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Peter Lehnert wird Nalbacher Bürgermeister

Peter Lehnert jubelt: 65 Stimmen mehr machen ihn zum Nalbacher Bürgermeister. Foto: Thomas Seeber
Peter Lehnert jubelt: 65 Stimmen mehr machen ihn zum Nalbacher Bürgermeister. Foto: Thomas Seeber
Nalbach. 65 Stimmen mehr haben aus Einzelbewerber Peter Lehnert gestern den neuen Bürgermeister der Gemeinde Nalbach gemacht. Als erste Maßnahme will er einen Kassensturz in der Gemeinde vornehmen. Von SZ-Redakteurin Sophia Schülke

Nalbach. Gemunkelt wurde es gestern schon eine Weile in der Litermonthalle, bevor das Ergebnis der Bürgermeisterwahl überhaupt offiziell war. Rund 200 Bürger haben gespannt gewartet. Knapp soll das Ergebnis gewesen sein. Dass Peter Lehnert im Ortsteil Nalbach gewinnt, war klar. Genauso, dass Hans Conrad sich die Mehrheit der Stimmen in Piesbach sichert. Jemand hat gehört, es seien nur 65 Stimmen Vorsprung. Man fragt sich nur, wo die knapp tausend CDU-Wähler ihr Kreuz gemacht haben könnten. Als Hans Conrad dann auf Peter Lehnert zugeht und bei einem Händeschütteln "Glückwunsch" sagt, ist alles klar.Einzelbewerber Peter Lehnert hat die Bürgermeisterwahl mit 50,71 Prozent in der Stichwahl gewonnen. Erleichtert sind sie beide. Doch während Hans Conrad die Enttäuschung nicht verbergen kann, wird Peter Lehnert umarmt und telefoniert mit seiner Tochter.


Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl gestern lag mit 60 Prozent etwa zwei Prozent unter der Beteiligung von 62 Prozent vor zwei Wochen. In dem ersten Wahlgang hatte Peter Lehnert 37 Prozent der Stimmen geholt, Hans Conrad hatte mit 43 Prozent einen Vorsprung. "Stark gewählt bin ich nicht, aber für einen freien Bewerber ist das ein super Ergebnis", sagt Lehnert gestern nach der offiziellen Bekanntgabe der Zahlen.

Lehnert glaubt, dass die SPD im Wahlkampf einige Fehler gemacht hat: "Es gab innerhalb der SPD noch andere Kandidaten und dass sie einem Quereinsteiger wie mir die berufliche Weiterqualifikation für die Verwaltung abgesprochen haben, hat sich für die Sozialdemokraten zu einem Bumerang entwickelt." Der Nalbacher glaubt, dass die Wähler vor allem für eine neue Politik gestimmt haben, weniger pro Lehnert oder contra Conrad.



"Klar ist es schöner zu gewinnen, und wenn es so knapp ist, ist man natürlich enttäuscht", sagt Hans Conrad. Dass der größte Ortsteil Nalbach den Ausschlag gegeben hat, müsse er akzeptieren. Mit den Freunden trotzdem anstoßen und eine Nacht drüber schlafen ist für ihn jetzt erstmal angesagt. "Das Hauptamt in Saarwellingen mache ich weiter und mit der SPD werden wir weiter in der Gemeinde mitarbeiten", erklärt Conrad.

Vor allem anderen soll für Lehnert erst mal der angekündigte Kassensturz kommen. Als Grundsätze für seine Amtszeit hat er sich vorgenommen, nicht in große Projekte zu investieren und das Know-how der Leute im Ort zu nutzen. Von den Vereinen erwartet er, dass sie mehr zusammenwachsen. Außerdem will Lehnert die Gemeinde genau unter die Lupe nehmen, ein Kompetenzteam zu seiner Unterstützung habe er schon. "Gemeinsam werden wir, wie in einem Unternehmen, die laufenden Projekte nachkalkulieren", kündigt er an. In diesem Sinne steht auch sein Vorhaben, sich vier Wochen lang die Institutionen der Gemeinde anzuschauen und auch in einigen mitzuarbeiten. "Ich will wissen, wie das alles genau funktioniert und lernen, denn unser Personal ist gut." Tipps für die Verwaltungs- und Gemeindearbeit will er sich auch von anderen Bürgermeistern in Deutschland holen.

Beim Sparen will er Vorbild sein: "Der Zehnt ist mein Ernst", sagt Lehnert in Anlehnung an sein Wahlkampfversprechen, ein Zehntel seines künftigen Gehaltes für Projekte in der Gemeinde zu spenden. Lehnert hatte Wähler über einige Punkte seines Wahlprogrammes abstimmen lassen. 150 hätten mitgemacht, viele hätten sich für Ausgaben sparen und Steuern senken ausgesprochen.

Wann er sein Amt antreten wird, wusste der neue Bürgermeister gestern Abend noch nicht.

Meinung

Nicht weiter in Schweigen hüllen

Von SZ-RedakteurinSophia Schülke

Schade, dass gestern verborgen blieb, was rund 3000 Nalbacher für die nahe Zukunft ihrer Gemeinde wollen. 2330 haben sich für Peter Lehnert entschieden, 2265 wollten, dass Hans Conrad der neue Bürgermeister wird. Zwei verschiedene Meinungen, die per Stimmzettel geäußert wurden. Die anderen rund 3000 Wahlberechtigten aber haben sich in Schweigen gehüllt. War keiner von beiden aus ihrer Sicht wählbar? Oder denken sie, dass es politisch sowieso nicht viel Unterschied machen kann, wer im Rathaus ihrer Gemeinde sitzt.

Was auch gestern der Grund für ihre Enthaltung war, hoffentlich arbeiten sie in ihrer Gemeinde trotzdem mit und bringen sich ein.

Peter Lehnert jubelt: 65 Stimmen mehr machen ihn zum Nalbacher Bürgermeister. Foto: Thomas Seeber
Peter Lehnert jubelt: 65 Stimmen mehr machen ihn zum Nalbacher Bürgermeister. Foto: Thomas Seeber