Wachsames Auge auf die Stadtbäume

Wachsames Auge auf die Stadtbäume

Neunkirchen. Die 24 festlichen Nadelbäume, mit denen der Betriebshof das Neunkircher Stadtbild wie üblich weihnachtlich geschmückt hat, hat er natürlich nicht mitgezählt - aber insgesamt, so schätzt Benjamin Olsowski im Gespräch mit der SZ, gibt es wohl 7500 Bäume im bebauten Gebiet der Stadt

Neunkirchen. Die 24 festlichen Nadelbäume, mit denen der Betriebshof das Neunkircher Stadtbild wie üblich weihnachtlich geschmückt hat, hat er natürlich nicht mitgezählt - aber insgesamt, so schätzt Benjamin Olsowski im Gespräch mit der SZ, gibt es wohl 7500 Bäume im bebauten Gebiet der Stadt. Genau 6505 von ihnen hat er mittlerweile eine Art "Personalausweis" verpasst - mit Nummer, Standort, Baumart und Vitalität. Das Ganze nennt sich Baum-Kataster, an ihm arbeitet der Forsttechniker seit er 2006 beim Zentralen Betriebshof der Stadt Neunkirchen angeheuert hat. Grundlage dafür sind "digitale Luftbilder mit Flurkarten-Überlagerung". Rund 1000 Bäume sind bisher noch nicht "individuell", sondern als Fläche erfasst, das heißt zum Beispiel als komplette Parkanlagen oder auch als Gruppen von drei, vier Bäumen wie sie beispielsweise in Parks, auf Friedhöfen, Schulhöfen oder Spielplätzen stehen.Wichtiger als die Einzelerfassung ist nach Olsowskis Worten ohnehin die Kontrolle der Gehölze im Rahmen der so genannten Verkehrssicherung. Im Schnitt zwei Mal pro Jahr inspiziert der städtische Baum-Experte seine "Pappenheimer". Wo als Folge des strengen Winters Schnee- und Eisbruch drohen, kommen derzeit auch Sonderkontrollfahrten hinzu. Auch Firmen werden bei bei Erdarbeiten in der Nähe von Bäumen kontrolliert, beispielsweise darauf hin, ob Wurzeln oder Äste beschädigt wurden. Der Forsttechniker holt sich das Rüstzeug dazu bei sechs bis acht Fortbildungen pro Jahr. "Ein Baum ist ein Lebewesen, das ist, wie wenn man einen Menschen beurteilen muss", so der 29-Jährige.

Zunächst einmal geht es um eine Sichtkontrolle auf Schadsymptome hin. Gibt dies Anlass zu Besorgnis, folgen weitere Maßnahmen - wie Anbohren des Stammes, um den Widerstand des Holzes zu messen und Inspektion des Kronenbereiches per Hubsteiger. Eine dann verordnete Therapie ist beispielsweise "Gewicht reduzieren" durch einen Rückschnitt. Schlimmstenfalls droht dem hölzernen Patienten mangels Standsicherheit die Fällung.

"Der Klimawandel macht sich auch bei den Baumkrankheiten bemerkbar", hat Olsowski festgestellt. Beispielsweise träten vermehrt aggressive Pilze auf. Die Neunkircher Straßenbäume seien noch zu 28 Prozent gesund, so der Befund Olsowskis, knapp zwei Drittel seien leicht geschädigt, sechs Prozent stark geschädigt, ein Prozent bereits absterbend. Für Stadtbäume sei es halt generell problematisch, dass beengter Wurzelraum, hohe Salzbelastung sowie Luftverschmutzung der Vitalität zusetzten. Wobei diese Einschränkung der Lebenskraft aber nichts über die Standsicherheit aussage.

Für Informationen und Hinweise ist Benjamin Olsowski unter Tel. (06821) 202 675 sowie (0173) 6 76 35 87 oder unter E-Mail benjamin.olsowski@neunkirchen.de zu erreichen.

Auf einen Blick

Mehr als die Hälfte der 7500 stadteigenen Bäume, nämlich rund 3900, stehen an 365 Neunkircher Straßen. Baumreichste Straße ist dabei die Lindenallee (321 Bäume), gefolgt von Königsbahnstraße (257) und Fernstraße (148). Die größten Baumansammlungen in der Stadt gibt es auf dem Friedhof Scheib mit 838 und auf dem Zentralfriedhof Furpach mit 673 Gehölzen. 22 Bäume im Stadtbegiet sind als Naturdenkmäler eingestuft. Die ältesten Baumbestände sind mit etwa 120 Jahren die großen Platanen in der Rombachstraße (bei Möbel Martin) sowie die alten Eschen im Furpacher Gutspark. gth