Das Naturschutz-Projekt kann losgehen

Das Naturschutz-Projekt kann losgehen

Die ersten 30 von insgesamt 260 Hektar Bergbauflächen kaufte der Zweckverband LIK-Nord jetzt der RAG ab. Damit tritt das bundesweit einmalige Naturschutzgroßprojekt in die Realisierungsphase ein.

Frei nach Armin König werden die dritten die Ersten sein. Wurde ihm als aktuellem Verbandsvorsteher der "Landschaft der Industriekultur Nord" (LIK.NORD) doch "die Ehre" zuteil, den ersten Kaufvertrag für das Bundes-Naturschutzgroßprojekt zu unterzeichnen "Damit steigen wir endlich in die operative Phase ein", strahlte König: "Das war meinen Vorgängern nicht vergönnt."

Nach anderthalb Jahren der Verhandlung wechselten mit Königs Unterschrift nun 30 Hektar landwirtschaftlich genutzte Bergbaufläche im Schiffweiler Rathaus den Besitzer. "Als Immobilientochter der RAG sorgen wir an zahlreichen Standorten an Ruhr und Saar für nachhaltige Folgenutzungen auf ehemaligen Bergbauflächen", erklärte Rudolf Krumm, Repräsentant der RAG Montan Immobilien GmbH: "Wir freuen uns, bei diesem einmaligen Großprojekt mitzuwirken und damit einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz leisten zu können.""Der Weg hierher war nicht einfach", erinnerte Hausherr Markus Fuchs. Eine geänderte Mittelbereitstellung des Bundes hatte die Genehmigung der Umsetzung verzögert. Mehrfach mussten der Finanzierungsplan umgeschrieben, die geplanten Maßnahmen angepasst werden. "Die Räte und Bürgermeister wurden schon unruhig." Gilt es doch für die Verbandsmitglieder Friedrichsthal, Illingen, Merchweiler, Neunkirchen, Quierschied, Schiffweiler und dem dieses Jahr dazugestoßenen Landkreis Neunkirchen, in ihren Haushalten "auf lange Sicht Mittel bereitzustellen" - insgesamt "eine gute Million Euro". Zehn Millionen Euro fließen noch vom Bund sowie 1,9 Millionen vom Land, für die eine verbindliche Zusage vom Finanzminister vorliegt. Insgesamt will der Zweckverband in den kommenden zwei bis drei Jahren zirka 260 Hektar Fläche von der RAG übernehmen, häppchenweise in mehreren Teilpaketen. Wie Zweckverbands-Geschäftsführer Detlef Reinhard informierte, gehören dazu auch "spannende Flächen" wie alte Industriestandorte, Bergehalden oder Absinkweiher, "die gefahrenrechtlich nicht so einfach zu handhaben sind wie ein Acker". Eine der ersten Maßnahmen betrifft den Neunkircher Hüttenpark. Dessen einzigartige Schmetterlingsfauna ist durch Sukzession der wertvollen nährstoffarmen Wiesen akut gefährdet. 40 Personen in Beschäftigungsprogrammen werden die Pioniergehölze entfernen und der Fläche ihren Parkcharakter zurückgeben. In Schiffweiler laufen derweil Gespräche mit Landwirten an, um sie für extensive Bewirtschaftung zu gewinnen. "Wir wollen uns großflächig von artenarmen Ackerbauflächen verabschieden", stellte Reinhard als eines von vielen Zielen in den Raum. Zu diesen gehört auch die Renaturierung von zwei Gewässersystemen in der Gemeinde, auch sollen Auwälder wieder hergestellt werden. In Illingen wiederum liegt ein Augenmerk auf der Erhaltung alter Haustierrassen, wofür man Flächen zur Verfügung stellen will. "Wir haben 12 Jahre Zeit", betonte der Geschäftsführer. "Und die werden wir auch brauchen."