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Hütte
Dillinger Hochofen 4 ist ein Sorgenkind

Die starke Rauchentwicklung bei der Dillinger Hütte nach dem Störfall in der Nacht auf Donnerstag war weithin sichtbar.
Die starke Rauchentwicklung bei der Dillinger Hütte nach dem Störfall in der Nacht auf Donnerstag war weithin sichtbar. FOTO: Nicole Bastong
Dillingen. Schwarzer Rauch, ausgestoßen vom Hochofen 4 der ROGESA, war und ist auch in den Stadträten Dillingen und Saarlouis ein Thema. Von Nicole Bastong und Mathias Winters

Kurz nachdem der Stadtrat von Dillingen am Donnerstagabend seine Sitzung begonnen hatte, ging ein Tuscheln durch die Reihen, die Köpfe drehten sich Richtung Fenster: Unübersehbar quoll eine dichte, schwarze Rauchwolke über die Hüttenstadt. Der Ursprung war zuvor über die Medien angekündigt worden: Wieder ein Störfall am Hochofen 4. Nachdem in der Nacht zum Donnerstag ein explosionsartiger Knall Dillingen aufschreckt hatte, kam es dann im Zuge der Reparaturarbeiten bis Freitagmorgen zu starker Rauchentwicklung. Anwohnern „in naher Umgebung“ wurde unter anderem über das Radio empfohlen, Türen und Fenster geschlossen zu halten.


Auch wenn das Thema nicht auf der Tagesordnung stand, beschäftigte es dennoch den Rat. Bürgermeister Franz-Josef Berg verlas die tagesaktuellen Pressemitteilungen der ROGESA. Zwei Beschwerden seien zu dem Knall bei der Stadt eingegangen, berichtete er, beide seien gemäß der Absprache zur Hütte weitergeleitet worden. Berg ergänzte, weitere Informationen dazu habe die Stadt auch nicht. Die hätten einige Ratsmitglieder aber gerne gehabt: Zum Beispiel, was „in naher Umgebung“ bedeute, fragte Wolfgang Schumacher, Grüne, und warum die Anwohner nicht direkt informiert worden seien.

Er schlug vor, durch Vertreter der Hütte den Stadtrat Dillingen genauer informieren zu lassen. Wie die Stadt Dillingen am Freitagmittag mitteilte, soll dies auch erfolgen. Man habe bei Dillinger angefragt, einen Termin gebe es aber noch nicht.



Bei Dillinger selbst hatte es nach der Medieninformation am Donnerstag nur noch vereinzelte Anrufe beim Werksschutz gegeben, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die erneute Rauchentwicklung, nach der Störung in der Software-Steuerung Mitte August, sei auf eine „Schwankung bei den Rohstoffen“ zurückzuführen. Über das weitere Vorgehen wolle das Unternehmen noch informieren.

Von einer Serie von Störungen am Hochofen 4 könne man nicht sprechen, teilte Dillinger außerdem mit, die beiden Vorfälle stünden in keinem Zusammenhang, außer der zeitlichen Nähe. Der Hochofen 4 war erst 2016 für rund 150 Millionen Euro neuzugestellt worden, er ist der modernste bei Dillinger. Durch die Störungen sei dem Unternehmen bereits ein „erheblicher Ausfall“ entstanden.

Die Sprecherin des Unternehmens bestätigte, dass der Arbeitsschutz in Absprache mit dem Werksarzt am Donnerstag alle Frauen, die in unmittelbarer Nähe des Hochofens arbeiten, nach Hause geschickt hat. Das sei aber „reine Vorsorge“, betonte sie; möglicherweise könnten sich Schwangere unter ihnen befinden. „Es geht dabei um eine rein vorsorgliche Vermeidung der Aussetzung einer etwaig erhöhten CO-Emission“, heißt es; es seien aber keine erhöhten CO-Werte gemessen worden. Dass Frauen nach Hause geschickt worden sind, ist für Hubert Ulrich ein Hinweis darauf „dass es sich um ein schwerwiegendes Ereignis handelt“. So schreibt er es in einer Presseerklärung vom Freitagnachmittag. Nach dem Störfall im August und dem in der Nacht auf Donnerstag fordern die Saarlouiser Grünen, deren Vorsitzender Ulrich ist, eine Sondersitzung des Saarlouiser Stadtrats in der kommenden Woche. Hierzu sollten sowohl der Vorstand von Dillinger als auch das Landesamt für Arbeits- und Umweltschutz (LUA) „einberufen werden, um die Bevölkerung im Detail über die Schadensereignisse und ihre möglichen Gesundheitsauswirkungen zu informieren“.

Wie berichtet, hatte die Information von Technikvorstand Bernd Münnich die meisten Saarlouiser Stadtverordneten nicht zufrieden gestellt. Der hatte im Stadtrat über die Rußwolke vom August aufklären sollen, aber dabei in Teilen aufs LUA verwiesen. Ulrich betrachtet die Ausführungen von Dillinger als „Beschwichtigungstaktik“. Es seien viel zu wenige Proben genommen worden und auch nicht alle wichtigen potenziell gesundheitsgefährdenden Stoffe gemessen worden. „Vor diesem Hintergrund erwarten wir von Umweltminister Reinhold Jost, sich unverzüglich dieser Sache anzunehmen“, fügt Ulrich hinzu. Die Bevölkerung habe statt „kryptischer Erklärungen des Unternehmens endlich harte Fakten verdient“.