Festungsführung in Saarlouis ist sehr gefragt

Großer Andrang : Festungsführung in Saarlouis stößt auf großes Interesse

Für maximal 30 Teilnehmer war die Festungsführung mit dem Saarlouiser Amtsleiter für Stadtplanung, Hochbau, Denkmalpflege und Umwelt, Diplom-Ingenieur Jürgen Baus, eigentlich gedacht. Doch zu den beiden Terminen, zu denen die Volkshochschule Saarlouis eingeladen hatte, kamen rund 150 Teilnehmer.

Nachdem die erste Führung mit knapp 110 Besuchern eine besondere Herausforderung dargestellt hatte, war die Gruppe beim zweiten Termin mit 40 Interessenten schon fast entspannt unterwegs.

Die hohe Besucherzahl wiederum ist ein Beleg dafür, dass die Sanierung und Rekonstruktion der Festung, die der Stadtplaner Baus seit 20 Jahren vorantreibt, großes Interesse in der Bevölkerung findet. Die meisten Besucher kamen aus Stadt und Landkreis Saarlouis, aber es waren auch Gäste aus der Region und sogar aus Luxemburg dabei. Die Führung startete auf der Aussichtsplattform der Bastion VI. Im Tonnengewölbe erläuterte Jürgen Baus anhand großflächiger Bilder die Entstehungsgeschichte und Funktionsweise der Festung mit ihren einzelnen Bauwerken wie Bastionen, Ravelins und Lünetten. Mit Hilfe moderner Technik kann der Besucher hier auch einen Blick in die Zukunft werfen. Eine Animation verdeutlicht, wie die fertige Rekonstruktion des „Ravelin V“ aussehen wird.

Alles begann im Jahre 2001, als Baus sein 45-Punkte-Programm zur Sanierung des Stadtgartens und der Festungsanlagen vorstellte. Seine Ideen und Anregungen fanden großen Zuspruch im Stadtrat, in der Fachwelt und nicht zuletzt auch in der Öffentlichkeit. In den kommenden Jahren wurden die Kasematten, das Hornwerk und die Bootsanlagestelle auf der Vaubaninsel saniert. Als 2010 die Vermarktung des Wohnbauprojektes am früheren Schlachthof scheiterte, ergab sich überraschend die Chance für Baus, die von ihm favorisierte Lösung einer Rekonstruktion der Festung zu realisieren. Er nahm Kontakt zu Zuschussgebern auf und erreichte, dass das Projekt in ein Förderprogramm aufgenommen wurde. Damit war der Grundstein für den heutigen „Ravelin V“ gelegt.

„Mittlerweile sind vier Bauabschnitte realisiert worden, der fünfte startet im Sommer und wird voraussichtlich Ende 2020 abgeschlossen sein“, erklärte Baus den Besuchern. Als Nächstes werden die Bastion VI mit Aussichtsplattform und die geschleifte Mauer saniert. Auf den Resten der noch vorhandenen Festungsmauer werden Stahlbügel angebracht, um die tatsächliche Dimension der einstigen Bastionswand zu verdeutlichen.

Bei der Führung erzählte Baus auch aus dem Leben und Wirken der beiden Baumeister Vauban und Choisy: „Tausende von Soldaten bauten unter Leitung von Vauban und Choisy rund sechs Jahre an der Festung Saarlouis.“ Diese so genannten Bausoldaten kamen zum Beispiel aus der Picardie, daher der Name des Saarlouiser Stadtteils Picard. Die Steine für den Festungsbau stammten unter anderen von der „Humburg“, einer mittelalterlichen Burg in Wallerfangen, aus Felsberg und vom Limberg. Das Holz kam vom Lisdorfer Berg, der damals ein Wald war.

Auch was es mit der Brücke im „Ravelin V“ auf sich hat, erklärte Baus: „Diese diente den Bauern aus Beaumarais und Wallerfangen als schneller Zugang in die Stadt.“ Die Brücke wird voraussichtlich in wenigen Wochen freigegeben. Abschließend erläuterte der Stadtplaner den Übergang vom Bereich der Festungsrekonstruktion zur heutigen Stadt (Vaubanstraße), den man mit einer Schrägwand aus Cortenstahl angedeutet hat.

Seit Beginn der Baumaßnahmen hat die Stadt mehr als 20 Millionen Euro in die Festung investiert. Davon fließen inzwischen 83 Prozent als Fördermittel von Land, Bund und EU wieder in den städtischen Finanztopf zurück.

Im Tonnengewölbe erklärte Diplom-Ingenieur Jürgen Baus die Entwicklung und Funktionsweise der Festung Saarlouis.  Foto: Sabine Schmitt/Stadt. Foto: Sabine Schmitt/Stadt Saarlouis

Die nächste Führung wird voraussichtlich im Oktober stattfinden. Infos im nächsten Programmheft der VHS, das im August erscheint.

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