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„Investitionsoffensive“ ab 2020
Dringend gesucht: Ingenieure als Staatsdiener

In der Privatwirtschaft verdienen Ingenieure zum Teil deutlich mehr als im öffentlichen Dienst.
In der Privatwirtschaft verdienen Ingenieure zum Teil deutlich mehr als im öffentlichen Dienst. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Saarbrücken. Das Land hat zwar ab 2020 deutlich mehr Geld für Gebäude und Straßen. Doch die dafür nötigen Ingenieure und Techniker sind kaum noch zu bekommen. Was bedeutet das für die „Investitionsoffensive“? Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Geld baut keine Gebäude und Straßen. Die Landesregierung kann ab dem Jahr 2020 zwar Dutzende zusätzliche Millionen für Investitionen ausgeben. Allerdings fehlt es nach einem jahrelangen Sparkurs in den Behörden dafür jetzt an Ingenieuren, Architekten und Technikern. Bevor jetzt neue Bauwerke geplant und genehmigt werden können, müssen deshalb erst Fachleute eingestellt werden – die auf dem Arbeitsmarkt aber gar nicht so leicht zu bekommen sind, jedenfalls nicht zu den starren Konditionen des öffentlichen Dienstes. „Wir suchen händeringend Leute“, sagt Bauminister Klaus Bouillon (CDU). Sie zu finden, sei aber „ungeheuer schwierig“.


Um ihre „Investitionsoffensive“ ab 2020 vorzubereiten und in Gang zu bringen, hat die Landesregierung seit dem vergangenen Jahr bereits 97 zusätzliche Stellen beschlossen. Profitieren werden vor allem das Verkehrsministerium mit seinem Landesbetrieb für Straßenbau (LfS), das Umweltministerium, das mit mehr Personal die Genehmigungsverfahren beschleunigen soll, sowie das Bauministerium.

Wie prekär die Situation derzeit ist, zeigt folgendes Beispiel: Um die Baumaßnahmen an den saarländischen Hochschulen kümmert sich im Bauministerium ein einziger Architekt, ein weiterer um die Universitätskliniken. Gerade an der Uni wird in den nächsten Jahren kräftig in neue Gebäude investiert. Besonders rar sind Haustechnik-Ingenieure, zum Beispiel Fachleute für Versorgungstechnik.



Warum den Behörden die Rekrutierung so schwer fällt, ist offensichtlich: Die Baukonjunktur boomt, die Firmen stellen ein und zahlen im Zweifel besser als die öffentlichen Verwaltungen (siehe Grafik). Beim Land kommt hinzu: Junge Beamte müssen für die ersten beiden Jahre auf 150 bis 350 Euro ihres Monatsgehalts verzichten – wegen der Schuldenbremse. Der Beamtenbund fordert höhere Einstiegsgehälter für Ingenieure und – falls dies nicht reicht – Zuschläge.

Konkurrenz bekommt das Land aber nicht nur von privaten Firmen, sondern auch vom Bund und den Kommunen. Denn die Gehälter im Tarifvertrag des Bundes und der Kommunen (TVöD) sind etwas höher als im Tarifvertrag der Länder (TVL). Das könnte insbesondere für den LfS zum Problem werden, wenn die neue Autobahngesellschaft des Bundes ihre Zweigstelle im Saarland in Betrieb nimmt und dafür Ingenieure vom LfS abwirbt.

Ein weiteres Problem, über das Bauminister Bouillon klagt: In einigen Bereichen kann das Land aus haushaltstechnischen Gründen zunächst nur befristete Stellen anbieten, weil noch nicht ganz klar ist, wie sich das zusätzliche Personal auf die einzelnen Bereiche verteilen wird. Aus einer ungekündigten Stellung in der Privatwirtschaft wird sich jedoch kaum jemand auf einen Zeitvertrag beim Land einlassen, selbst wenn man ihm in die Hand verspricht, dass man ihn danach schon übernehmen wird.

Beim LfS heißt es, die Rekrutierung von Straßenbau- und Brückenbauingenieuren gestalte sich „nach wie vor mühsam“. Um ältere Kollegen möglichst vollwertig ersetzen zu können, müssten Neueinsteiger möglichst schon Berufserfahrung mitbringen. „Das macht die Sache nicht einfacher“, sagt Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Der demografische Wandel bildet sich auch bei dieser Berufsgruppe ab, und jeder Vierte ist bei uns bereits älter als 50 Jahre.“

Der LfS sucht unter anderem Fachleute für Bau und Unterhaltung von Straßen und Brücken, Verkehrsplanung, Großraum- und Schwertransporte, Radwegeplanung, Planfeststellung, Controlling, Vergabe- und Vertragsmanagement und Baukoordination. Bei der Suche will der LfS aktiv auf potenzielle Bewerber zugehen, auch in anderen Bundesländern.

Beim LfS werden die Stellen nach Rehlingers Worten als unbefristete Beamtenstellen ausgeschrieben. Das sei für viele eine starke Motivation. Dennoch zeigte sich in der Vergangenheit, dass lediglich ein Drittel bis ein Viertel der Bewerber überhaupt als grundsätzlich geeignet eingestuft wurde. Der Beamtenbund kritisierte, da zunehmend weniger qualitative Bewerbungen eingingen, könne man nicht mehr von einer Besten-Auslese sprechen.

Die „Investitionsoffensive“ sei allen Widrigkeiten zum Trotz aber nicht gefährdet, betonen die zuständigen Minister. „Die Ministerin geht davon aus, dass alle Stellen adäquat besetzt werden können“, heißt es im Verkehrsministerium mit Blick auf den LfS. Und Bauminister Bouillon sagt: „Bisher haben wir es geschafft, dass wir schon vieles auf den Weg gebracht haben – aber nur weil die Motivation der Leute groß ist. Es wird schwieriger, aber ich hoffe, dass wir das Personal, das wir brauchen, kriegen.“