Dreisprachige Literaturzeitschrift Saarlouis erschienen

Literaturzeitschrift : Grenzenlose Kunst und Literatur

Die neue Auflage der dreisprachigen Literatur-Zeitschrift „Paraple“ ist erschienen. Vieles dreht sich diesmal um die „Rouh“.

„Gau un Griis“, die grenzüberschreitende Vereinigung zur Erhaltung und zur Pflege der moselfränkischen Mundart, unserem „Platt“, hat jetzt die 80 Seiten umfassende neue Ausgabe der dreisprachigen Literatur-Zeitschrift „Paraple“ vorgelegt. Die Dreisprachigkeit mit Französisch, Deutsch und Platt macht das Besondere aus. Bewusst bezieht der Herausgeber auch die rheinfränkische und Pfälzer Mundart mit ein. Hauptthema ist diesmal „Silence“, „Ruhe“ und „Rouh“.

Das Thema „Ruhe“ weckt sehr viele Assoziationen: Stille, Schweigen, Lautlosigkeit, Reglosigkeit, Innehalten, Besinnung, Einkehr, bis hin zur kleinen und großen Ewigkeit. Es ist eine sehr große Bandbreite, die auch im Mundartlichen vielfältig beschrieben wird. Mit Gérard Carau (Beckingen), Jean-Louis Kieffer (Filstroff), Harald Ley (Picard) und dem Lothringer Lucien Schmitthäusler gibt es eine fachlich gut eingespielte Redaktion.

Mit Absicht geht man bei „Paraple“ über das facettenreiche Mundartliche hinaus. Es gibt immer wieder historische Bezüge zum früheren Schicksal einer oft leidvoll heimgesuchter Grenzregion.

„Paraple“ gibt auch einheimischen Künstlern einen Raum. Diesmal sind es „Gedanken in Beton“ von Franz Steiner (Beckingen). Der Künstler hat ein eigen-, ja einzigartiges Verhältnis zwischen den Inhalten seiner Skulpturen und den von ihm verwendeten Materialien. Im Wesentlichen geht es um mit Händen geformten Beton, Pinselmetallisierung mit Oxidation, mit Eisen stabilisiert. Gelegentlich kommen weitere Materialien wie Glas oder Holz hinzu.

Margit Grüneisen (Nalbach) beginnt ihren Beitrag zu Rouh: „Auen zuu, Hänn ónn Fieß sesammen, én de Késcht ónn zuu“. Harald Ley meint zur Ewich Rouh: „De Welt éss laut génn. Vill se laut, iwwerall“. Aus Überherrn berichtet Gisela Bell vom „Flüstern der alten Ulme“. Auf Rheinfränkisch befasst sich die Forbacherin Annette Philipp mit „Middahschdunn“ und „Kinnen Kinner wierklisch mòl schdill sinn?“. Vom Samenkorn, das in der „Erd leid un waad“ spricht Hilde Hartmann (Dudweiler) auf Rheinfränkisch. Ursula Kerber (Roden) resigniert: „de Unrouh kabutt, all sei Lewdaachs getriew, dat kann et aach génn“. Hans Helmut Schneider (Dillingen) bereichert die neue Ausgabe von „Paraple“ mit der Übersetzung des Songs von Paul Simon „The Sound Of Silence“ mit dem „Klang aus Schweigen“ auf Hüttersdorfer Mundart.

Nicht mit ruhigen, sondern mit stürmischen Zeiten geht es bei dem Lebenslauf des früheren Soldaten Marcel Lang aus dem lothringischen Hellimer weiter. Der aus Gerlfangen stammende Werner Jacobs und Jean-Louis Kieffer haben sich mit dem handschriftlichen Nachlass „Mein Lebenslauf bis 1918“ befasst. Noch keine 18 Jahre alt, wurde Lang zu den „27. Pionieren“ nach Trier einberufen. Er schildert die harte Zeit der Ausbildung auf dem Übungsplatz Meuren, die immer schlechter werdende Verpflegung und schließlich den Einsatz in Belgien und in Frankreich. Nach Ende des Ersten Weltkrieges kann er in seine lothringische Heimat zurückkehren. Lang erlebt den Zweiten Weltkrieg und schließlich das Kriegsende. Die von Lang hinterlassenen Texte sind in der Sprache der einfachen Menschen verfasst und damit auch ein Zeitdokument von besonderem Wert.

Suzanne Rouget als Altviller erinnerte 1989 in Rheinfränkisch an die Zwangsevakuierung der Lothringer bei Kriegsausbruch 1939.

„Die guten Geister“, eine Skulptur des Beckingers Franz Steiner. Foto: Paraple/Repro Erhard Grei. Foto: Grein

„Paraple“ kostet acht Euro. Die Zeitschrift ist in den Buchhandlungen Pieper in Saarlouis, Bock&Seip in Saarlouis und Merzig und bei Photo Phant in Siersburg erhältlich.

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