Vor 50 Jahren stieg im Ensheimer Tal das Beat-Wald-Festival

Erstes saarländischen Festival : Wie Ensheim Woodstock zuvorkam

Vor 50 Jahren stieg auf einer Wiese unterhalb des Spohnschen Weihers das Beat-Wald-Festival.

Dieter Thomas Heck hat dem Club 69 eine Abfuhr erteilt. Für die siegreichen Bands waren nicht genug Pokale da. Und die Sache mit der Anzeige hätte auch nicht sein müssen. Aber all das hat denen, die damals dabei waren, den Spaß nicht verdorben – und gehört heute, 50 Jahre später, zum Mythos des Beat-Wald-Festes im Ensheimer Tal. Dem, wie die Veranstalter beteuern, „ersten Open-Air-Festival im Saarland“, das gut zwei Wochen vor dem noch legendärere Woodstock-Festival über die Bühne ging.

Der Club 69, das waren unter anderem Klaus Zimmermann, Paul Wack, Waldemar Schmidt, Albert Enderlein, Hansi Zimmermann und Paul Glass. Letzterem ist es zu verdanken, dass das Ereignis, das am 27. Juli 1969 um 15 Uhr begann und am 28. Juli fortgesetzt wurde, nicht in Vergessenheit geraten ist.

Der inzwischen in Baden-Württemberg lebende Ensheimer Historiker hat das Beat-Wald-Fest  in seinem 2008 veröffentlichten Band „Olägg – Ensheimer erzählen Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend“ gewürdigt.

Einer von denen, die 2008 erzählt haben, wie das 1969 gewesen ist, war Manfred Mohren. In gut tausend Arbeitsstunden wurde das Festivalgelände, „eine Wiese  unterhalb des Spohn’schen Weihers“, wie er sich erinnert, hergerichtet. Sogar ein Bagger sei im Einsatz gewesen.

Für den Tanzwettbewerb wurde eine „Riesentanzfläche“ aufgebaut, die wie die Bühne für die Bands „etwas erhöht war“. Zehn Bands hatte der Club 69 eingeladen.

„Am Start“, wie Manfred Mohren erzählte, waren schließlich sechs: The Election aus St. Ingbert, The Ties aus Lautzkirchen, The Light Lings aus Kirkel, The Southern Cross aus Saarbrücken, The Smash aus Siegen und die Rockys, eine Band aus Palermo, die auf der Durchreise war. Dazu wurde noch eine Band engagiert, die in Saarland schon damals recht bekannt war und zum Tanzwettbewerb aufspielen sollte: The Blackbirds.

Moderieren sollte das Ganze eigentlich Dieter Thomas Heck. Der ZDF-Hitparaden-Moderator habe aber nicht gewollt. Also begeisterte der Ensheimer Club 69 Manfred Sexauer vom Saarländischen Rundfunk für das Festival. Das hatte auch den Vorteil, dass Sexauer das Ensheimer Festival in seiner Sendung „Hallo Twen“ erwähnte und bekannt machte.

Dass etwa 1000 Leute ins Tal kamen, lag aber sicher auch am Werbeeinsatz des Clubs selbst. Es wurden Handzettel und Plakate gemacht.

Dann zog die Gruppe mit dem Mofa, Kleistereimern und Pinsel los. In einer „Nacht- und Nebelaktion“ seien dann Werbeflächen einfach überklebt worden – bis nach Saarbrücken rein.

„Natürlich folgte eine saftige Strafanzeige, wobei ich mich an den genauen Betrag nicht mehr erinnern kann“, schreibt Moren im Buch von Paul Glass.

An die 100 Mark, die man unplanmäßig locker machen musste, erinnert er sich dagegen noch gut. Weil das Publikum drei Gruppen beim Bandwettbewerb auf Platz zwei wählte, für die Plätze eins bis drei aber jeweils nur ein Pokal gekauft worden war, stand man vor einem Problem. Die Lösung: Die Pokale gingen an die drei Zweitplatzierten, die Sieger, The Smash, bekamen 100 Mark.

Was das Festival für viele unvergesslich macht, waren auch die 2000 bunten Luftballons, die man steigen ließ. Und auch ein Phänomen, das heute eins der Hauptprobleme ist, mit dem sich Festivalveranstalter im Vorfeld auseinandersetzen müssen, das damals aber neu war: Man hatte nicht mit so vielen Autos gerechnet. „Die Parkmöglichkeiten am Festplatz waren viel zu gering, da keiner mit einem solchen Andrang gerechnet hatte; entsprechend groß war das Chaos“, heißt es in „Olägg – Ensheimer erzählen Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend“.

Manfred Sexauer moderierte das Festival im Ensheimer Tal. Foto: SR. Foto: rb
Paul Glass, der Geschichten aus Ensheim sammelt. Foto: Glass. Foto: Glass
Die Blackbirds Mitte der 1990er-Jahre. Beim Festival 1969 wurden sie bereits als Hauptband angekündigt. Foto: ohne co

Legendär auch die Preise, die die 20 Teilnehmer am Tanzwettbewerbs unter sich ausmachten: eine Berlinfahrt für zwei Personen für die Sieger, ein Rundflug vom Flughafen Ensheim aus für die Zweitplatzierten. Die Dritten mussten zur „Kaffeefahrt nach Zweibrücken“.

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