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Verbraucherrecht
Bauernfänger sind gerne im Internet unterwegs

Die Not-Öffnung einer Haustür durch einen Schlüsseldienst kann schnell richtig teuer werden.
Die Not-Öffnung einer Haustür durch einen Schlüsseldienst kann schnell richtig teuer werden. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Dillingen. Die Dillinger Verbraucherzentrale berichtet von zahlreichen Fallen, in die Verbraucher im Alltag nur allzu schnell tappen können.

Böse Kostenfallen, Nepp und Bauernfängerei: Auch im vergangenen Jahr hatten die Rechtsberaterinnen der Verbraucherzentrale (VZ) Dillingen, Elif Tanto und Brigitte Paul, mit Klassikern und neuen Finten zu tun. „Die Kreativität der Abzocker endet nie“, betont Paul. Rund 5000 Anfragen, vor allem aus dem Kreis Saarlouis, beantwortete die VZ Dillingen 2017.


Der Internethandel sorgt neben Mobilfunkanbietern (siehe unten) auch für allerhand Arbeit in der VZ Dillingen: Zu tun hatte Tanto insbesondere „mit sogenannten Fake-Shops, in denen statt des tollen Angebotes minderwertige Ware oder gar keine geliefert wird“, erklärt sie. „Meist landet man durch ein preisgünstiges Lockangebot auf der Seite, klickt sich durch, im Laufe des Kaufes bleibt ,aus technischen Gründen` plötzlich nur noch Vorkasse als Zahlungsart übrig – und dann ist das Geld weg.“ Wird bestellte Ware nicht innerhalb einer Frist geliefert, der Anbieter antwortet nicht mehr oder die Seite wird einfach vom Netz genommen, ist es meist zu spät, weiß Tanto: „Dennoch sollte man Anzeige bei der Polizei erstatten.“

Sie warnt davor, bei Onlinehandel gegen Vorkasse zu zahlen. Und: „Man sollte aufmerksam werden, wenn der Preis massiv von vergleichbaren Angeboten abweicht. Das Impressum sollte immer überprüft werden.“ Zum Teil würden aber ganze Seiten einfach von anderen kopiert, Siegel erfunden oder ebenfalls kopiert. Doch auch hier gibt es Tricks für Verbraucher: „Die Siegel einfach mal versuchen, anzuklicken“, rät Tanto. „Und den Shop googlen, da finden sich manchmal schnell Erfahrungsberichte.“



Auch auf Abofallen im Internet fielen 2017 wieder etliche Verbraucher im Kreis herein. Dabei werden über E-Mail-Anbieter unwissenden Nutzern Club-Verträge oder ähnliches verkauft. „Wir hatten 2017 sehr viele Betroffene, aber wir sind aus fast allen Verträgen wieder herausgekommen“, berichtet Paul. Generell empfiehlt sie, bei solchen Problemen möglichst früh Rat zu suchen: „Wenn schon Inkassounternehmen im Spiel sind, wird es schwieriger.“

Online-Datingportale locken meist mit einer kurzen Test-Mitgliedschaft, die automatisch in einen teuren Vertrag mündet, erklärt die Rechtsberaterin. „Lässt man sich auf Lockangebote ein, muss man schon mal alle Daten eingeben“, warnt Paul. Damit kann der Anbieter dann weitere Einzüge tätigen. „Hier hilft nur, direkt zu widerrufen“, sagt sie. Ähnliche Erfahrungen haben ahnungslose Kunden aus dem Kreis mit anscheinend kostenlosen Streaming-Angeboten für Filme gemacht: „In einem Fall kam schließlich eine Forderung über ganze 359 Euro für eine angebliche Mitgliedschaft“, erzählt Paul.

Allein in diesem Jahr hatten die Beraterinnen schon mit drei Fällen von Identitätsdiebstahl im Internet zu tun, 2017 waren es noch mehr. „Man muss unbedingt auf seine Daten achten, sparsam damit umgehen und die Passwörter häufig wechseln“, rät Paul. „Wird aber ein Unternehmen gehackt, ist man als Verbraucher hilflos.“

Aber auch in der analogen Welt gibt es noch genug Verbraucherfallen: Der Wechsel des Stromanbieters beispielsweise. Eine beliebte Masche schildert Paul: „Anbieter rufen an und fordern auf, den Zählerstand mitzuteilen. Damit schließt man unwissentlich einen Vertrag ab.“ Sie rät, sofort mit Eingang eines schriftlichen Vertrags zu widerrufen. Und sich gleich beim bisherigen Anbieter zu versichern, dass „der neue“ nicht einfach im vermeintlichen „Auftrag des Kunden“ gekündigt hat.

Unseriöse reisende Handwerker-Kolonnen trieben auch im Kreis Saarlouis wieder ihr Unwesen. „Meist fallen Senioren darauf rein“, weiß Paul. „Bei einer Dachreinigung wurden 2017 vor Ort mehrere tausend Euro gezahlt.“ Da hilft nur die Strafanzeige bei der Polizei, sagt sie: „Aber: Es gab keine Namen, keine Karte, nichts.“ Aber auch mit ansässigen Handwerksbetrieben käme es immer wieder zu Streitigkeiten, weil vereinbarte Kosten nicht eingehalten oder Arbeiten falsch „bis hin zum Baupfusch“ durchgeführt wurden, berichtet Paul. „Wenn man Arbeiten plant, sollte man immer mehrere Angebote einholen und vergleichen, und dabei auch genau festhalten, was zu tun ist“, empfiehlt sie.

Teure Zeitschriftenabos, oft verknüpft mit einem angeblichen Gewinn, finden auch immer noch ihre Abnehmer. „In aktuellen Fällen wird gegen ein Abo eine Spende zu karitativen Zwecken versprochen, oft sogar an Vereine im Ort“, erzählt Paul. „Bei diesen Geschäften an der Haustür werden gezielt ältere Leute ausgesucht und angesprochen.“ Aber auch hier konnte die VZ in fast allen Fällen helfen, schnell wieder aus der Kostenfalle zu kommen.

Ein alter Klassiker sind die organisierten Abzocker vom Schlüsseldienst: „Die werben im Internet mit Türöffnung ab acht Euro, die Firmen sitzen alle in Essen“, verrät Paul. „Dann kommen Rechnungen mit bis zu 1200 Euro auf die Opfer zu.“ Würden die in der Not gezahlt, sei das Geld fast immer futsch, bedauert Paul: „Den Firmen ist nicht beizukommen, die ziehen um, schließen. Selbst die Polizei kann da nichts tun.“

Zu vielen Beratungsthemen wie Schlüsseldienste, Fluggastrechte, Werbeanrufe, Online-Bestellungen und anderen hat die VZ Dillingen Flyer und Broschüren mit den wichtigsten Infos erstellt.