Tennisprofi Andrea Petkovic moderiert ab Dezember ZDF-Sport-Reportage

Tennis : Perspektivwechsel von Petkovic

Die 32-jährige Tennisspielerin moderiert ab Dezember die ZDF-Sport-Reportage, bleibt ihrem Sport aber weiter treu.

Den Teleprompter hat Andrea Petkovic gleich einmal abgeschaltet. Vorgefertigte Texte vom Bildschirm ablesen, das entspricht einfach nicht dem Naturell der eloquenten Darmstädterin, die ab kommenden Dezember die ZDF-Sport-Reportage moderieren wird. „Ich mache es freestyle. Das klappt besser“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Schließlich ist sie damit auch als Tennisspielerin stets am besten gefahren und will es auch weiterhin tun.

Petkovic hat nicht vor, ihr Dasein als Profisportlerin zu beenden – ungeachtet des Engagements beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. „Also ein Jahr bin ich sicher noch dabei“, verriet sie erst jüngst der österreichischen Zeitung „Der Standard“. Ihre ZDF-Auftritte sollen vielmehr mit den Turnierdaten abgestimmt werden. Ihre ersten beiden Moderationstage am 1. und 8. Dezember fallen in die ohnehin spielfreie Zeit.

Klar ist trotzdem: Petkovic bastelt weiter fleißig an ihrer Karriere nach der Karriere und vollzieht den Übergang sukzessive. Vor ihrem Moderations-Debüt hat sie unter anderem bereits bei einer Davis-Cup-Partie als Co-Kommentatorin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet, war Kolumnistin für die „Süddeutsche Zeitung“ und publizierte im US-amerikanischen „Racquet Magazin“ einen Text über die Indie-Rockband Tennis, die sie auf deren Tour begleitet hatte. Das daraus entstandene Essay mit Namen „Tennis vs. Tennis“ wurde kürzlich sogar ausgezeichnet und in den Sammelband „Best American Sports Writing“ aufgenommen. „Das kam ziemlich überraschend“, bekannte Petkovic stolz: „Ich wusste gar nicht, dass der Chefredakteur des Magazins die Geschichte eingereicht hatte. Ich freue mich sehr.“

Auch an ihrer Biografie arbeitet die 32-Jährige bereits, schreibt diese – anders als die meisten Sportler – ganz ohne Ghostwriter vollständig selbst. „Mein Verlag nennt es ‚Auto-Fiktion‘“, erklärt sie: „Alle Dinge, die darin vorkommen, sind so passiert. Ich habe aber gestrafft und zusammengefügt, um den Lesefluss zu erhalten.“ Wenn sie ihr Leben „eins zu eins aufschreibe“, werde es nämlich „sehr langatmig“.

Beim ZDF freut man sich derweil auf ein „Naturtalent“, dem die Verantwortlichen nach zwei Moderatoren-Castings ganz ohne abgeschlossenes Studium, Ausbildung oder Praktika die Ergänzung des Teams um die erfahrenen Moderatoren Rudi Cerne und Norbert König zutrauen. „Sie ist eine tolle Tennisspielerin, eine großartige Persönlichkeit mit viel Charme und klarer Meinung“, begründete ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann die Entscheidung: „Dazu hat sie ein besonderes Talent vor der Kamera.“

Beinahe unter geht bei allen Nebenprojekten, dass Petkovic auch als Tennisspielerin zumindest punktuell noch immer bemerkenswerte Leistungen erbringen kann. Beim WTA-Turnier im österreichischen Linz erreichte sie in der Vorwoche das Halbfinale, verlor erst gegen US-Teenie-Sensation Cori Gauff (15), die spätere Turniersiegerin. In Luxemburg bestreitet sie an diesem Donnerstag ihr Achtelfinal-Match gegen Antonia Lottner. Journalistin ist Petkovic bislang nur in Teilzeit – und will das zumindest bis zum Ende der Tennis-Saison 2020 auch bleiben.

Mehr von Saarbrücker Zeitung