Berliner Stark trotz Nasenbeinbruch vor Debüt in Nationalmannschaft

Fußball : Mit Mumm und Maske zu seinem Debüt

Der Berliner Niklas Stark fiebert seinem ersten A-Länderspiel entgegen. Trotz Nasenbeinbruchs soll er am Samstag auflaufen.

Niklas Stark sah aus wie nach einer wüsten Schlägerei. Die Augen blutunterlaufen, die Augenhöhlen blau-grün gefärbt, ein Stück Plastik hielt die frisch operierte Nase stabil. „Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht“, sagte der Hertha-Profi bei der Ankunft der Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag in Düsseldorf.

Der 24-Jährige war natürlich in keine Prügelei verwickelt gewesen, der Nasenbeinbruch ist ein Andenken aus dem Ligaspiel gegen RB Leipzig. Die meisten Spieler hätten für die EM-Qualifikationsspiele am kommenden Samstag in Mönchengladbach gegen Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt gegen Nordirland (beide 20.45 Uhr/RTL) abgesagt, aber Stark nicht. Der DFB-Debütant im Wartestand hat bereits acht Länderspiele seit seiner ersten Nominierung verpasst, so lange musste noch kein Feldspieler unter Joachim Löw auf seinen ersten Einsatz warten.

Der Bundestrainer gab seinem Pechvogel nun laut Medieninformationen eine Einsatzgarantie – sofern auch die DFB-Ärzte keine Einwände haben. Stark wird mit einer Maske spielen, mit der er schon im April 2018 bei der gleichen Verletzung für seinen Club aufgelaufen war. Damals hatte Stark kein besonders gutes Gefühl gehabt, jetzt wagt er einen zweiten Versuch. „Wenn der Bundestrainer anruft und sagt, er will mich dabeihaben, dann komme ich – sofern ich laufen kann“, sagte der Abwehrspieler.

Stark will sich endlich „einen großen Traum erfüllen“ – angesichts der großen Personalnot gerade im Abwehrzentrum kein schlechter Zeitpunkt. Löw schätzt am Berliner, dass dieser „jung, schnell und kopfballstark“ ist. U21-Nationalcoach Stefan Kuntz traut Stark den Durchbruch im A-Team zu – und noch mehr. Der stille, aber dennoch ehrgeizige Stark sei „ein natürlicher Anführer“, schwärmte Kuntz über den U21-Europameister von 2017.

Zuletzt konnte man aber den Eindruck gewinnen, Stark sei auch vom Pech verfolgt. Nachdem Löw ihn bei sechs Länderspielen auf der Bank hat schmoren lassen, stoppte ihn eine Magen-Darm-Grippe vor dem zugesicherten Startelf-Einsatz gegen Argentinien. In Estland wollte Stark endlich seine Premiere feiern, doch im Teamhotel stieß er sich vor der Abreise nachts unglücklich an der Tischkante. Die blutende Wunde am Schienbein musste genäht werden – und Stark fiel erneut aus.

„Mittlerweile kann ich darüber schmunzeln“, sagte Stark: „Ganz Deutschland hat meine Aktion mitbekommen. Wenn es nicht so bitter wäre, wäre es eine witzige Geschichte. Es war einfach dunkel, ich habe halt nichts gesehen.“ Dabei ist Übersicht eine seiner großen Stärken auf dem Platz. Stark kommt aufgrund seiner Spielintelligenz und Schnelligkeit fast ohne Fouls aus. Seine auffälligen Leistungen in der Vorsaison sorgten dafür, dass sich europäische Topclubs für ihn interessierten. In seinem Vertrag mit Hertha BSC ist angeblich eine Ausstiegsklausel von 25 Millionen Euro eingebaut.

„Das ist doch nur eine Zahl. Mein Vater zeigt mir das oft und sagt: Schau mal, was du wert bist, voll cool! Aber das hat keine Auswirkungen auf mich“, sagte der Defensivspieler, der auch zentral vor der Abwehr seine Stärken ausspielen kann. Löw schätzt solch variable Spieler, auch wenn er Stark bislang noch nicht aufgestellt hat. Stark werde „logischerweise noch mal eine Chance bekommen“. Diese ist nun da. Sofern das Spielen mit der Maske auch wirklich funktioniert.