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Brücken-Pläne
Fraulauterner Brücke erregt die Gemüter

Im nahezu voll besetzten Vereinshaus Fraulautern stellte der Landesbetrieb für Straßenbau die vorläufige Planung vor.
Im nahezu voll besetzten Vereinshaus Fraulautern stellte der Landesbetrieb für Straßenbau die vorläufige Planung vor. FOTO: Johannes A. Bodwing
Fraulautern. Der Landesbetrieb für Straßenbau stellte in einer Infoveranstaltung die Planungen für die Erneuerung des Baus im Zentrum des Stadtteils vor – und erntete Kritik. Von Johannes Bodwing

„Das Zentrum von Fraulautern wird in dieser Bauphase zugrunde gehen“, befürchtete am Mittwochabend Helen Blaschke, Vorsitzende Ortsinteressengemeinschaft Handel, Handwerk und Gewerbe. Zuvor hatte der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) im Vereinshaus Fraulautern Überlegungen zum Neubau der zentralen Brücke vorgestellt. Gut zwei Stunden dauerte die Informationsveranstaltung mit etwa 360 Zuhörern.


Trotz des strittigen Themas ging es insgesamt ruhig zu. „Ich stehe mit dem Rücken zur Wand“, sagte mehrfach Werner Nauerz, stellvertretender LfS-Direktor. Denn die Brücke im Zentrum Fraulauterns hatte 2011 noch 3,4 als Zustandswert, 2017 war es 3,8. Bei 4 müsste sie gesperrt werden. Es gehe um abplatzenden Beton, was den Zugverkehr darunter gefährde. Und im Bauwerk rosteten die Spannstähle. Damit verliere die Brücke ihre Stabilität. Auch Abstützen, um Zeit zu gewinnen, gehe nicht, sagte Nau-
erz. „Unter der Brücke reicht der Abstand zu Oberleitungen der Bahn nicht aus.“ Die Zeit dränge, machten die vier Fachleute im Podium klar. Neben Nauerz waren das Carsten Chassard und Torsten Ebel vom LfS sowie Richard Baumert, Ingenieurbüro Brilon-Bondzio-Weiser in Bochum.

Besagte Brücke liegt wie ein nach rechts gekipptes Y etwa 400 Meter lang im Zentrum von Fraulautern. Rund 25  000 Fahrzeuge nutzen vor allem tagsüber diesen Knotenpunkt der B 405 und L 343. Darunter verläuft die Bahnstrecke Trier-Saarbrücken. Warum da nicht schon längst was gemacht wurde, wollte ein Bürger wissen. Werner Nauerz verwies auf den neuen Bundesverkehrswegeplan, der seit Ende 2016 in Kraft ist. „Vorher konnte ich nichts machen.“ Weshalb die Erneuerung nicht hinauszuzögern sei, bis der Ostring fertig ist, fragte Blaschke. Dann könne man anders planen. Nur wenn beide Anschlüsse komplett fertig wären, sagte Nauerz zu Ostring und B 51 bei Roden. Dann könne die B 405 zur Landstraße herabgestuft werden und die Stadt mit der Brücke machen, was sie wolle, auch abreißen. Hubert Ulrich, Grüne, meinte daraufhin: „Das wäre Schilda.“ Aber den Ostring erwartet Nauerz frühesten 2030, so lange könne er nicht warten. Zu den dortigen Verzögerungen erklärte der Stadt-Baubeigeordnete Günter Melchior, es fehle die Zusage des Bundesamtes für Immobilien, um Grundstücke auf dem ehemaligen Panzerübungsgelände zu bekommen. „Man scheitert am Bund.“



Als wesentliche Gründe für den schlechten Zustand nannten die vier Fachleute auf Nachfrage dieser Zeitung Kohlendioxid und Streusalz. „Der Beton war damals nur zwei Zentimeter dick aufgetragen, heute fünf“, sagte Chassard. Aber auch die Lebensdauer der 1954 erbauten Brücke sei eigentlich über die Zeit. Und die Belastungen waren für die 50er-Jahre ausgelegt. Der Neubau soll 2022 beginnen, Bauende wäre 2025, bei Vollsperrung für Fahrzeuge. Wegen Vorgaben der Bahn könne vieles nur nachts gemacht werden. Gegen Lärm soll eine mobile Lärmschutzwand helfen. Wege und Unterführungen werden barrierefrei angelegt. Später liegt die Fahrbahn 60 Zentimeter höher als heute. Etwa zehn Monate lang soll der Verkehr von Lebacher Straße und Saarbrücker Straße umgeleitet werden, voraussichtlich über Ulanenstraße – Schachtstraße – Jahnstraße.

Die Verkehrsprobleme betreffen nicht nur Fraulautern, wenn Autofahrer neue Wege suchen. Die sollen schon weit vor Fraulautern abgeleitet werden. Stündlich könnten es dann in Ensdorf bis zu 400 Fahrzeuge zusätzlich werden, schätzte Baumert. In der Lisdorfer Straße in Lisdorf etwa 450, an der A 8 bei Dillingen-Roden sowie in der Ortsdurchfahrt Roden um die 500 Fahrzeuge. Auch Vorsitzende des Saarlouiser Stadtrates meldeten sich zu Wort. Darunter Gabriel Mahren, Grüne, Hakan Gündüz, SPD, und Raphael Schäfer, CDU. Doch fehlte es an überzeugenden Alternativen. So bat Mahren, „wir wollen, dass Sie uns helfen“. Gündüz wollte Beziehungen nach Berlin spielen lassen, damit der Ostring vorankommt. „Da können sie das ganze Kabinett hier sitzen haben“, sagte Nauerz, „wir haben eine Brücke, und die muss erneuert werden.“ Schäfer war überzeugt, dass die Stadt Geld in die Hand nehmen könne, „um eine zweite Expertise einzunehmen“. Vielleicht bliebe ja doch noch Zeit für einen Neubau.

Alternativen aus dem Publikum waren ein Kreisel sowie ein Tunnel. Der Kreisel sei wegen Platzmangels und starken Verkehrsaufkommens dort nicht machbar, sagte ­Nauerz. Und es bliebe die Bahnquerung. Ein Tunnel wäre 800 Meter lang wegen des Abstandes zum Bahndamm. Eine der Zufahrten begänne bereits in Höhe des Vereinshauses. Der Erneuerungsbau wird auf insgesamt rund 15,2 Millionen Euro geschätzt. Davon etwa 12,3 Millionen Euro für das Bauwerk mit Stützmauern und Unterführungen.

Oben fließt der Verkehr auf der B 405 über die Fraulauterner Brücke, darunter verläuft die Bahnstrecke Trier-Saarbrücken – die Brücke ist ein massives und inzwischen marodes Bauwerk.
Oben fließt der Verkehr auf der B 405 über die Fraulauterner Brücke, darunter verläuft die Bahnstrecke Trier-Saarbrücken – die Brücke ist ein massives und inzwischen marodes Bauwerk. FOTO: Johannes A. Bodwing