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Werbung per Post: Wie ich nicht Millionärin werde

Werbung per Post : Wie ich nicht Millionärin werde

Wer sich drauf verlässt, die neuen Datenschutz­-Regeln könnten unerwünschte Reklamebriefe verhindern, ist verlassen – man muss schon selber Briefe schreiben.

Brief Nummer eins hat mich amüsiert. Auf dem Umschlag war zu lesen, ich könne Millionärin werden. Toll. Im Brief versicherte eine große Lotterie-Firma, sie habe gespart für ihr Jubiläum und biete nun Superhyperduper-Chancen an.

Anrufen sollte ich und den Code nennen, der – „exklusiv!“ – im Brief stand. Dann werde für mich ein Würfel rollen, bis ich „Stopp!“ sage. Sechs Augen: die Million. Fünf Augen: ein 750 000-Euro-Traumhaus. Selbst ein Einer gewinne, nämlich ein „Überraschungsgeschenk“. Freilich bat die Firma auch um Verständnis, dass ihr Sparkonto nicht unbegrenzt gefüllt sei: Die Million sei nur einmal zur Hand, das Traumhaus nur dreimal, und wenn weg, dann weg. Mein Grinsen wurde breit und breiter: Netter Versuch. Ab in den Papierkorb.

Brief Nummer zwei, 14 Tage später im Kasten, fand ich nicht mehr lustig. Gleicher Absender, gleicher Text. Plus ein Extra-Bogen mit Fotos und kernigen Sprüchen eines angeblichen, jedoch nachnamenslosen Millionen-Gewinners. Wieso, fragte ich mich, schicken mir Leute, mit denen ich nie zu tun hatte, Reklame für ein dubioses Gewinnspiel? Woher haben die meine Anschrift? Und wie werde ich die unerwünschte Post wieder los? Im Kleinstgedruckten fand ich einen Hinweis. Und zwar auf den wohl größten Adresshändler im Lande.

Darf der tun, was er tut? Ja, ergab die Recherche, das Treiben dieser Branche ist legal. Zum Zwecke der Werbung und Meinungsforschung lässt selbst die sonst so gestrenge Europäische Datenschutzgrundverordnung, 2018 mit viel Getöse in Kraft gesetzt, den Kauf und Verkauf von andererleuts Daten zu. Es sei denn, man macht sich die Mühe, ihnen das zu verbieten. Muss ich wohl, wenn ich unwitzige Reklame von meinem Briefkasten fernhalten will. Ich werde den Herrschaften also meinerseits Briefe schreiben, die sie nicht haben wollen.

Aus der Lotterie-Million wird so natürlich nichts. Aber, mein Trost: Mit den doofen Werbebriefen wär’s nicht anders.