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Hamsterkäufe sind im Landkreis St. Wendel nach wie vor kaum zu stoppen

Manche hamstern, andere helfen : Zwischen Hamsterkäufen und Solidarität

Hamsterkäufe gibt es im Landkreis St. Wendel auch jetzt noch. Manche wollen sich hingegen solidarisch zeigen.

Aufeinander achten und Solidarität zeigen – das ist in der derzeitigen Krise wichtig. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dies zuletzt in ihrer Ansprache an die Nation betont. Vorräte halten sei in Ordnung, Hamsterkäufe seien jedoch unsolidarisch. Dass Menschen in großen Mengen einkaufen, beobachten die Händler im Landkreis St. Wendel weiterhin. Das hat eine nicht repräsentative Umfrage der Saarbrücker Zeitung ergeben.

Christof Becker vom Kaufhaus Becker in Primstal berichtet, dass nach wie vor Toilettenpapier, Küchenrolle und Taschentücher in großen Mengen gekauft werde – bei allen anderen Waren laufe das Geschäft wie immer. „Ich verstehe es selbst nicht, warum die Leute ausgerechnet Klopapier so stark nachfragen.“ Ansonsten habe sich für ihn in der Krise kaum etwas verändert, sagt Becker. „Wir haben ein bisschen mehr Kundschaft, was vielleicht daran liegt, dass die Leute nicht mehr so weit fahren wollen zum Einkaufen, aber das ist nur eine Vermutung von mir.“

Andere Händler im Kreis berichten Ähnliches: vor allem Toilettenpapier, Konserven und Getränke würden stark nachgefragt. Die Drogeriemarktkette Rossmann beschränke in ihren Filialen den Verkauf von Toilettenpapier auf zwei Packungen pro Kunde, erklärt eine Sprecherin auf SZ-Anfrage. „Eine stark gestiegene Nachfrage nach Seife und Toilettenpapier“ bestätigt auf Nachfrage ein Sprecher der Drogeriemarktkette dm. Andreas Schneider, Marktleiter des Edeka-Marktes in Oberthal, hat laut eigenen Angaben hingegen beobachtet, dass die Hamsterkäufe in dieser Woche zurückgegangen sind. „Sollte die Regierung allerdings eine Ausgangssperre verhängen, kann es gut sein, dass der Andrang wieder ansteigt“, sagt Schneider. Er und sein Team seien jedoch darauf vorbereitet, die Regale weiterhin zu füllen und die Kunden mit allem Notwendigen zu versorgen.

Die Hamsterkäufe sind auch an anderer Stelle zu spüren. So berichtet Ulrike Benz vom Harschberger Hof, dass der Automat, der an der Straße vor dem Hof aufgestellt ist und üblicherweise mit Grundnahrungsmitteln wie Milch, Butter und Eiern bestückt ist, besonders stark in Anspruch genommen worden sei. „Letzte Woche musste ich den ganzen Vorrat an Wurstkonserven in dem Automaten wieder auffüllen“, erzählt Benz.

Das Leben im Dorfladen in Hoof hat sich in die Corona-Krise verändert. Zwar würden dort wie gewohnt täglich von 8 bis 10 Uhr vor allem Backwaren verkauft, doch das angeschlossene Bistro bleibe geschlossen, erklärt der Hoofer Ortsvorsteher Gernot Müller (SPD). „Der Dorfladen war immer schon als Kommunikationspunkt gedacht“, erklärt Müller, der auch Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Dorfentwicklung Hoof ist. „Jetzt sind die Leute angehalten, nur einzukaufen und nicht zu verweilen“, führt Müller weiter aus. Für die Dorfbewohner, die nicht selbst einkaufen gehen können, bietet nach Müllers Ansicht vor allem das Internet eine große Chance. Unterstützung bekommen die älteren Heemer dabei von ihren Mitbürgern im Ort. Denn Hoof beteiligt sich an dem Projekt Smart Village, an dem laut Müller fünf weitere Stadtteile der Kreisstadt St. Wendel teilnehmen: Winterbach, Osterbrücken, Leitersweiler, Dörrenbach und Remmesweiler. „Die Ehrenamtlichen in dem Projekt helfen älteren Mitbürgern dabei, Waren im Internet zu bestellen“, erklärt Ortsvorsteher Müller. Die Waren würden online bestellt und dann eine Woche später in den Dorfladen geliefert. Die Heemer helfen den Senioren auch dabei, die Sachen heim zu tragen.

In der Corona-Krise biete man den Menschen auch an, zu ihnen nach Hause zu kommen und ihnen dort mit dem Online-Einkauf zu helfen. „In den kleineren Orten kennen sich die Leute und sie achten aufeinander. Das hilft uns, durch die Krise zu kommen.“ Angesichts der derzeitigen Lage regt Müller an, die Vorteile des Projekts Smart Village zu nutzen und verstärkt darauf zu setzen. Vor allem den älteren Menschen könne man so zusätzlich helfen. „Falls es in anderen Orten noch nicht so gemacht wird, kann ich nur anregen, den älteren Mitmenschen auch anzubieten, ihnen bei sich zu Hause mit den Online-Einkäufen zu helfen“, schlägt Müller vor.