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Wochenkolumne
„Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf“

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Was haben Politik und Narretei miteinander zu tun? Manchmal mehr, als man glauben mag. Von Doris Döpke

Wenn die Fastnacht brodelt und tobt, macht die Politik Pause. Ein, zwei Wochen findet sie einfach nicht statt. Irgendwas ist da in diesem Jahr aber anders. Nur was?


Seit am Fetten Donnerstag das Völklinger Rathaus in Narrenhand fiel, geht mir ein bemooster Ohrwurm nicht mehr aus dem Kopf: „Uff, sprach der alte Häuptling der Indianer, wild ist der Westen, schwer ist der Beruf . . .“. Ob Oberbürgermeister Klaus Lorig, der den Rathaus-Eroberern als Indianer-Boss entgegentrat, dabei just dieses Lied angestimmt hat, ist nicht überliefert. Passen würde es aber. Zu Lorigs  baldigem Abschied von der Amts-Würde-Bürde. Und zu den aktuellen Sitten im (wilden) Südwesten.

Da plant ein Verband, der seine Tätigkeit aus Lottogeld finanziert, allen Ernstes, seinem obersten Aufseher das Geburtstagsfest zu finanzieren. Und führt gegen Kritik ins Feld, man habe ja die Gäste auswählen dürfen, so habe der Plan ganz im Dienst der Sache gestanden. „Politische Landschaftspflege“ hieß das in der Kohl-Ära. Aber während damals Privatleute die Spendierhosen anzogen, nutzten die Akteure des aktuellen Süd-Wildwest-Falls öffentliches Geld – ja, sind die denn närrisch?



Genau. Das ist es! Jetzt weiß ich endlich, was sich geändert hat. Die Narretei ist so tief in die Politik eingewandert, dass es mit der Fastnachtspause Essig ist. Oh je, was kommt dann nach dem Aschermittwoch?