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| 20:52 Uhr

Am Anfang standen noch die Ledereimer

Saarlouis. Der Kreisfeuerwehrverband Saarlouis feiert an diesem Wochenende seinen 83. Feuerwehrtag in Wadgassen. Die Anfänge des Verbandes lagen im 19. Jahrhundert, die erste Gründung erfolgte 1884. Wolfgang Herrmann legt pünktlich zum Feuerwehrtag den ersten Band einer Chronik vor. Johannes A. Bodwing

Feuerwehr im 19. Jahrhundert war ein abenteuerliches Unterfangen. Schläuche passten nicht zusammen, bei Einsätzen wurden Feuerwehrleute behindert, und der Einsatz erfolgte oftmals mit Ledereimern, Feuerhaken und Holzleitern. Doch in dieser Zeit wurde auch um den Aufbau schlagkräftiger Wehren gerungen. Dazu gehörte ein Feuerwehrverband auf Kreisebene als Interessenvertreter der Mitglieder. Dessen Geschichte hat Wolfgang Herrmann zusammengetragen, ehemals Wehrführer der Saarlouiser Feuerwehr.

Im 19. Jahrhundert boomten Feuerversicherungen. Stattliche Zahlungen im Brandfall führten bei manchen Eigentümern zu der Einstellung "Lass mal brennen, die Versicherung bezahlt ja!". Notfalls wurden Feuerwehrleute im Einsatz behindert, bedroht oder angegriffen. Unter diesen Bedingungen sowie vielfacher Feuerwehrpflicht entstand 1884 der Kreisfeuerwehrverband Saarlouis . Am 7. September wurden in Saarlouis Gründung und Satzung beschlossen.

Zwölf Wehren erklärten damals ihren Beitritt zum "Verband der freiwilligen Feuerwehren des Kreises Saarlouis ". Das waren Bous, Dillingen, Ensdorf, Griesborn, Hülzweiler, Lebach, Lisdorf, Nalbach, Roden, Saarlouis , Saarwellingen und Schwalbach. Am 19. Juli 1885 folgte der erste ordentliche Kreis-Feuerwehrverbandstag. Dabei zogen etwa 1000 Feuerwehrleute aus nun 16 Wehren unter den Klängen von Musikkapellen durch Saarlouis . 1930 gehörten knapp 70 Wehren mit rund 3000 Mitgliedern zum Verband. Diese Wehren entsprachen etwa den heutigen Löschbezirken. Die bilden nun die "13 Wehren der Städte und Gemeinden", sagte Herrmann.

"Die ersten 25 Jahre sind besonders interessant, weil sie in ganz Preußen den Übergang von einem Pflichtsystem zur Ehrenamtlichkeit darstellen." Dabei gab es noch eine Reihe von Missständen zu beseitigen. So war die nachbarschaftliche Löschhilfe problematisch. Denn fast jede Wehr hatte einen anderen Schlauchanschluss. "Darin hat sich der Kreis Saarlouis später preußenweit einen Namen gemacht", sagte Herrmann. Denn die hiesige Feuerwehr führte um 1900 die einheitliche Storz-Kupplung ein. "Aber alle Schläuche umzurüsten war wirtschaftlich nicht machbar. Zwei Saarlouiser Feuerwehrleute haben dann ein Zwischenstück erfunden." Die einheitliche Kupplung wurde in Deutschland erst 1936 vorgeschrieben.

Auch gab es lange keine zentrale Wasserversorgung. Für eine Feuerwehrübung 1892 am "Union Hotel" in Lebach mussten Jung und Alt eine 250 Meter lange Kette bilden. Mit Ledereimern schafften sie Wasser vom Reservoir an der Theelbrücke bis zur Handdruckspritze. Der Kreisfeuerwehrverband entwickelte Regelungen für eine flächendeckende und leistungsfähige Brandbekämpfung. Dazu gehörten die nachbarschaftliche Löschhilfe, einheitliche Uniformen und Abzeichen, Ausrüstung, Ausbildung sowie Führungsstrukturen.

1938 wurde der Kreisfeuerwehrverband durch die Reichslöschverordnung verboten. "In den Führungsebenen saßen dann Funktionäre, die ausführten, was von Berlin aus bestimmt wurde", sagte Herrmann. Erst seit 2004 gibt es wieder einen Kreisfeuerwehrverband Saarlouis . In den Löschbezirken dieser 13 Wehren tun rund 2000 Feuerwehrleute ihren ehrenamtlichen Dienst, darunter 170 Frauen.