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Primsrock: Streicheleinheiten für die Punkrock-Seele

Primsrock : Streicheleinheiten für die Punkrock-Seele

Beim Primsrock tobten acht Bands um die Wette. Mit dabei waren auch alte Bekannte aus der Nachbarschaft.

600 Fans feierten am Samstag bei der Primsrock-Hallenshow in der Primstaler Mehrzweckhalle eine lautstarke Party. Kurzfristig war die Punkrock-Hardcore-Fete wegen der unbeständigen Wetteraussichten vom Kirmesplatz auf ein überdachtes Parkett verlegt worden. „In der Kürze der Zeit haben wir das gut reingekriegt, und die Abläufe haben gepasst“, meinte Roland Rudloff, Geschäftsführer vom veranstaltenden Jugendhilfeträger Was geht ?!, zufrieden.

Dann nichts wie rein in den Untergrund der musikalischen Subkulturen. Acht Bands gab´s zum Tagespreis für 20 Euro zu sehen und zu hören. „Seid kreativ, trinkt ein paar Bier und tanzt zur Musik von Miozän“, riet deren Sänger Kuddel. Seit zwölf Monaten ist die Hardcoreband nach Auflösung und elfjähriger Funkstille wieder zurück. Zum Song „We will make the difference“ hüpfte Kuddel von der Bühne und schrie die Botschaft des Liedes mit ständig wechselnden Duettpartnern aus dem Publikum raus. Ältere Herren haben die Ruhe weg, lassen es langsamer, souveräner angehen – na ja, wohl eher nicht.

Aufgeregt bereiteten sich hinter der Bühne sechs in der Hardcore-Formation Hateclub temporär wieder vereinte lokale Exemplare auf den Einmal-Auftritt vor. „Ich bin richtig nervös, sonst bin ich es nie“, sagte Hateclub-Sänger Ozzy. Auch Gitarrist Schirra machte einen zappeligen Eindruck. Dreimal tappte er auf die Bühne, um einen einzigen Koffer hochzuschleppen. 2008 knallte der Hateclub das Bandbuch auf dem Primsrock-Open-Air zu – und nun tauchte die Kapelle wieder für eine Show auf. Eine Sirene heulte, Vorturner Ozzy schrie „Welcome to the Hateclub.“ Anhänger von früher, Altpunks oder Jungs mit Irokesen-Haarschnitt drängten schnell nach vorne, und sofort ging´s mit allen Körperteilen mittenrein ins Gewühl. Druckvoll ohne Ruhepause versendete der Hateclub seine Songs, dazu vollzog Bassist Strieme ästhetische Spagatsprünge, der Schreihals Ozzy riss sich das Shirt vom Leib. Für die letzten drei Kracher wurde Schirra von Piff an der Gitarre abgelöst, und seine Kumpels vom Primstaler Mofa-Klub grölten im Chor. Brachial befeuerte die Band mit den Songs „Child“ und „Say yes“ die wild und unkontrolliert tobende Menschenmenge. Schluss aus, der Hateclub macht abermals dicht. „Es war geil, es hat allen viel Spaß gemacht, auch uns“, sagte Ozzy.

Nach dem hammerharten Gebolze bewegte sich die US-Band Street Dogs aus Boston zwischen Punkrockhymnen und Folk zum Mitsingen. Vor 19 Jahren war Sänger Mike McColgan bei den Dropkick Murphys ausgestiegen und gründete vier Jahre später die „Straßenköter“. Der Auftritt von der US-Hardcoreband First Blood glich einem Bulldozer, der gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste durch „Killafornia“ rollte.

Die US-Band Street Dogs aus Boston hat den weiten Weg ins Saarland gefunden. Vom ihrem Gebretter kann Primstal jetzt ein Lied singen. Foto: Frank Faber
Eine echte Konstante in der deutschen Punkrockszene ist die Band Slime mit ihrem Seitenhieb gegen die Rechtspopulisten dieser Tage. Foto: Frank Faber

Die Songauswahl von Topact Slime ließ keinen Grund zur Klage. Mit druckvollem Punk in Richtung wütendem Midtempo-Hardcore spielten sich die Helden durch ihr Repertoire. Das Lied „Sie wollen wieder schießen dürfen“ richtet sich gegen die Rechtspopulisten im Lande: „Das ist das gelobte Land wo Milch und Honig fließt, aber nur so lange man jeden Eindringling erschießt.“ Hit auf Hit reihten die Hamburger Punker wie Nieten auf einem Armband aneinander: „Alle gegen alle“ oder „Schweineherbst“ und zu guter Letzt „Religion“. Feierabend. Verschwitzte, glückliche Gesichter schnappten danach draußen erst einmal frische Luft. „Die Stimmung war sehr gut“, jubelte Was geht ?!-Geschäftsführer Rudloff. Für die Slime-Show hatte er sich an Bonkasse ablösen lassen, um sich den Kick vor der Bühne abzuholen. Bei der Primsrock-Hallenfete waren weiter dabei: Sky of Calveria, Giulio Galaxy und The Anti Anti Superstar.