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Sondersitzung zu Störfällen
Technikvorstand entschuldigt sich

Zur Sondersitzung des Saarlouiser Stadtrates in der Kulturhalle in Roden zu den jüngsten Ereignissen rund um die ROGESA sind rund 200 Besucher erschienen.
Zur Sondersitzung des Saarlouiser Stadtrates in der Kulturhalle in Roden zu den jüngsten Ereignissen rund um die ROGESA sind rund 200 Besucher erschienen. FOTO: Thomas Seeber
Roden. Rund 200 Besucher verfolgten gestern Abend die Sondersitzung des Saarlouiser Stadtrats zu den Störfällen bei der ROGESA auf dem Dillinger Hüttengelände. Von Mathias Winters

Der besondere Sitzungssaal war voll besetzt. Rund 200 Besucher waren am gestrigen Donnerstagabend in die Kulturhalle Roden gekommen. Dringlichkeits- oder auch Sondersitzung des Saarlouiser Stadtrats: Es galt auf Antrag von CDU und Grünen nachzuholen, was im ersten Anlauf im Ratssaal nicht ganz geglückt war. Vertreter von Dillinger, des Landesamts für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) sowie des Umweltministeriums sollten darüber informieren, was bei zwei Störfällen am und um den Hochofen 4 der ROGESA auf dem Hüttengelände im August und im September passiert ist und welche Auswirkungen die Ereignisse hatten.


Eine erste Information im Stadtrat hatte vor allem deshalb zu Verunsicherung geführt, weil Bernd Münnich, Technikvorstand von Dillinger, zur Darstellung von Messergebnissen auf das LUA verwiesen hatte. Dieses habe die richtigen Ergebnisse, die Hütte habe sie nicht. Als dann das Amt in einer Stellungnahme auf die Notwendigkeit eines Abgleichs mit Messungen der Dillinger verwies, waren Ärger und Verunsicherung gleichermaßen groß, und die Forderung nach dieser Sitzung kam auf.

Zu deren Beginn sagt Oberbürgermeister Peter Demmer: „Das ist eine ganz normale Stadtratssitzung.“ Nicht dass er nicht um die Bedeutung gewusst hätte, aber er wollte sicherstellen, dass die Geschäftsordnung des Rates eingehalten würde. Das hieß: Nach der Bürgerfragestunde würde es keine weiteren Fragen oder gar Stellungnahmen der Besucher mehr geben, und es würden nur Saarlouiser fragen dürfen – einen Dillinger Bürger verwies er folgerichtig dann auch auf eine etwaige Informationssitzung im Stadtrat der Hüttenstadt.



Die Bürgerfragen waren unter anderem diese: Wo hat es Störungen gegeben? Wie sieht es mit Feinstaub aus? Müssen wir uns um unsere Kinder Sorgen machen? Wie gefährlich sind Rußpartikel mit Metallspänen darin? Keine Frage, dass danach der Stadtrat einstimmig wie erforderlich die Dringlichkeit der Sitzung feststellte.

Um die wusste auch Münnich, der sehr ausführlich die Vorgänge erklärte. Doch er wollte etwas voranstellen: „Erstmal möchte ich mich entschuldigen – für die Vorfälle und auch dafür, dass wir nicht so informiert haben, wie das viele von uns erwartet haben.“ Er ging auf die Bürgerfragen ein, detailliert und ohne beim Publikum Unmut hervorzurufen. Offenkundig trauten die Gäste seinem Fazit: „Es bestand zu keinem Zeitpunkt Gefährdung der Menschen und Umwelt.“

Kein Widerspruch von LUA und Umweltministerium. Laut LUA-Vertreter Frank Schwan und Christian Quirin vom Ministerium sind den Verantwortlichen von Dillinger keine Vorwürfe zu machen, und es seien weder die Informationen an die Behörden noch die Abstimmung untereinander zu beanstanden.

Blieb vor allem die Auflösung des Problems, ob es in Sachen Messungen falsche Angaben gegeben hat. Münnich erklärte, dass Dillinger zwar messe, er aber aufs LUA verwiesen habe, „um unabhängige Ergebnisse zu verbreiten“. Was das Unternehmen herausgebe, könne ja als parteiisch gewertet werden.

Einen Disput gab es dann dennoch, weil der Grüne Hubert Ulrich trotz „Nullmessung von CO“ (Münnich) auf Angaben bestand, die dieser nicht machen konnte. Da rührte sich Unmut in den Besucherreihen gegen Ulrich, den dieser wiederum nicht nachvollziehen mochte. Vor allem aber war es, wie Marc Speicher lobte, „eine sehr sachliche Veranstaltung“.

Ruß über dem Dillinger Hüttengelände
Ruß über dem Dillinger Hüttengelände FOTO: Steil TV / Wolfgang Steil
Starke Rauchentwicklung in der vergangenen Woche
Starke Rauchentwicklung in der vergangenen Woche FOTO: Nicole Bastong