US-Profiliga MLS wächst und setzt auf die Jugend, Seattle ist Meister

Talentförderung im Fokus : Die MLS wächst und setzt auf die Jugend

Anhaltendes Wachstum der US-Profiliga macht Hoffnung. Junge Spieler statt Altstars. Seattle ist Meister.

Bastian Schwein­steiger kam als Fußball-Weltmeister, aber im Herbst seiner Karriere. Zlatan Ibrahimovic adelt sich weiterhin als Weltbester, ist es aber längst nicht mehr. Und Wayne Rooney ist schon lange nicht mehr das englische Wunderkind. Der Ruf der nordamerikanischen Major League Soccer als „Altherren-Liga“ mag nicht von ungefähr kommen – ist laut der MLS-Bosse aber bald endgültig überholt. „Die MLS im Jahr 2019 hat nur noch wenig mit der MLS zu Beginn des neuen Jahrtausends gemeinsam“, sagt Vize-Präsident Dan Courtemanche. Wachstum, Jugendarbeit, Entertainment – die Liga soll sich weiter entwickeln und zur ernsthaften Konkurrenz für den europäischen Fußball werden.

Rund 70 000 Zuschauer verfolgten am Sonntag (Ortszeit) das diesjährige MLS-Cup-Finalspiel zwischen den Seattle Sounders und dem Toronto FC. Mit einem 3:1 holten die Sounders den zweiten Meistertitel binnen vier Jahren. Im Kader: kein prominenter Altstar aus Europa.

„Unser Hauptaugenmerk gilt der heimischen Talentförderung in den USA und Kanada sowie Lateinamerika“, sagt Courtemanche. Seit 2008 ist jedes MLS-Team verpflichtet, eine Jugendakademie zu unterhalten. Die beiden Final-Teilnehmer waren vor 20 Jahren noch gar nicht in der Liga vertreten, zwischen 2004 und 2019 hat sich die Anzahl der MLS-Teams mehr als verdoppelt, von damals zehn auf 24 Mannschaften. Bis 2022 sollen sechs weitere folgen. „Wir sind noch immer jung. Unsere besten Tage liegen noch vor uns“, meinte MLS-Commissioner Don Garber: „Fußball wächst in den USA und Kanada weiter, und wir als Liga müssen uns anpassen, um unsere ebenfalls wachsenden Aspirationen zu verwirklichen“.

Wirtschaftlich lässt sich das durch Zahlen belegen. Laut „Forbes“ beträgt der Durchschnittswert eines MLS-Teams aktuell 313 Millionen US-Dollar – eine Steigerung von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit einem Altersdurchschnitt von knapp 25 Jahren und Spielern aus 75 Ländern ist die MLS nicht nur die jüngste, sondern auch die internationalste der großen nordamerikanischen Sportligen.

Für Aufmerksamkeit außerhalb der Landesgrenzen sorgten bislang aber vor allem die Alten. Einst kamen Franz Beckenbauer und Pelé in die USA, später kamen Lothar Matthäus und David Beckham. In der kommenden Saison werden nach dem Karriereende von Schwein­steiger vor allem junge Akteure die deutsche Fahne in der MLS hochhalten. So wie Julian Gressel. Der 25-Jährige gewann in der vergangenen Saison die MLS-Meisterschaft mit Atlanta United und wurde 2017 als bester Nachwuchsspieler der Liga ausgezeichnet.