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Konzert: Slime ist Topact beim Primsrock-Open-Air

Konzert : Slime ist Topact beim Primsrock-Open-Air

Die 1979 gegründete Hamburger Punkband hat den Musikstil mit geprägt. Am Samstag tritt sie gegen 22.45 Uhr auf.

Ohne die spezifisch Hamburger Atmosphäre, Hafenstraße und Hausbesetzerszene der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre hätte es die Deutschpunkband Slime wohl nicht gegeben. Die Hansestadt stand seinerzeit für harten, kompromisslosen und politischen Deutschpunk.

1979 gegründet, gilt Slime heutzutage längst als eine Stil prägende Band, ohne die deutsche Punkmusik nicht denkbar wäre. Am Samstag, 2. September, ist die altgediente Punk-Kapelle der Topact beim Primsrock-Open-Air-Festival auf dem Kirmesplatz in der Primstaler Ortsmitte.

Während die späteren Kollegen von den Toten Hosen und Ärzten heute Superstar-Status genießen, Stadien füllen und im Geld schwimmen, sieht die Karriere von Slime aus wie eine Unfallstelle: menschliche Verletzungen, künstlerische Enttäuschungen und immer ein wenig zu wenig Geld.

Doch im Gegensatz zu den genannten, kommerziell erfolgreichen Gruppen besitzt die Band Slime seit ihrer Gründung bis zum vorläufigen Ende 1995 einen Untergrund-Status.

Mit Spaßpunk hatten sie nichts, mit politischem Kampf aber viel am Hut. Anfang der Achtziger wurde die Band mit ihren linken Parolen zum Symbol des Widerstands gegen Polizei, Staat und Gesellschaft. Mehrere Lieder, insbesondere das 1980 veröffentlichte „Wir wollen keine Bullenschweine“ (Bullenschweine) waren Gegenstand von Ermittlungsverfahren. Nach der Auflösung 1984 kam es Anfang der 1990er-Jahre unter dem Eindruck ausländerfeindlicher Pogrome zu einer Wiedervereinigung, die jedoch nur für zwei Alben bestand. Erst zu dieser Zeit hatte die Band kommerziellen Erfolg.

Nach einer Pause von 15 Jahren vereinte sich die Gruppe im Jahre 2009 erneut, 30 Jahre nach dem Datum der Erstgründung, und veröffentlichte 2012 ein neues Album. Seitdem ist die Band wieder aktiv und der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) ein Dorn im Auge. Slime sei linksextrem, so die AfD. Mit 98 zu fünf Stimmen lehnte die Hamburger Bürgerschaft im April 2016 einen Antrag der AfD-Fraktion ab, einen Auftritt der Punkband beim Hafengeburtstag am 8. Mai zu verbieten. Im Song „Sie wollen wieder schießen dürfen“ beschäftigte sich die Band später mit der AfD und anderen rechtspopulistischen Organisationen.

Neben Slime sind sieben weitere lautstarke Formationen beim Primsrock am Start. Harte Breaks, eine schwere Gitarre und krasse Backgrounds: Die US-Band First Blood aus San Francisco spielt Hardcore-Punk mit Metal-Anleihen, deren Songs mit Dampf und Wut daherkommen. Anfang Juli haben die Musiker ihren Auftritt beim Reality-Bites-Festival in Losheim abgesagt. Die Bostoner Punkband Streetdogs bietet derbe Mitgrölnummern und Schunkelparts.

Eigens für die einmalige Primsrock-Show hat sich die Hochwald-Hardcore-Formation Hateclub fitgemacht (wir berichteten). Den Anfang der Fete gestalten Miozän (war schon im Jahre 2000 dabei), The Anti Anti Supergroup, Giulio Galaxis und Sky of Calvaria.

Veranstaltet wird das Primsrock-Festival wieder von seinen Erschaffern des freien Jugendhilfeträgers Was geht ?!, der seit 20 Jahren in den Gemeinden Nonnweiler, Marpingen und Nohfelden außerschulische, offene Jugendarbeit vorantreibt. Als eine der wichtigsten Jugendkulturveranstaltungen von Was Geht?! findet das Festival in diesem Jahr wieder in enger Kooperation mit den Jugendclubs der Gemeinden statt und bleibt somit seinem Selbstverständnis der Eigeninitiative treu.