| 00:00 Uhr

„Intolerant nur gegen Intoleranz“

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer signierte das „Auge“, das Mike Mathes (links) auf für den verstorbenen Aleksander Laks auf ein Stück Holz mit Saarland-Umriss gemalt hat. Fotos: M.Reck/M. Mathes
Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer signierte das „Auge“, das Mike Mathes (links) auf für den verstorbenen Aleksander Laks auf ein Stück Holz mit Saarland-Umriss gemalt hat. Fotos: M.Reck/M. Mathes
Saarlouis. Ein „Auge“ von Aktionskünstler Mike Mathes samt Widmung der Ministerpräsidentin nimmt Christian Lanyi aus Saarlouis mit nach Rio: zur Trauerfeier für Aleksander Laks. Den Zeitzeugen des Nazi-Terrors kannten sie und viele Saarlouiser Schüler gut. we

Er hatte seit fünf Jahren Schülern vor allem in Saarlouis erzählt von seiner Zeit als Kind im Getto Lodz und im KZ Auschwitz, hatte geworben für Toleranz und Freundschaft, und nun ist er mit 88 Jahren in seinem Wohnort Rio de Janeiro gestorben: Aleksander Laks. Er erzählte, weil er "seinem Vater damals auf dem Todesmarsch versprochen hat, dass er über die Geschichte seiner Familie und den Holocaust erzählt, selbst wenn man ihm nicht glaubt", berichtet Christian Lanyi, bisher Stadtgarten-Gymnasium (SGS), jetzt Leiter des Max-Planck-Gymnasiums Saarlouis .

Man glaubte Laks, an den Schulen hätte man manchmal eine Stecknadel fallen hören, wenn er erzählte. Lanyi kannte ihn aus der Zeit an der Deutschen Schule in Rio. Er brachte den Kontakt ans SGS mit. 2011 übersetzte Lanyi Laks' Erinnerungen. 2013 fand eine SGS-Schülergruppe einen Verleger für "Die Toten altern nicht. Warum ich erzählen muss, wie ich Auschwitz überlebte". Lanyi: "Aleksander Laks hat nie angeklagt, er war intolerant nur gegen Intoleranz".

Toleranz gegenüber allen, das machte ihn zum "Seelenverwandten" des Saarlouiser Aktionskünstler Mike Mathes, der nach Laks' Tod dessen Auge auf ein Stück Holz mit dem Grundriss des Saarlandes malte. Gestern signierte es Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Am Freitag nimmt Lanyi das Auge mit zur Trauerfeier nach Rio als Geschenk für die Familie von Laks. Mike Mathes hat ihn ebenfalls kennengelernt. "Beeindruckt hat mich, wie er mit anderen Menschen auch über deren Leid sprechen konnte, immer auf Augenhöhe, auf gleicher Ebene mit ihm."