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"400 bis 500 Leute wollen rein"

Erwachsenen und Kindern anschaulich zeigen, wie früher unter Tage gearbeitet wurde: Das soll im früheren Velsener Lehrstollen weiterhin möglich sein. Die Führungen dort waren stets Höhepunkte der bisherigen Warndt-Weekends (dabei entstand unser Archivbild). Foto: Jenal
Erwachsenen und Kindern anschaulich zeigen, wie früher unter Tage gearbeitet wurde: Das soll im früheren Velsener Lehrstollen weiterhin möglich sein. Die Führungen dort waren stets Höhepunkte der bisherigen Warndt-Weekends (dabei entstand unser Archivbild). Foto: Jenal
Velsen. Es wird Ernst: Vom April an mietet der Verein Erlebnisbergwerk Velsen den ehemaligen Lehrstollen auf dem Gelände der alten Grube Velsen. Der Vertrag steht (wie bereits gemeldet). Der Verein will dann Besucher durch den Stollen führen und muss sich um die komplette Technik dort kümmern Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Velsen. Es wird Ernst: Vom April an mietet der Verein Erlebnisbergwerk Velsen den ehemaligen Lehrstollen auf dem Gelände der alten Grube Velsen. Der Vertrag steht (wie bereits gemeldet). Der Verein will dann Besucher durch den Stollen führen und muss sich um die komplette Technik dort kümmern. Viel Arbeit? Volker Etgen, dem Vorsitzenden, und seinem Stellvertreter Hermann Braun ist beim Treffen am Montagmorgen keine Nervosität anzumerken. "Nein, jetzt kommt das Vergnügen", sagt Braun lachend. "Jetzt kommt die Kür", bekräftigt Etgen. Die beiden und ihre Mitstreiter bringen Bergbau-Erfahrung mit. Sie haben sich den Velsener Stollen unter technischen Gesichtspunkten genau angesehen, haben mit spitzem Stift gerechnet. Und sind überzeugt, dass sie aus eigenen Kräften, ohne Zuschüsse, das Erlebnisbergwerk offenhalten können.20 000 Euro Betriebskosten, so kalkulieren sie, müssen sie jährlich erwirtschaften. Viel weniger als bisher diskutiert; die höheren Beträge, sagen sie, seien durch Ausbildungs-Erfordernisse zustande gekommen, "das brauchen wir ja alles nicht". Der Lüfter soll nicht mehr rund um die Uhr laufen, sondern nur während der Besucherführungen; ansonsten genüge die natürliche Belüftung des Schachts. Auch die Heizung müsse man nur bei bestimmten Wetterverhältnissen einschalten. Bei der Energie lasse sich also kräftig sparen. All das und mehr, sagen Etgen und Braun, prüfe erstmal das Bergamt. Dem müsse der Verein nachweisen, dass er die bergrechtlichen Auflagen erfülle, erst dann gebe es die Zulassung.


Von montags bis samstags wollen sie Besucherführungen nach Vereinbarung anbieten, sonntags zum festen Termin. 15 Vereinsmitglieder stehen als kundige Führer bereit. Der Eintrittspreis - wie bisher 7,50 Euro für Erwachsene, drei Euro für Kinder und Jugendliche - soll die Kosten decken. Damit es keine Verluste gibt, so haben sie ausgerechnet, brauchen sie 3000 Gäste pro Jahr. Das sei nicht unrealistisch: 2003 waren 4300 Menschen da. 2011, bei reduziertem Führungs-Angebot, kamen noch 1800 Gäste - "ohne Werbung!", betont Etgen. Um die will sich der Verein jetzt kümmern. Anfragen gebe es jetzt schon: "400 bis 500 Leute wollen rein", sagt Etgen.



Der Mietvertrag ist bis Ende 2013 befristet. Bis dahin, sagt Rudolf Krumm von der RAG Montan Immobilien, werde wohl klar sein, was ein Abschlussbetriebsplan kostet. Diese Summe werde die RAG dann hinterlegen, wohl bei der Bergbehörde - damit sie die Anlage verkaufen und ein Nachbesitzer gegebenfalls sanieren und "abräumen" kann. Der Verein würde die Fläche gern übernehmen, zum Erhalten, nicht zum Abräumen. Aber ob das so kommt, ist noch offen.

erlebnisbergwerkvelsen.de

Meinung

Die erste Hürde ist geschafft

Von SZ-RedakteurinDoris Döpke

"Hut ab vor dem Engagement dieser Leute!", sagt Rudolf Krumm von der RAG Montan Immobilien GmbH über den Verein Erlebnisbergwerk Velsen. Recht hat er. Ohne den Protest vieler Menschen aus der Region und vor allem den leidenschaftlichen Einsatz derer, die sich zum Verein zusammengeschlossen haben, wäre eine sehenswerte Einrichtung der Region vielleicht schon Vergangenheit.

Die Vereins-Aktiven, mehrheitlich frühere Bergleute, haben kalkuliert, dass die Kosten für die Erhaltung des Velsener Lehrstollens wohl viel niedriger sind als anfangs gedacht. Wenn sie - hoffentlich! - Recht behalten, ist die erste und größte Hürde überwunden, die neuen Plänen für die alte Grube Velsen entgegensteht. Das reizvolle Ensemble ist wichtig als Erinnerung an vergangene Bergbau-Zeiten. Und mehr noch für die Zukunft der Region, in der (Nah-)Tourismus ja eine wichtige Rolle spielen soll. Velsen könnte dabei ein Zentrum sein - mit dem Erlebnisbergwerk als Herzstück.

Hintergrund

Das Erlebnisbergwerk Velsen hat über Jahrzehnte der Untertage-Ausbildung gedient. In einer Sandsteinformation neben der alten Grube sind rund 700 Meter Strecken auf drei Sohlen aufgefahren. Seit Januar wird der Stollen nicht mehr fürs Lernen benötigt. Ob er für Besucher offen bleiben könnte, stand in Frage: Die Betriebskosten wurden zunächst auf 90 000 Euro jährlich beziffert. Viele Menschen in der Region haben energisch für die Erhaltung des Erlebnisbergwerks gekämpft. dd

Volker Etgen (links) und Hermann Braun sind die Vorsitzenden des Vereins, der ab April das Erlebnisbergwerk Velsen mietet. Sie und ihre Mitstreiter wollen den Stollen für Besucher öffnen. Foto: Jenal
Volker Etgen (links) und Hermann Braun sind die Vorsitzenden des Vereins, der ab April das Erlebnisbergwerk Velsen mietet. Sie und ihre Mitstreiter wollen den Stollen für Besucher öffnen. Foto: Jenal