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| 20:39 Uhr

Influenza-Gefahr
Ärzte raten jetzt zur Grippe-Impfung

Ein Pieks, der Leben retten kann: Vor allem ältere und chronisch kranke Menschen sollten sich gegen die Grippe impfen lassen.
Ein Pieks, der Leben retten kann: Vor allem ältere und chronisch kranke Menschen sollten sich gegen die Grippe impfen lassen. FOTO: Sebastian Gollnow / dpa
Saarbrücken. Viele Menschen unterschätzen die Influenza-Gefahr. Das zeigt auch der Tod zweier Mädchen aus Saarbrücken. Von Jana Bohlmann

Zwei Kinder aus Saarbrücken sind innerhalb der vergangenen sechs Wochen an einer Grippe-Erkrankung gestorben. Im Dezember vergangenen Jahres starb ein fünfjähriges Mädchen aus Burbach und erst vergangene Woche eine Vierjährige aus Altenkessel.

Die Grippewelle 2016/2017 hat in Deutschland 448 Todesopfer gefordert, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI), das als zentrale Einrichtung für Krankheitsüberwachung und -prävention auf Bundesebene agiert. „Die Grippe wird definitiv unterschätzt. Die wirklichen Zahlen der Todesopfer kann man eigentlich nur schätzen, denn dabei spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle“, erklärt RKI-Sprecherin Su­sanne Glasmacher. Die Grippe, auch als Influenza bezeichnet, schwächt das Immunsystem, so dass Betroffene anfälliger für weitere Krankheiten sind, die dann tödlich verlaufen können. Deshalb werden viele Fälle, die mit einer Grippe begannen, bei denen die Todesursache aber eine andere war, statistisch nicht erfasst.

Laut Dr. Josef Mischo, Präsident der saarländischen Ärztekammer, sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und Personen, die aufgrund ihres Berufes mit vielen Menschen in Kontakt kommen, gefährdet. „Die Ständige Impfkommission der Bundesärztekammer empfiehlt die Impfung zudem Schwangeren sowie medizinischem Personal und Personen in Einrichtungen mit Publikumsverkehr“, so der Ärztekammer-Präsident weiter.

Laut Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut sind sich viele Menschen der Gefahr einer Grippe nicht bewusst: „Die Impfquoten bei den Risikogruppen sind in Deutschland nicht befriedigend.“ Rund drei bis fünf Monate im Jahr, normalerweise von Dezember bis März, bestehe die Gefahr, an einer Grippe zu erkranken, erklärt Glasmacher.

Die beiden Mädchen aus Saarbrücken hatten nach Aussage des Gesundheitsamtes des Regionalverbandes keine Grippeschutzimpfung. „Diese beiden Fälle sind eine Ausnahme. Wir hatten hier im Saarland schon lange keinen Fall mehr wie diese“, sagt Karl Stiller, der Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte im Saarland. „Wir empfehlen, Kinder gegen die Grippe impfen zu lassen, allerdings gibt es keine Pflicht“, so der Vorsitzende des Verbandes weiter. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Impfung für Menschen ab 60 Jahren. Bei Kindern ist dies von Kasse zu Kasse unterschiedlich. „Ich empfehle, alle Kinder, die eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen, impfen zu lassen. Ein Kind verbreitet zum Beispiel nur durch einmaliges Husten oder Niesen Viren in einem Umkreis bis zu anderthalb Metern und diese überleben bis zu 24 Stunden. Die Ansteckungsgefahr ist in diesen Einrichtungen also extrem hoch“, erklärt Stiller.

Lässt man sich impfen, ist man rund zwei Wochen später gegen die Grippe geschützt. Obwohl die Grippe bereits im Umlauf ist, ergibt eine Schutzimpfung zum jetzigen Zeitpunkt dennoch Sinn, sagt Stiller. „Wenn man geimpft ist, kann man bedenkenlos alle Einrichtungen und Veranstaltungen besuchen und muss sich keine Sorgen wegen etwaiger Erreger machen.“ Der Mediziner weist darauf hin, dass noch Impfstoff in den saarländischen Arztpraxen zur Verfügung steht: „Der Impfstoff ist im Großhandel schon vergriffen, aber es gibt noch genügend Kollegen, die Reste haben und gegen Grippe impfen.“

Laut Stiller sind die Nebenwirkungen einer Impfung im Vergleich zur Krankheit extrem gering. Dennoch ist die Impfquote nicht befriedigend. „Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie die Ärzte die Schutzimpfung bewerben. Ein Arzt verdient an einer Impfung gerade mal sieben Euro. Es lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht also kaum, aber es gibt genügend Kollegen, die aus moralischen Gründen eine solche Impfung vorschlagen.“

Auch der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, Dr. Gunter Hauptmann, erklärt: „Trotz des zeitlichen Fortschritts der Grippesaison lohnt sich die Grippeschutzimpfung.“

Die in Saarbrücken ansässige Krankenkasse IKK Südwest, die die Kosten für Grippeschutz-Impfungen für Kinder übernimmt, schließt sich dieser Empfehlung an: „Wir wollen Eltern ermuntern, auch zusätzlich angebotene Impfungen, die über die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission hinausgehen und von ihren Krankenkassen angeboten werden, wahrzunehmen.“