine behördlich angeordnete Zwangspause beendet. Doch die Einheiten im Bundesstützpunkt Kamen fühlen sich momentan alles andere als vertraut an.

„Als ich das erste Mal wieder gespielt habe, war es ganz ehrlich schon relativ gruselig und hat sich nicht gut angefühlt. Es war mit die längste Phase ohne Schläger, die ich je hatte“, sagt Struff. Ohne Ziel zu spielen, sei schwierig. Der 29 Jahre alte Warsteiner geht offen mit der völlig ungewohnten Situation um. „Sonst denkt man sich: Okay, ich muss in zwei Wochen wieder bereit für ein Turnier sein und arbeite beispielsweise etwas an meinem Aufschlag. Jetzt habe ich mich in einer Einheit zum ersten Mal gefragt, wofür ich das Ganze mache“, sagt er. Einen Tag später habe er dann wieder ein besseres Gefühl gehabt.

Der Wettkampf-Fokus ist dem Profi durch die Corona-Pandemie zwangsläufig abhanden gekommen, ein Stoppschild steht bis mindestens 13. Juli vor der Tour, der Grand-Slam-Klassiker in Wimbledon ist bereits ersatzlos gestrichen. All das schmerzt Struff, der 2019 sein bisher bestes Jahr gespielt hat. Er schlug fünf Spieler der Top 10 und rückte nah an die Marke der besten 30 Profis heran. Aktuell ist er 34. der eingefrorenen Weltrangliste und kann nicht weiter angreifen.

Sollte die Pause sehr lange andauern, verkürze dies die Zeit, in der er professionell Tennis spielen kann, sagt der Davis-Cup-Spieler: „Jahre sind in einer Karriere befristet, da ist es sehr schade, wenn so etwas wie jetzt passiert.“ Doch allzu laut klagen will er nicht. Es gelte, das Beste aus der Phase zu machen, „im sportlichen, aber auch familiären Bereich, dass ich gestärkt auf die Tour zurückkehren kann“, sagt Struff.

Und die ungebetene Auszeit hat ja auch ihre Vorteile. Gerade die Zeit mit seiner Freundin und dem kleinen Sohn Henri genießt Struff. „Jetzt kann ich tagsüber was mit meinem Kind machen und habe abends auch mal Zeit mit meiner Freundin, was in letzter Zeit auch oft ein bisschen kurz gekommen ist“, sagt er: „Das ist einfach wunderschön.“

Auch finanziell muss Struff Abstriche machen, auch wenn er als Profi der Top 50 ordentlich situiert ist. „Ich habe die letzten Jahre sehr gut gespielt und es geschafft, mir ein kleines Polster anzulegen“, erzählt Struff, „wenn man diese Wochen jetzt aber mal hochrechnet, ist das krass, was alles wegfällt. Wenn man allein nur die Erstrunden-Preisgelder addieren würde, ist das schon eine ordentliche Summe – mit den French Open, mit Wimbledon.“

Doch die Kosten sind eben auch da. „Wir Tennisspieler sind selbstständig, bezahlen das Training, die Reisen und die Trainer selbst“, führt Struff aus, „ich will jetzt überhaupt nicht jammern, weil es mir und vielen Profis sehr gut geht, aber Spieler hinter Platz 100 oder 150, die werden Probleme kriegen.“

Wie lange der Rhythmus in der jetzigen Form anhalten wird und welche Turniere des schwer zerpflückten Kalenders noch gespielt werden können, ist aktuell nicht absehbar. Gerade die vielen Reisen sind in der jetzigen Phase ein Problem. Für Struff bedeutet das erst mal: Abwarten und trainieren. Immerhin ist das jetzt zwei, drei Mal die Woche eingeschränkt möglich. In der Halle sind Desinfektionsgeräte aufgebaut, er darf nur mit seinem Trainer Carsten Arriens oder einem Sparringspartner gleichzeitig ackern. Es gilt, Abstand voneinander zu halten. „Wenn es wieder losgeht, wird sich zeigen, wer sich gut ausgeruht und gut gearbeitet hat“, sagt Struff, dann müssten das Niveau und die Intensität in einer Vorbereitungsphase hochgefahren werden: „Das wird eine brutal neue Situation für alle werden.“