Austausch mit Liebe und Herz

St. Wendel. Erfahren, wie Pflegeberufe in Deutschland aussehen und in ihnen Praxis sammeln, ist zurzeit für zwölf französische Schülerinnen in St. Wendel möglich. Bereits zum dritten Mal kommen Schüler des Lycée Professionnel Marie Curie in Freyming-Merlebach, Lothringen zum Schüleraustausch mit der Dr.-Walter-Bruch-Schule St. Wendel

St. Wendel. Erfahren, wie Pflegeberufe in Deutschland aussehen und in ihnen Praxis sammeln, ist zurzeit für zwölf französische Schülerinnen in St. Wendel möglich. Bereits zum dritten Mal kommen Schüler des Lycée Professionnel Marie Curie in Freyming-Merlebach, Lothringen zum Schüleraustausch mit der Dr.-Walter-Bruch-Schule St. Wendel. Der Austausch wird vom deutsch-französischen Sekretariat gefördert und ist für die Teilnehmer kostenfrei. Die Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren, die in ihrem zweiten Ausbildungsjahr im Bereich carrière sanitaires et sociales (sanitäre und soziale Laufbahn) sind, besuchen für drei Wochen das Saarland. Während ihrer Ausbildung in der Alten- und Behindertenpflege müssen sie zwei Praktika absolvieren. Bis zum 26. November sind sie eine Woche lang in der Sozialpflegeschule in St. Wendel und nehmen dort am Unterricht im Pflege- und Hauswirtschaftsbereich teil, um einen Einblick zu bekommen, wie Pflege in Deutschland funktioniert. Danach beginnt für die Schülerinnen ein zweiwöchiges Praktikum. In den Praktikumsbetrieben Bäckerei Gillen, Seniorenheim Hospital, Seniorenheim Missionshaus und in der Lebenshilfe lernen sie deutsche Arbeitsmethoden sowie technische Fachkenntnisse. Aber nicht nur alleine das Praktikum steht bei diesem Austausch im Vordergrund. Durch gemeinsames Kochen der französischen Gastschüler mit ihren deutschen Austauschpartnern lernen die Französinnen auch die kulinarischen Spezialitäten Deutschlands kennen. Sie erfahren, wie die deutschen Jugendlichen in ihrem Alter sind, welche Hobbys sie haben und welche Interessen. Außerdem besichtigen sie das St. Wendeler Land und waren auf einen Empfang bei Landrat Udo Recktenwald eingeladen. "Die Angst vor der Fremde fällt weg, und dadurch werden Vorurteile abgebaut", sagt Madeleine Marx, sie ist die Deutschlehrerin der französischen Schülerinnen und zusammen mit ihrer deutschen Kollegin Claudia Michaeli für den Austausch zuständig.Hemmschwelle überwinden "Das Verhältnis der Schüler untereinander ist sehr gut", berichtet Marx, zwar müsse zunächst immer eine kleine Hemmschwelle überwunden werden, aber die Lehrer wissen "wenn sie hinkommen, heulen sie, und wenn sie weggehen, heulen sie auch". Im Gegensatz zu anderen Austauschprogrammen wohnen die jungen Französinnen nicht in den Familien, sondern sind im Auberge Journal untergebracht. Dies nicht ohne Grund, denn es ist wichtig, dass die "Rahmenbedingungen stimmen", sagt Michaeli. Das Praktikum ist für die Schülerinnen ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung und darf daher nicht abgebrochen werden. Die Lehrer sorgen sich, dass Schüler abbrechen könnten, sollten sie sich in den Familien nicht wohlfühlen. Sprachliche Barrieren im Praktikumsalltag gibt es für die französischen Schüler kaum, denn einige leben zu Hause in Familien, in denen entweder die Eltern oder Großeltern noch ein wenig deutsch sprechen. Aber auch durch Gestik und Mimik können sie sich verständigen. "Wichtig sind Hilfe und Nähe Da sie im Pflegebereich arbeiten, ist die Kommunikation alleine nicht so wichtig", sagt Marx, wichtig sei die Hilfe für die Menschen und die Nähe. Diese zusammen erfülle den Austausch mit "Liebe und Herz". Die Jugendlichen haben ein gutes Verhältnis zu den älteren Menschen aufgebaut und diese freuen sich, dass sie den Austauschschülern bei sprachlichen Problemen helfen können, berichten die Lehrer.Nächstes Jahr im März gehen die deutschen Schüler der Sozialpflegeschule für drei Wochen nach Frankreich um dort ebenfalls ein Praktikum zu absolvieren und die Kenntnisse der französischen Sprache und Kultur zu erweitern.