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Von Schiefertafeln und Schlagstöcken

Saarlouis. Die Ferien sind zu Ende. Am Montag heißt es für 90 000 Kinder und Jugendliche im Saarland wieder: ab in die Schule. Und welche Erinnerungen haben Erwachsene an Lehrer, Tests und Unterricht? Die SZ hat nachgefragt. Axel Künkeler

Für Hans Scholtes liegt die Schulzeit bereits Jahrzehnte zurück. Der 86-Jährige aus Saarlouis hat "kaum noch Erinnerungen" daran. Doch manche Erlebnisse kann er bis heute nicht vergessen. Dazu zählt etwa der morgendliche Hitler-Gruß, der während seiner Grundschulzeit Pflicht war. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde er nach Thüringen evakuiert und besuchte dort die Schule. "Das erste bis vierte und das fünfte bis achte Schuljahr waren zu einer Klasse zusammen gefasst", weiß er noch. Und der Schuljahreswechsel sei damals im März gewesen.


"Ich kann mich noch sehr gut an meine Schulzeit erinnern", sagt hingegen Katharina Zwetsch aus Beaumarais. Für sie begann die Schule in der Nachkriegszeit. Es sei eine "schlechte Zeit mit Hungersnöten" gewesen, ihre Kindheit fand sie "trotzdem schön". Mit der Schule verbindet Zwetsch vor allem die Kleiderordnung. Für die Mädels sei eine Trägerschürze Pflicht gewesen, die Buben seien in kurzer Hose, Kniestrümpfen und hohen Schuhen gekommen. Die Lehrerin ("im Faltenrock") hat die 77-Jährige als sehr streng in Erinnerung. Sie habe oft Hiebe mit dem Rohrstock verteilt. Zwetsche weiß sogar noch, wie es in ihrem Schulranzen aussah. Darin steckte die Schiefertafel, heraus baumelte das "nasse Schwämmchen und alles, was man sonst noch brauchte", berichtet sie.

Sandra Schuler aus Merchingen hatte "sehr liebe Lehrer". Zwar habe es zu ihrer Schulzeit noch den Rohrstock gegeben, benutzt hätten die Lehrer ihn aber nicht mehr, erzählt die 46-Jährige. Sie weiß auch noch, dass sie mit Kreide auf eine Tafel geschrieben hat. Das war "schöner als bei den Kindern heute".



Claude Ruffenach aus Forbach "war froh in der Schule". Der 59-Jährige hat in Frankreich die École Primaire besucht, vergleichbar der deutschen Grund- und Hauptschule. Heute bedauert er, dass er nicht länger zur Schule, sondern mit 15 Jahren in die Lehre ging. "Ab und zu ein bisschen" mit dem Stock geschlagen und an den Ohren gezogen wurde zwar noch, erzählt Ruffenach, aber trotzdem war die Schule "eine schöne Zeit".

In Italien hat Maria Lauretta die ersten Schuljahre verbracht. Als sie mit ihren Eltern nach Deutschland kam, ging sie zunächst auf die Hauptschule in Nalbach, später auf die Handelsschule in Dillingen. "Es war immer eine schöne, eine tolle Zeit", sagt sie rückblickend. Die Namen des Klassenlehrers ("Herr Wolf") und weiterer Lehrer an der Nalbacher Litermont-Schule hat sie in besonders guter Erinnerung. Auch an die Abschlussfeier der Hauptschule, bei der sie einen italienischen Volkstanz einstudierte, denkt sie gerne zurück.

"Eher mühsam" war dagegen die Schulzeit für den Nalbacher Jürgen Dräger. Der 57-Jährige litt an einer Rechtschreibschwäche und dafür "war das Schulsystem damals nicht ausgelegt." Bei 36 Schülern in einer Klasse hätten die Lehrer keine Zeit gehabt, sich um jeden einzelnen zu kümmern. "Da liefen die Kinder einfach so mit", erinnert sich Dräger, der heute als Professor an der Fachhochschule Stralsund Messtechnik und Messverfahren in der Medizin lehrt.

Erinnerungen sowohl als Lehrer wie als Schüler hat der 69-jährige Gerold Fischer. Er sei gerne in die Schule gegangen, habe sich immer gefreut, wenn es wieder losging. Später als Lehrer war dagegen der Schulanfang "immer eine besondere Situation". Von 1974 bis 1997 war er als Lehrer und die letzten fünf Jahre als stellvertretender Schulleiter am Stadtgarten Gymnasium in Saarlouis , später als Schulleiter in Völklingen tätig. Da habe man schon zwei Wochen vor Schulbeginn alles vorbereiten müssen. Und die ersten Wochen im neuen Schuljahr waren stets eine "spannende Zeit", weil man sich immer wieder auf neue Schüler einstellen musste.