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Tomaten, Blaubeeren und kein Palaver

Zu Gast auch die italienische Abgeordnete Laura Garavini.
Zu Gast auch die italienische Abgeordnete Laura Garavini.
Saarlouis. Die Welt im Kleinen, wie man sich die Welt im Großen wünscht, so fasst Landrat Patrik Lauer den Reiz der Saaranlage der Saarlouiser Kleingärtner zusammen. Die feierten den 80. Geburtstag ihrer Gründung. Johannes Werres

Es hat schon was, wenn eine italienische Parlamentarierin in einer deutschen Kleingartenanlage steht, sich sichtlich wohlfühlt und dann so nebenbei das Geheimnis des internationalen Miteinanders der Kleingärtner benennen kann: Seit in den 50er Jahren die ersten Italiener als Arbeiter in die Bundesrepublik kamen, wurden sie Mitglied dieses Vereins, und seitdem "pflanzen sie ihre Tomaten , wie sie es zuhause auf dem Land kannten, und daneben pflanzen die Deutschen ihre Blaubeeren." So erklärte es am Freitagabend Laura Garavini, eines der Mitglieder des italienischen Parlamentes, die eigens von den Auslands-Italienern gewählt werden, beim 80. Geburtstag des Kleingärtnervereins - Saaranlage - Saarlouis . Garavini bezeichnete die Anlage ausdrücklich als "Ort der Integration", aus der Freundschaft geworden sei.



Tatsächlich gelte hier jeder als Mensch gleichermaßen, "egal wo er geboren wurde", befand auch Umweltminister Reinhold Jost , "ohne Palaver". Er erinnerte an die Ursprünge der Kleingärten, die gerade in Notzeiten Menschen eine "Nothilfe" für die Ernährung möglich machten, die über sonst kein Land verfügten. Heutzutage kehre die Lust am Pflanzen in der Stadt als "Urban Gardening" zurück. Die Saaranlage bezeichnete Jost als "Schmuckstück" für die Stadt Saarlouis .

Das sah auch Landrat Patrik Lauer ("einer der schönsten Plätze in Saarlouis ") so. Dieser Kleingärtnerverein sei gerade mit Blick auf Toleranz "eine kleine Welt, die man sich auch im Großen wünscht", eine Welt, die entstehe, wenn Menschen zusammenhalten."

Die Gärtner blieben beim Geburtstag nicht unter sich. Männerchor Hülzweiler und Spielmanns- und Fanfarenzug Neuforweiler brachten Ständchen, der Nachbar, Club Bocce 77, schaute auch vorbei.

Der Kleingärtnerverein Saarlouis mit seinen 50 Parzellen in der "Saaranlage" kurz vor der Peter-Neis-Brücke hat derzeit rund 150 Mitglieder. Bislang teilen sie sich auf in etwa ein Drittel Deutsche, ein Drittel Italiener und ein Drittel unterschiedlicher Herkunft, vor allem Russlanddeutsche . Die dritte Gruppe wächst, so gehören mittlerweile auch Syrer dazu. Kleingärtnervereine sind bekannt dafür, viele Nationalitäten in ihren Reihen zu haben. Die ziemlich deutsche Ordnung scheint das nicht zu behindern. Und diese Ordnung gibt es, wie nicht bloß der erste Blick auf die Anlage offenbart. Sie äußert sich auch in Sätzen wie diesem aus der Feder des Vorsitzenden Robert Lamboley zum "Bundeskleingartengesetz ": "Eine starke gesellschaftliche Stellung erfährt das Kleingartenwesen durch die straffe bundesweite Organisation."



Meinung:

Schönes Zeichen

Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Heile Welt ist das auch nicht beim Kleingärtnerverein. Kein Verein ist heile Welt. Aber die Kleingärtner machen doch vor, dass mitten in bewegten Zeiten das friedliche Zusammensein der Normalzustand sein kann. Was kann man von ihnen lernen? Es geht friedlich zu, wenn sich jeder um sein Stückchen Erde kümmert und anbaut, was ihm schmeckt. Wenn jeder das dem anderen auch zugesteht und jeder die Grenze zum Nachbarn achtet und dessen Bedürfnisse wie die eigenen respektiert. Und wenn man sich einig ist, dass gemeinsame Interessen gemeinsam vertreten werden. Friedliches - bei Gärtnern könnte man das alte Wort benutzen: gedeihliches - Zusammenleben ist keine Utopie im Nirgendwo, sondern Ergebnis gemeinsamer Anstrengung hier. Ein schönes Zeichen, besonders für die Jungen und Mädchen, die ihren Weg ins Leben weitergehen, wenn heute die Schule wieder beginnt.

Der Vorstand des Kleingärtnervereins Saarlouis mit Vorsitzendem Robert Lamboley (rechts) in der Saaranlage. Fotos: Hartmann Jenal
Der Vorstand des Kleingärtnervereins Saarlouis mit Vorsitzendem Robert Lamboley (rechts) in der Saaranlage. Fotos: Hartmann Jenal